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MeinSQL, DeinSQL -- Oracles SQL?

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Oracle hat den finnischen Datenbankspezialisten und MySQL-Vertragspartner Innobase zu nicht genannten Konditionen aufgekauft.

Die Datenbank-Großmacht um Larry Ellison erobert ein Territorium nach dem anderen hinzu. Es begann mit dem hart umkämpften Coup, dem Erzrivalen SAP durch Übernahme des Unternehmenssoftwarehauses Peoplesoft und insbesondere die Akquise der Peoplesoft-Kundschaft auf den Pelz zu rücken. Danach folgten mehrere freundliche Übernahmen kleinerer Programmschmieden mit speziellem Know-how: Retek und Oblix, beide im März dieses Jahres, TimesTen im Juni, i-flex im August und G-Log im September, dazwischen als größerer Brocken auch der CRM-Pionier Siebel. Bei diesen Zukäufen dürfte der Ausbau von Oracles Produktpalette im Vordergrund gestanden haben, doch mit der Übernahme von Innobase am gestrigen Freitag wurde der nächste Schachzug publik, bei dem es eindeutig nach machtpolitischen Motiven riecht.

Das finnische Unternehmen ist nämlich innig mit dem Hersteller der Open-Source-Datenbank MySQL verwoben -- wie weit diese Verflechtung geht, offenbart ein Blick auf die Homepage des Softwarehauses, die genausogut von MySQL stammen könnte. Dank einer Übereinkunft mit den Finnen konnte MySQL die Storage Engine InnoDB in sein Datenbanksystem einbauen und erst dadurch mit sicheren Transaktionen die Grundlage für seine derzeitige Marktposition schaffen. Zwar ist InnoDB unter der GNU Public License veröffentlicht und steht seiner Anhängerschaft uneingeschränkt für weitere Entwicklungen offen, doch für den Vertrag zwischen Innobase und MySQL sind im kommenden Jahr Verlängerungsverhandlungen fällig. Da hilft es wenig, dass Oracle proklamiert, es wolle seinen Support für die Open-Source-Gemeinde ausbauen und dass MySQLs frisch ernannter "Vice President Open Source Community Relations" Kaj Arnö per Blog gute Mine zum bösen Spiel macht -- wenn Innobase künftig die Unternehmenspolitik von Oracle unterstützt, wird die Softwarepflege für MySQL sicher nicht leichter. Nur gut, dass man sich dort schon vor Jahren das alternative Know-how aus der von SAP favorisierten Datenbank MaxDB (damals: SAP DB) gesichert hat. (hps)