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Mehr Speicherplatz: Seagate stellt HAMR-Festplatten für Ende 2016 in Ausicht

Die nächste Evolution in der Festplattentechnik deutet sich an: Seagate will Ende kommenden Jahres die ersten Festplatten an Pilotkunden ausliefern, die mit Heat Assisted Magnetic Recording arbeiten. Bis 2025 soll es Festplatten mit 100 TByte geben.

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Speicherplatz ist durch nichts zu ersetzen, außer durch noch mehr Speicherplatz. Und obwohl auf dem Flash Memory Summit gerade die ersten SSDs mit 16 TByte Kapazität vorgestellt wurden und Toshiba sogar SSDs mit 128 TByte Kapazität plant, wird es nach Ansicht von Seagate auch in der Zukunft noch viel Bedarf für günstigen Speicherplatz geben. Um die derzeit auf der ganzen Welt eingesetzten Festplattenspeicher durch Flash zu ersetzen, wären Investitionen in Billionenhöhe für die dazu notwendigen Fabriken notwendig.

Zur Kapazitätssteigerung bei Festplatten sind jedoch neue Techniken notwendig. Seagate setzt bereits Shingled Magnetic Recording (SMR) ein, HGST kombiniert SMR sogar mit einer Helium-Füllung. Der nächste Schritt zur Kapazitätssteigerung ist Heat Assisted Magnetic Recording (HAMR). Solche Prototypen haben Seagate und auch HGST bereits gezeigt.

heise online hatte die Gelegenheit, mit dem Entwicklungsleiter der HAMR-Technik über die kommenden Festplatten zu sprechen. Dr. Jan-Ulrich Thiele sagte, dass Seagate Ende kommenden Jahres die ersten Prototypen von HAMR-Festplatten an Pilotkunden ausliefern werde.

Die Kapazität dieser Prototypen sei dabei noch nicht besonders groß, wahrscheinlich werden sie erst einmal nur 4 TByte haben. Ein Problem sei, dass der Schreibkopf durch den zum Erhitzen notwendigen Laser etwas dicker werde. Dadurch wird sich wohl der Abstand der Scheiben zunächst etwas vergrößern. [Update] Zum Zeitpunkt des Marktstarts kommerzieller HAMR-Platten werde die Kapazität auf der Höhe der dann aktuell erhältlichen Platten liegen, teilte Seagate nach dem Interview mit. [/Update]

Die Technik hinter HAMR ist recht beeindruckend. Der Laser (810 nm Wellenlänge und 20 mW Leistung) heizt das zu beschreibende Magnetmaterial kurzzeitig auf, dann wird es beschrieben und kühlt wieder ab. Durch die Erwärmung ist eine geringere Feldstärke zum Beschreiben notwendig, die Köpfe können etwas dünner werden – und damit auch die Spuren.

Da die Scheiben aber mit etwa 10 m/s unter den Köpfen vorbeieilen – 36 km/h, das entspricht der Geschwindigkeit eines schnellen 100-Meter-Läufers – muss dies sehr schnell geschehen. Thiele sagte, das zum Erwärmen, Beschreiben und Abkühlen gerade einmal 20 ns zur Verfügung stehen – und in dieser Zeit wird das Magnetmaterial kurzzeitig auf circa 450 °C aufgeheizt.

Seagate möchte mit HAMR zunächst eine Datendichte von 1,5 TBit pro Quadratzoll erreichen, bei aktuell ausgelieferten Festplatten liegt diese bei maximal 1 TBit pro Quadratzoll.

Einer Kombination mehrerer kapazitätssteigernder Techniken steht Thiele kritisch gegenüber. Das werde man wohl erst angehen, wenn eine Technik ausgereizt sei. Man handele sich damit Probleme ein, die man nicht voraussehen könne.

Die Herstellung von HAMR-Festplatten sei etwas teurer als die aktueller Platten, meinte Thiele weiter. Rund 10 Prozent Aufschlag werden es wohl sein. Wann allerdings Festplatten mit HAMR-Technik auch für Endkunden bereitstehen, ist derzeit noch nicht absehbar.

Falls Seagate die HAMR-Technik 2017 zur Serienreife entwickelt haben sollte, hält das Unternehmen dadurch den Zeitplan des Branchenverbands Advanced Storage Technology Consortium ein. Dieser rechnet bis 2025 mit Festplatten mit einer Kapazität von 100 TByte. (ll)