Medien-Krise setzt Manager unter Druck

Die Branchenstars aus Zeiten der Börseneuphorie müssen umdenken oder den Hut nehmen wie Thomas Middelhoff bei Bertelsmann.

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  • dpa

Die derzeitige Krise der Medienbranche mit zum Teil drastischen Gewinn- und Umsatzeinbußen und dem dramatischen Wertverlust an der Börse setzt die Manager weltweit schwer unter Druck. In Europa kostete bereits die groß angelegte Einkaufstour im Film-, Fernseh- und Musikgeschäft in Zeiten der Börseneuphorie den Chef des Medienkonzerns Vivendi Universal, Jean-Marie Messier, den Job. Als die Kurse in den Keller purzelten, saß das weltweit zweitgrößte Medienunternehmen auf einem Schuldenberg von insgesamt 35 Milliarden Euro.

Anfang Juli musste Messier seinen Hut nehmen. Sein 63-jähriger Nachfolger Jean-René Fourtou hat zur wichtigsten Aufgabe nun eine "Kommando-zurück-Aktion" mit einer Rückbesinnung auf Kernbereiche. Seit Fourtous Übernahme der Geschäfte ist der Kurs der Aktie schon wieder leicht geklettert – von einem Tief bei 13,90 Euro auf 16,26 Euro am Montag.

Beim weltgrößten Medienkonzern AOL Time Warner hat vor allem der drastische Wertverlust des Online-Dienstes America Online zu Jahresbeginn zu einem monumentalen Verlust von 54,24 Milliarden Dollar geführt – dem höchsten Quartalsminus der US-Geschichte. Danach sowie als Konsequenz aus dem schlecht laufenden Online-Geschäft haben die AOL-Manager massiv an Einfluss verloren, stattdessen rückt wieder die alte Time-Warner-Elite vor. Der fürs das Tagesgeschäft zuständige AOL- Manager Robert W. Pittman musste gehen, der gerade bei Bertelsmann ausgeschiedene Middelhoff wird als Nachfolger gehandelt. AOL hatte Anfang 2001 Time Warner übernommen. Die Fusion gilt inzwischen als wenig geglückt.

In Deutschland muss beim Axel Springer Verlag der seit Januar amtierende Vorstandschef Mathias Döpfner den Konzern wieder auf Kurs bringen. Erstmals in der Verlagsgeschichte fiel 2001 mit 198 Millionen Euro ein Verlust an. Der Arbeitsplatzabbau von 10 Prozent der 14.000 Stellen bis Ende 2003 ist auf den Weg gebracht. Das rigide Sparprogramm, dass unter anderem zur Zusammenlegung der Redaktionen des defizitären Springer-Flaggschiffs Die Welt mit der Berliner Morgenpost führte, trägt erste Früchte. Für das 1. Halbjahr meldete der Verlag ein positives operatives Ergebnis sowie einen Überschuss. Marktführerschaft im Kerngeschäft, Digitalisierung und eine internationale Ausrichtung des Geschäfts – so Döpfners Strategie – sollen zu einer Verbesserung der Rendite führen. (dpa)/ (tol)