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Medienbericht: Google zeichnet per Gmail Einkäufe der Benutzer auf

Google trackt laut einem Bericht über Gmail-Nachrichten auch Einkäufe, die nicht über Google liefen. Das Unternehmen verweist auf die Möglichkeit zur Löschung.

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(Bild: dpa, Sebastian Kahnert/Archiv)

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Google soll laut einem Medienbericht über Jahre hinweg Einkäufe seiner Benutzer mitverfolgen und diese speichern, sofern dabei das Gmail-Konto genutzt wurde. Davon sind auch Einkäufe betroffen, die nicht über Google selbst liefen, sondern für die lediglich die Gmail-Adresse benutzt wurde – etwa bei Amazon, schreibt CNBC.

Der Journalist Todd Haselton berichtet bei CNBC, dass er in seinem Google-Konto unter "Purchases" (Einkäufe) eine Liste seiner zurückliegenden Käufe entdeckte. Die Käufe reichten bis ins Jahr 2012 zurück, liefen aber nicht direkt über Google. Stattdessen hatte Haselton die Käufe online oder per App etwa bei Amazon oder Macy's getätigt. Da die Rechnungen an seine Gmail-Adresse geschickt wurden, bediente sich Google offenbar beim Text der E-Mails und erstellte die Einkaufsliste automatisch. Bei dieser Erfassung 'entdeckte' Google auch andere Transaktionen wie einen Restaurantbesuch, das Aufladen einer Starbucks-Kundenkarte sowie einen Filmkauf bei iTunes.

Auf Nachfrage sagte ein Google-Sprecher gegenüber dem Sender, man wolle den Kunden damit helfen, ihre Käufe, Buchungen und Abonnements an einer Stelle zu sammeln und leicht einzusehen. Die Liste der privaten "Käufe" sei nur dem jeweiligen Benutzer zugänglich und die Einträge könnten jederzeit gelöscht werden. Das Unternehmen verwende die bei Gmail gesammelten Daten generell nicht für Werbezwecke, das gelte auch für Rechnungen und Bestätigungen, die auf der "Käufe"-Seite auftauchten.

Allerdings ist das Löschen nicht so einfach wie behauptet. Haselton versuchte die Einträge zu löschen, wurde dabei jedoch schlicht auf seine E-Mails zurückverwiesen: Um den Eintrag in der Einkaufsliste zu entfernen, möge er die zugehörige E-Mail löschen. Auch bei der Google-Aktivitätsverfolgung fand er keine Möglichkeit, die Einkäufe auf der Liste zu tilgen.

Wegen des Sammelns von Daten und der zurückhaltenden Offenlegung seiner Praktiken stand das Unternehmen immer wieder in der Kritik. Beispielsweise stellte sich Googles Datenschutzrichtlinie von 2012 als rechtswidrig und nicht DSGVO-konform heraus. Frankreich hatte eine hohe Strafe gegen Google verhängt, weil der Konzern seine Nutzer nicht transparent genug über das Sammeln und Verwenden von Daten informieren würde, wogegen Google Berufung einlegte.

Allerdings bemüht sich der Konzern zugleich, diesem Ruf entgegenzutreten und eröffnete etwa jüngst in München ein Datenschutzzentrum, in dem Privacy-Tools entwickelt werden sollen. Google-Chef Sundar Pichai schrieb kürzlich in der New York Times, Privatsphäre solle "kein Luxusgut" sein und gab zu bedenken, sein Unternehmen nutze Daten dafür, "Produkte nützlicher für alle" zu machen. (tiw)