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Mehr als Steuergeschenke: Was US-Städte Amazon für zweites Hauptquartier bieten

Damit Amazons zweites Hauptquartier in ihrer Stadt errichtet wird und 50.000 Arbeitsplätze entstehen, bieten viele US-Kommunen mehr als nur Steuernachlässe. Teilweise soll Amazon bei hoheitlichen Aufgaben mitbestimmen dürfen.

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Amazons erstes Hauptquartier steht in Seattle.

(Bild: Amazon)

Um Amazons zweites Hauptquartier zu bekommen, versprechen mehrere US-Städte nicht einfach nur die erwartbaren Steuergeschenke, sondern wollen einige hoheitliche Aufgaben an den Handelsriesen abtreten. Das hat Danny Westnet für The Seatlle Times ermittelt, als er die öffentlich einsehbaren Bewerbungen verglichen hat, mit denen Kommunen Amazon derzeit den Hof machen. Der Handelskonzern hatte im September angekündigt, ein zweites Hauptquartier in den USA errichten zu wollen und Städte um Bewerbungen gebeten. Mehrere Hundert buhlen seitdem um die damit verbundenen bis zu 50.000 Arbeitsplätze.

Wie Westnet nun zusammengetragen hat, bieten einige Kommunen eine regelrechte Kapitulation vor Amazon an. So hat Chicago dem Konzern angeboten, dass die bundesstaatlichen Einkommenssteuern der Beschäftigten im neuen Hauptquartier nicht an Illinois sondern an Amazon fließen würden. Das Geld würde also nicht an den Staat gehen und beispielsweise in Infrastruktur oder Bildung gesteckt, sondern verbliebe bei Amazon. Insgesamt gehe es dabei um 1,3 Milliarden US-Dollar. New Jersey habe Amazon sogar insgesamt 7 Milliarden US-Dollar versprochen. Andere Städte bieten nicht so viel: Chula Vista in Kalifornien etwa würde das Bauland (Wert 100 Millionen US-Dollar) zur Verfügung stellen und für 30 Jahre auf die Grundsteuer verzichten (noch einmal 300 Millionen US-Dollar).

Boston wiederum hat Amazon angeboten, eine eigene Arbeitsgruppe einzurichten, die dem Konzern an verschiedenen Stellen helfen soll. Dieses Konzept hat Fresno (Kalifornien) auf die Spitze getrieben und will Amazon eine entscheidende Mitsprache dabei einräumen, wie die zu entrichtenden Steuern verwendet werden sollen. 85 Prozent aller von Amazon gezahlten Steuern und Gebühren sollen demnach in einen Topf gehen, über dessen Verwendung ein Gremium entscheidet, das zur Hälfte mit Vertretern der Städt und zur anderen Hälfte mit Vertretern von Amazon besetzt werden würde. Wird dann mit dem Geld etwa ein Park eingerichtet, solle dort ein Schild stehen, auf dem es dann heißen würde "Dieser Park wurde ihnen von Amazon gegeben". (mho)