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Medica: Künstliche Intelligenz hilft Ärzten und Alten im echten Leben

Mehr als Pillen und Ärzte: Auf der größten Medizinmesse der Welt steht die Technik im Vordergrund. Und das heißt mittlerweile auch: Software - und immer mehr KI

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(Bild: kentoh / Shutterstock.com)

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Die größte Medizinmesse der Welt, so wird die Medica gerne genannt. Doch auf ihr dreht es nicht um Pillen und Ärzte, sondern um das, was die apparative Versorgung von Kranken braucht. Das reicht vom OP-Besteck über Spezialbetten bis hin zu Regalsystemen. Das neueste Helferlein ist aber Software, natürlich die künstliche Intelligenz (KI).

KI-Systeme sind in der Medizin schon lange bekannt. In den sechziger Jahren entwickelte man Dendral, in den Siebzigern war es Mycin, das gute Trefferquoten bei der Diagnose erzielte. Danach machte der KI-Winter allen Ansätzen den Garaus.

Heute sieht die Lage anders aus. Auf der Medica wird KI durchweg rosig beleuchtet. Die Spannbreite geht vom Klangkissen mit eingebauter KI bis zum Einsatz von KI in der Pflege beim Ambient Assisted Living, auf Deutsch auch gern mal Computergestütztes Altern genannt: "Jedes Jahr, das ältere Pflegebedürftige dank Alexa zu Hause bleiben können, ist ein gutes Jahr," erklärte die FDP-Gesundheitspolitikerin Nicole Wessig auf einer Podiumsdiskussion. Eine andere KI zeigte Nuance als Anbieter von medizinischer Spracherkennung: Der diktierte Text wird in die Microsoft-Cloud geschoben, wo die KI nach Angaben von Nuance automatisch die Dokumentation schreibt.

Dennoch gibt es auch in der KI-Entwicklung von heute Pannen. So scheiterte IBM mit seinem Programm Watson for Oncology im letzten Jahr spektakulär bei der Mission, den Krebs auszurotten, wie man großartig zuvor verkündet hatte. Aber es geht wieder aufwärts. Wie der Mediziner Heinrich Wilhelm Esser auf der Medica erzählte, steht die vor der Zulassung als Medizinprodukt. Hinter der App werkelt eine KI und beurteilt retrospektiv die Leistungen von Tumorkonferenzen und macht sie damit vergleichbar.

Was ein Medizinprodukt ausmacht und besonders die Zulassung einer App als Medizinprodukt ausmachen kann, hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik zur Medica vorgestellt. Etwas umständlich heißt die Handreichung Leitfaden zur Nutzung des MDS2 aus 2019, wobei MDS2 für die zweite Version des "Manufacturer Disclosure Statement for Medical Device Security" steht. Wer Medizinprodukte vertreibt oder einsetzt, hat im "gegebenen Rahmen" Auskunft über die Sicherheit seiner Produkte zu geben. Über diese Form der Auskunft wird sicher auf der Medica 2020 diskutiert werden, wenn die elektronische Patientenakte und die elektronische Gesundheitsakte die elektronische Fallakte ergänzen.

Reiche Länder wie Deutschland können sich ein teures Gesundheitssystem mit all den Akten und Zulassungen und BSI-geprüften eHealth-Konnektoren leisten, ärmere Länder können es schlicht und einfach nicht. Aber auch sie müssen "digitalisieren". Ein kleiner Stand der GNU Health Federation zeigte, wie das in Ländern wie Jamaika und Brasilien mit Open Source geht. Die Spannbreite des Einsatzes geht von freier Software am Patientenbett mit dem Raspberry Pi über die PVS (Praxisverwaltungssysteme) und die KVS (Krankenhausverwaltungssysteme), wovon das größte ein asiatischer Betrieb mit 3500 Betten ist. Auf der Medica in Düsseldorf warb man für die anstehende GNUhealthcon in Lüttich als etwas andere Medizinmesse. (jk)