Mathematik ist einfach: zum Tode von John Horton Conway

Im Alter von 82 Jahren ist der Mathematiker John H. Conway nach einer Infektion mit dem Coronavirus in Princeton, New Jersey gestorben.

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Nachruf John Conway

Der englische Mathematiker John Horton Conway (1937-2020), hier in einer Aufnahme von 2005

(Bild: Thane Plambeck / CC BY (bearbeitet))

Von
  • Detlef Borchers

"Mathematik ist einfach. Es ist das Zeug, das wir verstehen können. Katzen sind kompliziert." ("Mathematics is the simple bit. It’s the stuff we can understand. It’s cats that are complicated.")

Zeit seines Lebens war der britisch-amerikanische Mathematiker John H. Conway an den einfachen Dingen interessiert. Er kreierte einen zellulären Automaten, das "Spiel des Lebens" und beschäftigte sich im Spiel Sprouts mit der Topologie. Er propagierte die Doomsday-Methode zur Berechnung eines Wochentags im gregorianischen Kalender ausgehend vom letzten Tag im Februar und beschäftigte sich mit der Theorie der surrealen Zahlen.

John Horton Conway kam am 26. Dezember 1937 im britischen Liverpool als jüngstes Kind des Chemielaboranten Cyril H. Conway und der Lehrerin Agnes Boyce zur Welt. Bereits in jungen Jahren soll er sich mit Zahlenspielereien wie der Berechnung der Wochentage beschäftigt haben, woraus später die Doomsday-Methode entstand. Im Alter von elf Jahren stand für ihn fest, dass er Mathematiker werden wollte. Er studierte Mathematik in Cambridge und schloss das Studium 1967 mit einer Promotion bei Harold Davenport ab. Bis 1986 lehrte Conway in Cambridge, dann wurde er auf die John von Neumann-Professur der Princeton University in New Jersey berufen, wo er bis zu seiner Emeritierung lehrte.

Nach seiner Promotion beschäftigte sich Conway mit der Theorie zellulärer Automaten, wie sie John von Neumann 1940 als erster zu konstruieren versuchte. Conway vereinfachte die Regeln und so entstand das Spiel des Lebens, das Conways Freund Martin Gardner im Oktober 1970 in Scientific American veröffentlicht. Mit dieser Form der "Unterhaltungsmathematik" wurde Conway schlagartig berühmt, konnten doch mit dem Spiel zahlreiche Probleme zellulärer Automaten bewiesen werden. Ein weiteres Spiel war Sprouts, mit dem Conway eine Einführung in die Topologie verband. Ein wichtige Erweiterung der Mathematik gelang Conway mit seiner Theorie der surrealen Zahlen, wobei die Bezeichnung von Donald Knuth stammt, der beeindruckt von Conways Vorlesung eine Art Novelle schrieb, die in die surrealen Zahlen einführte.

In der Gruppentheorie entdeckte Conway die nach ihm benannten Conway-Gruppen und die auch als Knobelaufgabe bekannte Conway-Folge. Neben seiner Lehre und Forschung verfasste Conway zahlreiche Grundlagenwerke der Mathematik, etwa zur Theorie der Gitter und Kugelpackungen. Zusammen mit Richard Kenneth Guy schrieb er das "Book of Numbers" als populäre Einführung in die Zahlentheorie.

Conway wurde mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, darunter dem Steele-Preis der American Mathematics Society. 1981 wurde er Fellow der Royal Society, 1992 wurde er in die amerikanische Akademie der Künste und Wissenschaften aufgenommen. (tiw)