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Micrologica beantragt Insolvenzverfahren

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Die am neuen Markt gelistete Software-Firma Micrologica steht vor dem Aus. Der Vorstand habe beim Amtsgericht Reinbek die Einleitung des Insolvenzverfahrens beantragt, da künftige Verbindlichkeiten der Firma nicht mehr erfüllt werden könnten, teilte Micrologica am gestrigen Montag in Bargteheide mit. Ein privater Investor habe eine Kreditlinie gekündigt. Das Insolvenzgericht habe den Anwalt Berthold Brinkmann aus Hamburg zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Micrologica hatte die drohende Zahlungsunfähigkeit bereits in der Vorwoche angekündigt.

Mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter werde Micrologica zügig klären, ob und wie die Geschäfte weitergeführt werden sollen und wie die ausstehenden Gehälter für die 130 Mitarbeiter gezahlt werden können, hieß es weiter in der Mitteilung. Die Software-Schmiede aus Schleswig-Holstein ist bereits 1998 an den Neuen Markt gegangen und gehörte zu den Altstars des Börsensegments. Die Firma beschäftigt sich mit Computer-Telephony-Integration (CTI). Da die Produkte einen guten Ruf haben, stieg der Kurs der Aktie nach dem Börsengang kräftig an und erreichte zu Beginn des Jahres 1999 mit mehr als 130 Euro ihren Höchststand. Die Aktie gehörte zum Index Nemax-50, den sie aber schon lange wieder verlassen musste.

Nach einer Analyse der DG Bank, die das Unternehmen als Konsortialführer an die Börse brachte, haben Folgen des Börsengangs dem Unternehmen die wirtschaftlichen Schwierigkeiten eingetragen. Mit dem Erlös von rund 30 Millionen Mark habe Micrologica eine Reihe von anderen Firmen übernommen und zahlreiche Kooperationen begründet, um das Wachstum zu beschleunigen. "Aus der Rückschau ist zu erkennen, dass die Gesellschaft dabei ihre Schlüsselmärkte aus den Augen verlor und sich von ihrer Kernkompetenz entfernte", schreibt die Bank. Zudem sei Micrologica in einen Wettbewerb mit großen Systemhäusern eingetreten, auf den das Unternehmen weder organisatorisch noch personell oder finanziell vorbereitet gewesen sei. (dpa) / (jk)