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CES

Mehr Auflösung, mehr Geräte, mehr Probleme

So viele hochauflösende Displays waren nicht unbedingt zu erwarten auf der CES. Es scheint demnach richtig loszugehen mit 4K, also mit der offiziell als Ultra HD bezeichneten Auflösung für TV und Video. Die Geräte sind da – wenn auch nur für horrende Preise. Aber das dürfte sich schnell ändern, sind sich die Fachleute sicher.

Toshiba hat sich mit seinen 4K-TVs in 58 und 65 Zoll als erstes aus der Deckung gewagt und (circa-)Preise genannt.

Erst einmal müssen die gebeutelten Displayhersteller ein bisschen Geld mit der neuen Gerätekategorie verdienen. Schließlich klappt das mit normalen Fernsehern kaum noch. Doch im Grunde ist die Fertigung der 4K-Panels nicht viel schwieriger als die großer Full-HD-Displays – was auch die TV-Anbieter ohne eigene Panelfertigung wissen. Und spätestens diese werden darauf drängen, dass die Preise runter gehen.

Für kleinere Displaygrößen ist die hohe Auflösung im Wohnzimmer unbrauchbar, glaubt Ronald Williams von The Landmark. Erst ab 65 Zoll beziehungsweise 1,65 Metern Bilddiagonale und einem maximalen Sitzabstand von etwa 2,5 Metern bringt die hohe Auflösung einen echten Gewinn. Der optimale Betrachtungsabstand zum 4K-Display ist deutlich geringer als bei aktuellen Full-HD-TVs – er beträgt weniger als die Bildhöhe. Deshalb muss entweder der Zuschauer näher ans Gerät heranrücken, oder aber die Diagonale zunehmen. Auf letzteres setzen die Displayhersteller.

Die haben in Las Vegas 4K-Displays mit 55 bis 65 Zoll Diagonale (1,40 bis 1,65 m) vorgestellt – nachdem auf der IFA in Berlin im vergangenen September bereits die ersten 4K-Fernseher mit 84 Zoll respektive 2,13 Metern Diagonale auftauchten. Samsung und einige der chinesischen Hersteller legen mit 110 Zoll Diagonale – das sind stolze 2,80 Meter – sogar noch drauf. Man fragt sich allerdings, wer solche Monster kaufen soll beziehungsweise wer Platz für derart große Schirme hat.

Wobei Marktbeobachter davon ausgehen, dass die großen Schirme auch in Deutschland immer mehr Käufer finden. Über 20 Prozent der in Deutschland verkauften Fernseher mit 50 Zoll und größerer Diagonale sollen im kommenden Jahr bereits 4K-Auflösung haben. Bei Preisen von aktuell etwa 100 Euro pro Zoll Diagonale ist das beachtlich. Die 100-Euro-pro-Zoll-Latte hat Toshiba auf der CES aufgelegt; einige andere Hersteller, darunter Sony, nickten diese Preisprognose bereits ab. In den Handel kommen die hochauflösenden Geräte nicht vor März; etliche der in Las Vegas gezeigten Modelle dürften kaum vor Sommer erscheinen. Insofern sind die Preise noch etwas unverbindlich – niemand möchte sich jetzt schon festlegen.

Sony will demnächst eine Consumer-Kamera mit 4K-Auflösung auf den Markt bringen. Auf der CES zeigte das Unternehmen aber lediglich ein Mock-Up.

Da die passenden Inhalte noch fehlen, rechnen alle Geräte intern von Full HD auf 4K hoch. Um die Skalierung machen die TV-Hersteller ein großes Bohai. Doch sie ähnelt im Grunde der Zwischenbildberechnung, die bessere LCDs bereits seit Langem zur Bewegtbildoptimierung ausführen. Die Bildqualität von Full-HD-Signalen auf 4K-Displays sei ohnehin deutlich besser als die von Standard-PAL-Auflösung auf Full-HD-TVs, erklärte Stefan Heimbecher. Der Entwicklungsleiter von Sky Deutschland hat bereits einige Erfahrung mit 4K: Er begleitete die erste 4K-TV-Aufzeichnung bei Sky. Die lief im Dezember 2012 beim Bundesliga-Kracher Bayern gegen Borussia Dortmund.

Die Aufnahmen seien lediglich ein Testlauf gewesen und keinesfalls der Beginn einer regelmäßigen 4K-Aufzeichnung. Das Spiel wurde mit einer Sony F56 aus drei unterschiedlichen Positionen mitgeschnitten – und zugleich mit 16 Kameras in HD sowie in 3D. Vor 2015 sei hierzulande nicht mit einer Ausstrahlung in 4K zu rechnen, erklärte Heimbecher. So die offizielle Ansage. Er persönlich halte diese Angabe für sehr optimistisch.

Mindestens ebenso kritisch wie 4K-Übertragung ist die Anbindung der hochauflösenden Fernseher an etwaige Zuspieler: Der bei Unterhaltungselektronik übliche HDMI-Anschluss übermittelt die Videos mit maximal 30 Bildern pro Sekunden. Für schnelle Bewegtbilder ist das arg wenig. Erst mit HMDI 2.0 wird voraussichtlich eine zeitgemäße Datenübertragung mit 50 beziehungsweise 60 Hz möglich sein. Allerdings hatte die für HDMI zuständige Organisation direkt vor der CES kurzfristig eine größere Veranstaltung abgesagt – man ist offenbar noch nicht so weit mit dem neuen Stecker.

Samsung setzt auf Größe: Die beiden neuen 4K-Fernseher der Koreaner zeigen 85 und 110 Zoll in der Diagonale.

Das hat Folgen: Die demnächst in den Handel kommenden, brandneuen und sauteuren 4K-Fernseher könnten mit Erscheinen von HDMI 2.0 von jetzt auf gleich veraltet sein, weil sie lediglich HDMI 1.4 mit den zu lahmen 30 fps unterstützen. Einzig Samsung scheint hier Gegenmaßnahmen eingeleitet zu haben: Die Schultafel-ähnlichen 4K-Displays der Koreaner sind mit einer externen Anschlussbox verbunden. Diese bereitet sämtliche Eingangssignale für den großen Schirm digital auf – sei es von HDMI, aus dem LAN, per Satellit zugespielt oder von analogen Quellen. Wird der neue HDMI-Anschluss spruchreif, können die Nutzer einfach die vergleichsweise preiswerte Box austauschen und sich weiterhin über ihren schicken großen 4K-Fernseher freuen – der dann auch 50-Hz-Signale per HDMI entgegennehmen kann. Intern verarbeiten die LCDs ohnehin 60 Bilder pro Sekunde.

Am PC ist die Übermittlung von 4K-Inhalten kein Problem – der DisplayPort bewältigt die Datenmenge sicher. Aber: Dass die Industrie deshalb von HDMI auf DisplayPort wechselt, steht nicht wirklich zur Debatte. Denn das würde das gesamte Elektronikequipment in den Wohnzimmern – und nicht nur die Hand voll neuer 4K-Fernseher – quasi über Nacht hinfällig machen. Für diesen Ärger will die Branche sicher nicht verantwortlich sein. (uk)

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