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Microblogging auf dem Barcamp Berlin

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Im Oktober und November wird Berlin zum Treffpunkt der Web-2.0-Gemeinde: Den Auftakt einer Reihe von Veranstaltungen in der Hauptstadt markierte an diesem Wochenende das Barcamp Berlin. Ein bunt gemischtes Publikum – vom bloggenden Studenten über die Software-Entwicklerin bis zum angehenden Firmengründer – diskutierte über verschiedene Aspekte des Web 2.0. Dabei nutzten die insgesamt 500 deutschen Teilnehmer sowie ihre 100 internationalen Gäste das Prinzip einer "Unkonferenz" als Veranstaltungsform: Im Gegensatz zu einer klassischen Konferenz gibt es kein festes Programm, keinen Frontalunterricht, keine trockenen Vorträge.

Einen inhaltlichen Schwerpunkt bildete das Thema Microblogging, einer auf wenige Zeichen pro Nachricht begrenzten Form des Bloggens. Angebote wie Twitter haben diese komprimierte Ausdrucksform längst auch einem größeren Publikum zugänglich gemacht. Auf dem Berliner Barcamp wurde auch die Frage erörtert, ob der vor allem zur privaten Kommunikation genutzte Nachrichtenkanal nicht auch im Unternehmensumfeld sinnvoll eingesetzt werden kann. Besonders gefragt war der Erfahrungsaustausch zur Open-Source-Plattform Laconica, mit der Anwender einen eigenen Microblogging-Server aufsetzen können, der die Hoheit über die eigenen Daten und ein offenes API verspricht.

Für Gesprächsstoff sorgte auch das Bertelsmann-Startup scoyo, das in Berlin sein auf soziale Netzwerktechniken bauendes Lernportal für Schüler der unteren Jahrgangsstufen vorstellte. Dabei sollen interaktive Flash-Comics die Pennäler motivieren, Probleme des Alltags zu lösen. Der Inhalt des digitalen Unterrichts richtet sich dabei nach Betreiberangaben an den im jeweiligen Herkunftsbundesland der Besucher geltenden Lehrplänen aus.

Bei einem Barcamp stellen Teilnehmer zu Beginn Themen vor, über die sie referieren oder mit anderen diskutieren möchten. Wenn sich genügend Interessierte finden, wird das Thema als sogenannte "Session" in den Ablaufplan eingetragen. Die Themenspektrum ist weit, beim Barcamp Berlin reichte es von Anwendungsentwicklung für Apples iPhone über Suchmaschinen-Optimierung bis zu Sicherheit von Web-2.0-Plattformen. Aber auch eher exotische Themen wie die Verlagerung von IT-Abteilungen nach Armenien oder gar "Theatre 2.0" über den Bühneneinsatz von sozialen Netzwerken fanden interessierte Zuhörer.

Prinzipiell kann jeder ein Barcamp veranstalten, solange er die Regeln einer Unkonferenz einhält. Dazu gehört, die Veranstaltung für jeden frei und kostenlos zugänglich zu halten. 2006 wurde der Barcamp-Gedanke aus dem Silicon Valley nach Deutschland gebracht, inzwischen treffen "Barcamper" in aller Welt zusammen. In Riga fand Anfang des Jahres eines der größten Barcamps in Europa statt – und selbst im vom Silicon-Valley weit entfernten Kirgisistan trafen sich Anfang August Internet-Enthusiasten zum Barcamp Asia 2008.

Barcamps sind hierzulande längst kein Geheimtipp mehr: Sie werden mittlerweile regelmäßig in vielen deutschen Großstädten organisiert und stoßen auch bei etablierten Unternehmen auf Interesse. In der Szene zeichnet sich einerseits eine Professionalisierung, zum anderen eine Differenzierung der Themen ab: Im Gegensatz zu den ursprünglich eher kleinen, ziemlich spontan organisierten Barcamps erfordern Veranstaltungen mit über 500 Besuchern wie in Berlin einen lange Planung, Sponsoren und eine gut vorbereitete Infrastruktur.

Auf das Berliner Treffen folgen mit der Web-2.0-Expo ein internationaler Kongress sowie mit der Entwicklerkonferenz Technical Summit und dem Webdesignertreffen Xtopia zwei Veranstaltungen von Microsoft. (Jonas Westphal, Achim Barczok) / (vbr)

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