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Microsoft-Aktien nach Quartalsergebnis so teuer wie nie

Die Microsoft-Aktie hat am Donnerstag im nachbörslichen Handel die Marke von 60 Dollar überschritten. Der stabile Umsatz und ein um 10 Prozent gesunkener Betriebsgewinn waren weniger schlecht, als die Börse erwartet hatte.

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Kurskurve

Verlauf der Börsenschlusskurse der letzten zwei Jahrzehnte

(Bild: Screenshot/MSN)

Microsoft hat in den drei Monaten bis zum 30. September 20,5 Milliarden US-Dollar umgesetzt. Das entspricht dem Wert des gleichen Quartals 2015. Der Betriebsgewinn ist mit 5,2 Milliarden Dollar um zehn Prozent geringer ausgefallen, der Reingewinn mit 4,7 Milliarden Dollar um vier Prozent geringer. Das geht aus den am Donnerstagabend veröffentlichten Zahlen hervor. Finanzanalysten hatten sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn schlechtere Zahlen erwartet. Daher stieg der Aktienkurs im nachbörslichen Handel um mehr als fünf Prozent.

Microsofts Finanzchefin Amy Hood

(Bild: Microsoft)

Damit kostete eine Microsoft-Aktie erstmals mehr als 60 Dollar. Sollte sich dieser Kurs im regulären Handel bestätigen, wäre es ein neuer historischer Höchstwert. Den bisherigen Rekord mit einem um Aktiensplits bereinigten Schlusskurs von 58,38 Dollar hatte der Konzern am 27. Dezember 1999 aufgestellt.

Microsoft festigt also seine Position als nach Börsenkapitalisierung dritt-wertvollstes Unternehmen der Welt. Die Marktkapitalisierung beläuft sich in der nachbörslichen Bewertung auf etwa 470 Milliarden US-Dollar. Das ist ungefähr so viel wie Intel, Oracle und Cisco zusammen. Höher als Microsoft bewertet sind nur Apple und Alphabet (Google).

Microsoft berichtet seine Ergebnisse derzeit in drei Geschäftskategorien: "More Personal Computing" mit 9,3 Milliarden Dollar Quartalsumsatz (-2%), "Productivity and Business Processes" mit 6,66 Milliarden (+6%) und "Intelligent Cloud" mit 6,38 Milliarden (+8%). Für den Konzern war es schon das erste Quartal des Finanzjahres 2017. Linkedin soll im laufenden Quartal übernommen werden und ist daher in den Ergebnissen nicht berücksichtigt.

Dramatisch abgesackt ist das Mobiltelefon-Geschäft. Der Umsatz mit Windows Phone, Teil von More Personal Computing, ist um 72 Prozent eingebrochen. Weil die Konzernsparte mit den einfacheren Feature Phones im laufenden Quartal verkauft wird, wird der Umsatz noch weiter abfallen. Bei den Surface-Tablets musste das dritte Quartal in Folge ein Umsatzrückgang verzeichnet werden. Dennoch sind die Einnahmen hier noch 38 Prozent über dem Wert von vor vier Quartalen.

Von Computerspielern hat Microsoft fünf Prozent weniger eingenommen. Windows-Umsätze blieben konstant, während die rund um Suchergebnisse erzielten Werbeeinnahmen um neun Prozent gestiegen sind (nach Abzug von Provisionen). Trotzdem konnte Microsoft den Betriebsgewinn von More Personal Computing um ein Viertel auf 1,9 Milliarden steigern. Hier half eine deutliche Reduktion der Werbeausgaben für Windows 10 und Windows Phone.

In diesem Bürogebäude in Albuquerque hatte sich Microsoft bis zum Umzug an die Westküste 1979 eingemietet.

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

In diese Sparte fallen die Produktreihen Office und Dynamics samt den zugehörigen Clouddiensten. Umsätze mit Dynamics legten um 11% zu, mit Office für Verbraucher um 8% und mit Office für Unternehmen um 5%. 24 Millionen Verbraucher haben inzwischen ein Office-365-Abo. Vor einem Jahr waren es 18 Millionen.

Bei den Unternehmenskunden hat Microsoft schon mehr als 85 Millionen User von Office 365. Das Wachstum geht dort zwar zurück, lag aber immer noch bei 40 Prozent. Die Durchschnittspreise pro User sind aber sowohl bei Verbrauchern als auch bei Businesskunden stark fallend. Der Betriebsgewinn von Productivity and Business Processes ist um einen Prozent auf 3,1 Milliarden Dollar zurückgegangen.

Zu dieser Sparte wird auch LinkedIn gehören. Den Übernahmepreis von mehr als 26 Milliarden Dollar kann sich Microsoft locker leisten. Obwohl der Konzern seinen Aktionären 6,6 Miliarden Dollar hat zukommen lassen, konnte er sein Barvermögen um 23,7 Milliarden Dollar auf fast 137 Milliarden Dollar aufstocken.

Unter Intelligent Cloud gruppiert Microsoft Azure, diverse Serverdienste samt verbundenen Cloud-Angeboten und Dienstleistungen für Großkunden, darunter Tech-Support. Mit Azure hat das Management derzeit besonders viel Freude. Der Umsatz ist um 116% nach oben geschossen, weil die Kunden immer mehr rechnen lassen. Das Servergeschäft ist um elf Prozent gewachsen.

Durch Übernahmen versucht Microsoft, sich bei der Entwicklung und dem Verkauf von Clouddiensten Vorteile zu verschaffen. Daher sind die Betriebsausgaben um 21% gestiegen. Als Folge ging der Betriebsgewinn der Intelligent Cloud um 14 Prozent auf 2,1 Milliarden Dollar zurück, obwohl der Umsatz gestiegen ist. (ds)

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