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Die Bitcoin-Blockchain als Datenmüllhalde

In der Blockchain sind neben Zahlungsdaten auch problematische Daten gespeichert. Bitcoin Cash hat kürzlich den Platz dafür sogar noch vergrößert.

Mehr Ballast für die Blockchain

Die Blockchain ist kein langweiliges Kassenbuch, sie bietet auch Platz für Kommentare, Links und sogar Bilder. Bereits im allerersten Block, dem sogenannten Genesis-Block, integrierte der mutmaßliche Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto die Titelzeile der damaligen London Times: "The Times 03/Jan/2009 Chancellor on brink of second bailout for banks"

Dafür verwendete Satoshi das Kommentarfeld für Miner, genannt Coinbase. Dort signalisieren Miner etwa ihre Unterstützung für Verbesserungen des Bitcoin-Protokolls, können aber auch ihren Namen, eine Kontaktadresse oder Links unterbringen – und das taten sie auch. Welche Kommentare auf diese Weise in der Blockchain gespeichert sind, lässt sich etwa auf Bitcoinstrings.com nachlesen.

Welche weiteren Möglichkeiten es gibt, Daten in der Blockchain einzuschmuggeln, erklärt c't in Ausgabe 12/2018. Eine häufig verwendete bietet das OP_RETURN-Feld von Transaktionen. Es entspricht im weitesten Sinne dem Verwendungszweck von Überweisungen. Bis zu 80 Bytes lassen sich hier pro Transaktion unterbringen.

Die Größe des OP_RETURN-Felds hat Bitcoin Cash bei seinem Hard-Fork am 15. Mai nun fast verdreifacht, bis zu 220 Bytes lassen sich nun als Text in jeder Transaktion hinterlegen. Parallel dazu wurde mit Memo.cash eine Art Twitter-Client entwickelt, der genau dafür gedacht ist, Daten in die Blockchain einzuschleusen.

Das Problem: Einmal gespeichert lassen sich Nachrichten nie wieder entfernen – auch dann nicht, wenn es sich um illegale Inhalte wie Links auf Kinderporno-Portale handelt. Sogar Bilder lassen sich, auf mehrere Nachrichten verteilt, so für alle Zeiten in der Blockchain von Bitcoin Cash speichern. Dass dies bereits versucht wird, lässt sich leicht auf der Website Wewo.cash nachlesen, die Nachrichten aus der Bitcoin-Cash-Blockchain entschlüsselt.

Miner und Bitcoin-Cash-Nutzer, die einen sogenannten Full-Client wie Bitcoin Core verwenden, müssen sich jedoch die vollständige Blockchain herunterladen. Sollten künftig kinderpornografische Bilder in der Bitcoin-Cash-Blockchain enthalten sein, wäre nicht nur die Weitergabe der Blockchain, sondern bereits das Herunterladen strafbar.

Immerhin für Bitcoin-Cash-Nutzer gibt es eine Alternative: Sie können auf sogenannte Light-Clients wie Electron Cash ausweichen – verlagern das Problem damit allerdings nur auf die Betreiber der Electron-Cash-Server, die für ihre Arbeit die vollständige Blockchain benötigen. Es bleibt nur die schwache Hoffnung, dass die Blockchain trotz der erweiterten Missbrauchsmöglichkeiten nicht vergiftet wird.

Lesen Sie mehr zum Thema Bitcoin bei c't:

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