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Microsoft-Chef: Unsere Kunden sind geschützt

Die immer stärkere Konkurrenz des freien Betriebssystems Linux lässt Steve Ballmer nicht ruhen. In einer Executive E-Mail hat der Microsoft-Chef nun noch einmal alle wesentlichen, aus seiner Sicht bestehenden Vorteile der Produkte seines Unternehmens im Vergleich zu Open Source aufgezählt: Sie seien kostengünstiger, sicherer und die Käufer seien vor rechtlichen Anfeindungen wegen Ansprüche auf geistiges Eigentum geschützt.

"Wir hören immer öfter von Kunden, die in ihre Überlegungen das Problem des Schadensersatzes einschließen", schreibt Ballmer. 2003 habe Microsoft damit angefangen, die Lizenzverträge zu überprüfen und den Schutz vor Klagen wegen angeblicher Verletzungen geistigen Eigentums zu vergrößern. Mittlerweile biete Microsoft allen Unternehmen, haben sie nun Software für fünf oder tausend Arbeitsplätze lizenziert, unbegrenzte Unterstützung in Patent-, Copyright- oder Markenstreitigkeiten an. Schließlich sei Microsoft "stolz" auf seine Produkte. Das Unternehmen habe begriffen, dass solche Prozesse große Kosten verursachen können.

In diesem Punkt wie auch in den Kapiteln zur Kostenfrage und zur Computer-Sicherheit seiner E-Mail hat Ballmer prominente Beispiele parat. So sei die größte Kinokette der USA, die Regal Entertainment Group, 2001 zu Red Hat Linux migriert. Nach einer mehrmonatigen Erprobungsphase sei das Unternehmen auf Microsoft-Produkte umgestiegen, und zwar nicht allein aus Kostengründen oder weil Microsoft besseren Support biete, sondern auch weil das Unternehmen seine rechtlichen Risiken wegen potenzieller Rechtsstreitigkeiten verringern wollte.

Ähnlichen Beistand bietet auch Suse-Mutter Novell mit ihrem Linux Indemnification Program an. Vor kurzem hat das Unternehmen zudem sein Patent-Arsenal für solche Zwecke geöffnet. Ein weiterer wichtiger Linux-Distributor, Red Hat, hat seit diesem Jahr sein Open Source Assurance Program. Die Garantie sieht vor, dass Red Hat jeden Programmcode ersetzt, der in seiner Distribution Red Hat Enterprise Linux gefunden wird und gegen anderweitig geschützte Copyrights verstößt.

Anscheinend hat sich für Microsoft unter anderem durch die Auseinandersetzungen von SCO mit IBM und Novell um die Urheberrechte an Unix System V eine weitere Argumentationsfront eröffnet, an der neue Überzeugungsschlachten um die Computernutzer zu schlagen sind. Dennoch sind die Kosten- und die Sicherheitsfrage nicht in den Hintergrund getreten; sonst hätte Ballmer nicht eine Reihe von Untersuchungen von Marktforschungsunternehmen und Fallbeispielen aufgezählt, in denen Unternehmen wegen geringerer Unterhaltungs- und Migrationskosten auf die Produkte der Redmonder zurückgegriffen haben.

So haben laut Ballmer die Marktforscher von Forester ermittelt, Microsoft benötige zwischen der Veröffentlichung einer Sicherheitslücke und deren Schließung die wenigste Zeit. Auch liege Microsoft laut dem Sicherheitsunternehmen Secunia bei der Anzahl der Security Advisories vorne. Während für Red Hat Enterprise Linux 3 derer 7,4 pro Monat veröffentlicht würden, seien es für Windows Server 2003 1,7. Schließlich und endlich habe die Yankee Group festgestellt, dass Linux-spezifische Würmer und Viren potenziell gefährlicher sind als jene, die Unix- oder Windows-Systeme befallen.

"Wer findet nicht die Idee eines 'freien' Betriebssystems gut, an dem jeder herumflicken kann", schreibt Ballmer. Es arbeite eine große Entwicklergemeinde an der Aufdeckung von Fehlern in freier Software und ihrer Verbesserung, doch Ballmer meint, das sei nicht notwendigerweise der bessere Weg. Jedenfalls im Vergleich zur Arbeitsweise bei Microsoft, wo es einen strukturierten Herstellungsprozess gebe mit einem größtmöglichen Augenmerk auf die Qualität der Produkte.

Auch seien die Dinge nicht immer so gelagert wie sie scheinen, so Ballmer. Die Yankee Group habe durch Befragungen von 1000 IT-Verantwortlichen herausgefunden, dass die größten Linux-Distributoren und -Händler damit begonnen hätten, ihren Kunden große Vergünstigungen für unbedingt notwendige Dienste wie technischen Service und Support anzubieten. Ohne diese würde sich herausstellen, dass langfristig gesehen der Unterhalt und Betrieb von Microsoft-Produkten weniger Kosten verursacht. (anw)

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