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Mehr Freizeit – weniger verdienen?

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Akzeptieren Arbeitnehmer, die in Vollzeit beschäftigt sind, für ein bis drei Jahre eine Arbeitszeitverkürzung, ohne dafür einen entsprechenden Lohnausgleich zu bekommen, um zur Schaffung neuer Arbeitsplätze in Deutschland beizutragen? Welche Überlegungen und Motive spielen in diesem Zusammenhang eine Rolle, und wo liegen Hindernisse und Ansporn für eine Akzeptanz? Diesen Fragen ist die Diplompsychologin Claudia Gerhardt an der Universität Trier in einer Erhebung nachgegangen, die mehrheitlich auf einer Umfrage im Internet basiert. Die Stiftung der Deutschen Wirtschaft hat diese Untersuchung gefördert.

Nach dem nun vorliegenden Ergebnis zeigt sich über die Hälfte der 694 Befragten bereit, auf ein oder fünf Prozent ihrer Arbeitszeit und ihres Einkommens zu verzichten, und sogar noch ein Viertel der Befragten würde sogar 20 Prozent Zeit und Einkommen aufgeben. Unerwartetes Ergebnis der Ausforschung: Die Teilzeitwilligen halten die Zahl der Gleichgesinnten für deutlich geringer, als dies in Wahrheit der Fall ist. Weniger arbeiten wollten rund 60 Prozent der Frauen und 50 Prozent der Männer.

Teilzeitinteressierte wünschen sich laut der Untersuchung eine wöchentliche Arbeitszeit von durchschnittlich 30,7 Stunden, wohingegen Personen, die ihr Teilzeitinteresse als gering einstuften, im Mittel 37,6 Stunden arbeiten möchten.

Über 85 Prozent der Befragten glauben, das Problem der Arbeitslosigkeit werde sich in den nächsten Jahren nicht wesentlich entschärfen. Dass die Lebenssituation von Arbeitslosen unnötig dramatisiert werde, bejahten lediglich 18 Prozent. Ein Großteil lehnt die Aussage ab, dass die meisten Arbeitslosen zu ihrem Los selbst beigetragen haben (84 Prozent). Zudem klagten über die Hälfte der Befragten, dass sie manchmal ein schlechtes Gewissen gegenüber Arbeitslosen haben, weil diese ihr Los nicht verdient hätten. Bei 40 Prozent kommt es manchmal zu einem schlechten Gewissen, weil sie es auch als glücklichen Umstand ansehen, selbst einen Arbeitsplatz zu haben.

Von den Befragten bezeichneten sich 320 als freizeitorientiert, 170 als karriereorientiert und 195 als alternativ orientiert ("Ich möchte einmal in einer anderen, konkreteren Arbeitswelt tätig sein, in der menschenwürdige Lebensformen erprobt werden"). Als wichtigste Funktion der Erwerbsarbeit zeigte sich mit Abstand die Sicherung des Einkommens, der "Broterwerb", erst danach folgte die Funktion des Sinn- und Wert-Erlebens. (fm)