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Messenger: Iranische Justiz verbietet Telegram

Im Iran ist Telegram nun offiziell verboten. Die Bürger des Landes sollen stattdessen die iranische Eigenentwicklung “Soroush” nutzen – die ist aber bei weitem nicht so beliebt wie der sichere Messenger.

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Instant-Messanger

(Bild: dpa, Wolfram Kastl)

Die iranische Justizbehörde hat das Verbot der im Land beliebten Kommunikations-App Telegram nun offiziell angeordnet. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Tasnim soll das Verbot, das sich schon abgezeichnet hatte, ab sofort gelten. Wegen der Verschlüsselung ist Telegram bei Oppositionellen in vielen Ländern beliebt.

Nach monatelangen Diskussionen haben sich damit letztendlich Geistliche und Hardliner gegen Präsident Hassan Ruhani durchgesetzt, der gegen das Verbot ist. Das Verbot wird deshalb von Beobachtern als eine schwere innenpolitische Niederlage für Ruhani, seine Regierung und die gesamte Reformbewegung im Land eingestuft.

“Stimme des Gewissens”

Die Hardliner wollen, dass die Menschen stattdessen den Messenger "Soroush" nutzen – übersetzt "Stimme des Gewissens". Die im Iran entwickelte App ist aber nicht so beliebt wie Telegram. Telegram hat derzeit im Iran mehr als 40 Millionen Nutzer, Soroush laut unbestätigten Angaben 5 Millionen.

Soroush bietet den Nutzern Emojis in Gestalt kleiner verhüllter Frauen mit politischen Botschaften an. So halten die schwarz verschleierten Figürchen Plakate mit Slogans wie "Nieder mit Israel" oder "Nieder mit den USA" hoch. Einige der Aufschriften richten sich auch gegen Dissidenten und Freimaurer.

Proteste in Russland

Auch ein Moskauer Gericht hatte eine Blockade des Chatdienstes Telegram in Russland angeordnet, wogegen am Montag tausende Menschen demonstrierten. Auch der Oppositionelle Alexej Nawalny schloss sich der Kundgebung am Montag in der russischen Hauptstadt an. Medien zufolge nahmen zwischen 7000 und 12.000 Menschen an der Protestaktion teil.

Hintergrund ist, dass der Geheimdienst FSB verlangt, die Verschlüsselung des Programms zu bekommen. Der russische Telegram-Gründer Pawel Durow weigert sich aber bisher. (vbr)

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