Messenger: EU-Kommission drängt Mitarbeiter zum Einsatz von Signal

Im EU-Parlament war die Einführung von Signal jüngst zunächst gescheitert, bei der Kommission gilt die Anwendung dagegen jetzt als bevorzugte Chat-App.

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(Bild: Shutterstock/AlexandraPopova)

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Die EU-Gremien tun sich weiter schwer mit einem einheitlichen Kurs für die Messenger-Kommunikation. Die EU-Kommission hat ihren Verwaltungsmitarbeitern nun Signal ans Herz gelegt, um die Sicherheit des Nachrichtenaustauschs innerhalb der Regierungsinstitution und mit Außenstehenden zu erhöhen. Anfang Februar habe es eine entsprechende interne Ankündigung gegeben, berichtet das Online-Magazin Politico, dass der durchgängig verschlüsselte Chat-Dienst zur "empfohlenen Anwendung für öffentliches Instant-Messaging" gekürt worden sei.

Der Schritt überrascht, da die Verwaltung des EU-Parlaments Abgeordneten im Herbst zunächst untersagt hatte, Signal zu nutzen. Sie begründete dies damit, dass die Software keine Standard-Anwendung und bislang im eigenen Haus nicht auf Möglichkeiten für einen sicheren Einsatz getestet worden sei. Die Volksvertreter sollten daher WhatsApp nutzen, hieß es zunächst, obwohl der ebenfalls auf Ende-zu-Ende-Verschlüsselung setzende Anbieter etwa Standortdaten, Telefonnummern und Profilfotos an den Mutterkonzern Facebook weiterleitet und diese dort von US-Behörden vergleichsweise einfach abgegriffen werden können.

Nach Kritik ruderte die Parlamentsverwaltung zurück und brachte Cisco Jabber als Messenger ins Spiel. Für dieses Programm hat der US-Netzwerkausrüster den offenen Standard XMPP implementiert und so erweitert, dass er zumindest für Punkt-zu-Punkt-Verbindungen eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ermöglicht. Zugleich erklärte die Administration, Signal überprüfen und eventuell im Anschluss freigeben zu wollen. Aktuell habe ein Ausschusssekretariat aber noch eine WhatsApp-Gruppe eingerichtet für die Mitglieder einer Gruppe von Abgeordneten, die nächste Woche nach Washington reist, twitterte Ralf Bendrath, Mitarbeiter der Fraktion der Grünen.

Die Kommission, die bereits mehrfach interne Datenpannen und Spionage zu beklagen hatte, ist offenbar schon einen Schritt weiter. Das offene Protokoll Signal und die zugehörige quelloffene Software werden von Sicherheitsexperten empfohlen. Das zugrundeliegende Verschlüsselungsverfahren Axolotl kommt bei dem Messenger standardmäßig für Einzel- und Gruppenchats sowie bei Video-Kommunikation zum Einsatz. Es begrenzt auch die Abhörmöglichkeiten, falls ein Passwort in falsche Hände gerät.

Die Empfehlung von Signal könnte bei Sicherheitsbehörden aber Unmut auslösen, schreibt Politico. Vor allem Innen- und Rechtspolitiker aus Brüssel, Washington und anderen Hauptstädten fordern insbesondere Facebook und Apple immer wieder auf, Strafverfolgern und Geheimdiensten Zugang zu Messenger-Kommunikation im Klartext zu geben. Untermauert werden diese Appelle in der Regel mit Drohungen, die Firmen gegebenenfalls dazu zu zwingen, die Verschlüsselung aufzubrechen oder Hintertüren zu installieren. Sicherheitsexperten weisen solche Forderungen zurück, da damit die Vertraulichkeit der digitalen Kommunikation massiv unterwandert würde.

(vbr)