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Masterplan für intelligente Stromnetze gefordert

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Große Zufriedenheit bei der Politik herrschte am Donnerstag auf dem Abschlusskongress des über vier Jahre vom Bund mit 60 Millionen Euro geförderten Projekts E-Energy in Berlin. Anne Ruth Herkes, Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, sprach von einer "vorzüglichen Erfolgsgeschichte". In den sechs Modellregionen seien vielfältige Ansätze entwickelt worden. Auch aus der Wirtschaft waren 80 Millionen Euro in das Projekt für die Erforschung und Erprobung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien für Energiesysteme geflossen.

Besonders beeindruckt zeigte sich Herkes Kollege im Bundesumweltministerium, Jürgen Becker, über einen Feldtest mit mehreren tausend Teilnehmern im Rahmen von E-Energy. Die mitmachenden Haushalte hätten "weniger verbraucht" und Stromfresser häufiger in "günstigen Zeiten" laufen lassen. Dies sei ein "gutes Ergebnis", da es das Flexibilitätspotenzial beim Nutzerverhalten aufzeige. Die Projekte hätten mit Modelllösungen wie dem Mannheimer "Energiebutler" erlebbar gemacht, was Schlagworte wie intelligente Stromzähler in der Praxis bedeuteten.

Den unter dem Motto "Smart Grid" laufenden Umbau der Energiewirtschaft bezeichnete Becker als größte wirtschaftspolitische Aufgabe seit der Wiedervereinigung. "Wir brauchen dringend Fortschritte beim tatsächlichen Netzausbau", betonte der Staatssekretär. Die Nachfrageseite müsse flexibler werden und gleichzeitig sei es unerlässlich, dass sich die Stromeinspeisung stärker an der Nachfrage orientiere und mehr Speichermöglichkeiten geschaffen würden.

Ludwig Karg

(Bild: Stefan Krempl)

Der Leiter der E-Energy-Begleitforschung, Ludwig Karg, unterstrich, dass es nicht das eine "Smart Grid Deutschland" geben werde. So existierten "im ländlichem Bereich hierarchisch aufgebaute, im städtischen stark vermaschte Netze". Der Wandel vollziehe sich stark "in regionalen Kontexten". Herauskristallisiert habe sich, dass durch das Anpassen der Lastkurve, Verschiebungen bis zu plus-minus zehn Prozent zu erreichen seien.

Weiterhin führte der Berater aus, dass ein "Gebäudemanager" fürs Smart Home stärker gefragt gewesen sei als der viel beschworene Smart Meter. Es sei sinnvoll, nicht jedes einzelne Elektronikgerät ins Internet der Dinge und der Energie einzubinden, sondern ein ganzes intelligentes Haus als "Ansprechpartner" zu definieren. Nicht untergehen dürfe, dass im Stromnetz "mehr Sensorik" und andere Transparenztechniken eingebaut werden müssten, wofür "richtig Hardware" zu installieren sei.

Udo Niehage

(Bild: Stefan Krempl)

Ein weiter gehendes Umdenken im Energiemarktdesign hielt Udo Niehage, Vorstandsbeauftragter für die Energiewende bei Siemens, für nötig. Die Zahl einspeisender Erzeugungsstationen sei seit der Jahrtausendwende von 1000 auf über eine Million gestiegen Er sprach sich daher dafür aus, Kleinerzeuger erneuerbarer Energien etwa mit Photovoltaik-Anlagen nicht mehr pauschal zu bevorzugen. Auch diese müssten sich stärker absichern durch eigene flexible Kapazitäten oder den Markt. Eine Förderung der Erneuerbaren möchte der Siemens-Vertreter künftig am "technischen Reifegrad und der Marktfähigkeit" verwendeter Lösungen ausrichten.

Klarere rechtliche Rahmenbedingungen für intelligente Stromnetze forderte ebenfalls Hildegard Müller, Chefin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Wichtig sei eine Kosten-Nutzen-Analyse und die Debatte über den Bedarf an einer "neuen Netzentgeltsystematik", da sonst eine "Entsolidarisierung" im Markt zu befürchten sei. Müller rief daher nach einem "nationalen Forum" zur Energiewende und Smart Grids. Gut für solch einen Dialog gerüstet sieht Michael Wübbels, stellvertretender Geschäftsführer des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) vor allem die 900 Stadtwerke. Sie stünden als Verteilnetzbetreiber mit allen wichtigen Akteuren im Kontakt. (Stefan Krempl) / (mho)

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