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Medica 2006: Wenn Daten ins Krankenhaus müssen

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Mit einem neuen Rekord von 137.500 Besuchern schloss gestern die Medizinmesse Medica ihre Pforten. Nach Auskunft der Messegesellschaft schafften auch die IT-Spezialisten einen Rekord: 38.000 Besucher kamen nach Düsseldorf, um sich über Hard- und Software für die Praxis- und Krankenhaussteuerung zu informieren. Im Mittelpunkt ihres Interesses standen ERP-Systeme sowie der Informationsverbund zwischen Krankenhäusern und Praxen. Auch die elektronische Gesundheitskarte (eGK), die mit allen Anwendungen unter anderem an einem großen Stand der Projektgesellschaft Gematik vorgeführt wurde, stieß auf großes Interesse.

"Wir haben 60 Kliniken in Berlin. Wenn jede ein eigenes Einweisungsportal im Internet hat und mit eigenen Passwörtern arbeitet, werden die Ärzte die Technik schlicht nicht nutzen." So begründete Jörg Caumanns vom Fraunhofer ISST die Notwendigkeit von sektorübergreifenden elektronischen Fallakten für die Einweisung und Behandlung von Krankenhauspatienten. Was diese erstmals auf der CeBIT vorgestellte Technik bedeutet, machte Jörg Focke, Future Hospital-Sprecher der Asklepios AG deutlich. Niedergelassene Ärzte können online ihre Patienten in alle Häuser des großen Klinkbetreibers einweisen und online die Behandlung verfolgen. Die elektronische Fallakte wird auch vom Verbund der Rhönkliniken getestet, die als Kommunikationsnetz die CIMECS-Plattform von T-Systems benutzen. In naher Zukunft sollen dann die Systeme zusammengeführt werden: Wird ein Patient von einer Rhön-Klinik in eine Asklepios-Klinik verlegt oder umgekehrt, wandert die elektronische Fallakte mit den jeweils im anderen Haus erhobenen Behandlungsdaten automatisch mit.

Auch die großen Software-Hersteller zeigten Lösungen zum Informationsverbund. So stellte InterComponentWare ein Modul namens Praxis4More vor, mit der e-Überweisungen aus der Praxis-EDV und der ICW-Patientenakte heraus in die Kliniken möglich werden. Vita-X, das konkurrierende Aktensystem der CompuGroup, wurde im Zusammenspiel mit Jesaja.net gezeigt. Last but not least sei Lorenzo Multimedia genannt, das erstmals von iSoft in Deutschland gezeigt wurde. Die multimediale Patientenakte ist eine britische Entwicklung aus dem ambitionierten National Program for IT, die laut iSoft an die deutschen Erfordernisse angepasst wurde.

Während das britische Gesundheitsprojekt hoffnungslos dem Zeitplan hinterherhinkt und mit cirka 18 Milliarden Euro den finanziellen Rahmen gesprengt hat, planen andere Länder mit kleineren Projekten den Einstieg in die Gesundheitstelematik. Ein Beispiel ist die Schweiz, in der T-Systems zur Medica mit dem Projekt Mediswiss einen Erfolg vermelden konnte. Mediswiss ist ein Gesundheitsnetz für den Kanton St. Gallen, das in der ersten Ausbaustufe als kardiologisches Fachnetz für die Fachärzte und Spitäler eingerichtet wird. Im Endausbau sollen alle Ärzte und Spitäler medienbruchfrei über Kantons- und Ländergrenzen hinweg kommunizieren können, heißt es bei T-Systems. Wie Hansjörg Looser vom Schweizer Verein für Informatik im Gesundheitswesen erklärte, sollen dabei die österreichische eCard, die deutsche Gesundheitskarte und das geplante Schweizer Patientendossier zusammenkommen. "Die Grenzkantone in der Ostschweiz sind besonders vom internationalen Austausch von Patientendaten mit ihren EU-Nachbarn in der Euregio Bodensee betroffen." (Detlef Borchers) / (se)