Cebit

Messe-Chef: "Wir greifen an"

Zum Abschluss der CeBIT zeigten sich Messe AG und Branchenverband Bitkom hochzufrieden mit dem Messejahr 2010 und gaben einen Ausblick auf das kommende Jahr, in dem die CeBIT mit neuer Struktur wieder wachsen soll.

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Nach der Messe ist vor der Messe: Zum Abschluss der CeBIT 2010 zogen Messe AG und Branchenverband Bitkom zufrieden Bilanz und gaben einen Ausblick auf das kommende Jahr, in dem sich die CeBIT – mal wieder – neu erfinden will. 2011 soll die CeBIT wieder wachsen. "Wir greifen an", sagte Messe-Chef Ernst Raue am Samstag auf dem frisch eingeschneiten Messegelände in Hannover. In Abstimmung mit der Branche gibt sich die Messe im kommenden Jahr eine neue Struktur und will so neue Zielgruppen erreichen.

Messe-Chef Ernst Raue ist mit dem Jahrgang 2010 hochzufrieden.

Die Messe 2011 soll aus vier Bereichen bestehen: "CeBIT pro" soll professionelle Anwender ansprechen. Für Behörden, öffentliche Einrichtungen und die Politik wird es die "CeBIT gov" geben. Um Forschung und Entwicklung geht es im "CeBIT lab". Nicht zuletzt wird nach Jahren des von Veranstalter und Branche beharrlich betonten Business-Dogmas mit der "CeBIT life" auch der Verbraucher wieder salonfähig. "Der Verbraucher ist inzwischen integraler Teil der digitalen Wertschöpfungskette", sagte Raue.

"Viele Innovationen im professionellen Bereich werden vom Verbraucher getrieben", erklärte der Messe-Chef den Gesinnungswandel und nannte das diesjährige Top-Thema Cloud Computing als Beispiel. Auch der Präsident des Branchenverbands Bitkom wollte in dem Kurswechsel nichts Ungewöhnliches erkennen. "Es ist doch nicht schlimm, dass sich die Branche ändert", sagte August-Wilhelm Scheer, der einräumte, dass " wir vor zwei Jahren unbedingt eine B2B-Messe haben wollten". Inzwischen ist auch dem Bitkom aufgegangen, dass die Branche "ein Drittel des Umsatzes mit Privatkunden" macht.

Mit dem Verlauf der in diesem Jahr um einen Tag verkürzten und auf weniger Hallen verdichteten Messe zeigten sich Messe AG und Branchenverband hochzufrieden. Raue hatte "nicht so hohe Erwartungen" und war deshalb vom "starken Verlauf" und dem "Erfolg" der CeBIT "überrascht". Auf der Messe seien Investitionen von insgesamt über 10 Milliarden Euro angeschoben worden. Auch die Mehrheit der Aussteller seien mit der Messe und den angebahnten Geschäften sehr zufrieden, ergänzte Verbandschef Scheer. "Die CeBIT hat der IT- und Kommunikationsbranche genau den Schub gegeben, den sie nach der Wirtschaftskrise braucht.“

Die CeBIT verliert an Bedeutung.

Besucherzahlen will die Messe am Sonntag nachliefern. Bis zum Freitagabend stieg die Zahl der Besucher im Vergleich zum Vorjahr (insgesamt 400.000 Besucher) um drei Prozent im Tagesdurchschnitt, teilte Raue mit. Der Anteil der professionellen Besucher blieb mit mehr als 80 Prozent stabil. Jeder fünfte CeBIT-Besucher bisher kam aus dem Ausland. Das Partnerland Spanien hat sich mit mehr als 100 Unternehmen präsentiert, darunter auch der Rückkehrer Teléfonica – ob der spanische TK-Konzern auch ohne Spanien als Partnerland im kommenden Jahr wieder Präsenz zeigen wird, darf allerdings bezweifelt werden.

Insgesamt 4157 Aussteller aus 68 Ländern zeigten Produkte und Lösungen auf 185.000 Quadratmeter Standfläche. Die Messe hatte in diesem Jahr einige Hallen geschlossen, die Ausstellungsfläche verdichtet und damit die 2009 so sichtbaren Lücken geschlossen. Dennoch sei die Netto-Ausstellungsfläche (reine Standfläche ohne Hallengänge) etwa auf Vorjahresniveau geblieben, sagte Raue. Auch wenn die Messe 2011 wieder wächst, zu alter Größe wird die CeBIT nicht mehr zurückkehren – zu stark sind inzwischen Konkurrenzveranstaltungen wie die CES in Las Vegas, der Mobile World Congress in Barcelona und auch die IFA in Berlin. Das riesige Gelände ist eine Belastung für die Messe AG.

Eine positive Bilanz zog die Messe auch für den ersten Auftritt der Musikindustrie auf der CeBIT Sounds. Dass beim ersten Mal noch nicht alle mitmachen, sei normal, sagte Raue angesichts der Zurückhaltung der Branche. In Halle 22 präsentierte sich eine Handvoll Unternehmen an kleinen Ständen, dazu gab es Diskussionsrunden und Musikprogramm auf der großen Bühne. Die CeBIT möchte sich als Plattform für den wichtigen Austausch zwischen IT-Branche und Musikindustrie etablieren und lässt sich das auch was kosten. Das Experiment soll im kommenden Jahr fortgesetzt werden. (vbr)