zurück zum Artikel

Metro-Tochter startet ersten Drive-In-Supermarkt

Die Einkaufszettel laufen bei Michael Hommel auf dem Bildschirm in überschaubarem Maß ein. Der 35-Jährige erledigt mit seinen Kollegen den Einkauf wildfremder Menschen. Hommel ist Chef des eigenen Angaben zufolge bundesweit ersten eigenständigen Drive-In-Supermarkts in Altwarmbüchen bei Hannover [1]. Die Metro-Tochter real eröffnete am Dienstag den Drive-In-Markt [2] nach einer eineinhalbwöchigen Testphase. Es handelt sich um einen Testmarkt. Das Angebot soll bis voraussichtlich Mitte 2011 getestet werden. "Dann entscheiden wir, ob und wie wir es auf andere Städte in Deutschland ausweiten", sagt Unternehmenspressesprecher Markus Jablonski.

Mit der ausgedruckten Liste in der Hand packt Hommel drei Kisten auf einen speziellen Einkaufswagen. "In die rote Kiste kommen Obst und Gemüse, in die blaue Frischeprodukte und für Trockensortimente dient die gelbe Kiste", erklärt Hommel. Im Marschschritt geht es durch die Gänge. Binnen fünf Minuten hat der Mann in der dunkelblauen Weste die Liste mit den zehn bestellten Artikeln abgearbeitet. "Der Kunde würde im Supermarkt etwa eine halbe Stunde brauchen", meint Hommel.

Das neue Angebot richtet sich vor allem an Kunden, die keine Zeit oder keine Lust haben, einkaufen zu gehen, sagt Jablonski. Im Internet können Kunden die gewünschten Waren bestellen. "Die Eingabe muss mit einer Vorlaufzeit von zwei Stunden erfolgen", erklärt Jablonski. Der Kunde fährt dann an dem Drive-In-Supermarkt vorbei, bezahlt, lässt sich die Ware in den Kofferraum packen und fährt wieder ab. Mehrkosten: Ein Euro Servicegebühr. Der gesamte Vorgang dauere fünf Minuten.

Das Angebot mit den Lebensmittel-Bestellungen über das Internet steckt noch in den Kinderschuhen [3], auch wenn manche Experten von einem neuen Trend [4] sprechen. "Das Onlinegeschäft am Einzelhandel hat einen Anteil von vier Prozent. Schaut man sich den Lebensmittelbereich an, hat der einen Anteil am Umsatz im Internet von 0,5 Prozent", sagt der Sprecher vom Handelsverbands Deutschland (HDE), Kai Falk. Während der Onlinehandel in den vergangenen fünf Jahren um 50 Prozent gestiegen sei, ist der Lebensmittelbereich im Vergleich dazu noch sehr klein. "Das liegt an der sehr, sehr hohen Supermarktdichte in den Städten", sagt Falk.

Darüber hinaus ist der Experte, was die Lieferung von Frischeprodukten anbelangt, noch skeptisch. "Die Frischelogistik ist eine Herausforderung." Für den Drive-In-Supermarkt treffe die Kritik nicht zu. Die kühlpflichtige Ware werde sicher entsprechend in dem Supermarkt aufbewahrt, meint der Experte Björn Weber vom Handelsinformationsunternehmen Planet Retail. Dem pflichtet Drive-In-Chef Hommel bei. "Die Frischeprodukte werden – bis der Kunde sie abholt – im Kühlhaus gelagert."

Was Weber aber zu Bedenken gibt, ist die Rentabilität eines solchen Supermarktes. Beim Kaufen im Internet hielten sich die Kunden nur an ihre Einkaufsliste und ließen sich nicht wie im Supermarkt durch das restliche Angebot des Geschäfts zu mehr Einkäufen verführen. Inwiefern sich der Drive-In-Supermarkt in Altwarmbüchen rentieren wird, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Das Metro-Unternehmen will einen Umsatz von wöchentlich 50.000 Euro erzielen, sagte Unternehmenspressesprecher Jablonski. Derzeit hat der Drive-In-Markt 30 Kunden pro Tag. (pmz [5])


URL dieses Artikels:
http://www.heise.de/-1133642

Links in diesem Artikel:
[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Altwarmb%C3%BCchen
[2] http://www.real-drive.de
[3] https://www.heise.de/meldung/Otto-findet-Internet-Supermarkt-gut-1029558.html
[4] https://www.heise.de/meldung/Verbraucherschuetzer-kritisieren-Amazons-Lebensmittelhandel-1038886.html
[5] mailto:pmz@ct.de