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Microsoft-Chef sieht keine Alternative zu Übernahme von Yahoo

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Steve Ballmer meint, anders als durch den angestrebten Zusammenschluss von Microsoft mit Yahoo sei die Dominanz des Erzrivalen Google nicht zu brechen. [Bild: Microsoft]

Microsoft-Chef Steve Ballmer sieht zum geplanten Kauf des Internet-Konzerns Yahoo keine Alternative. "Wir brauchen die gemeinsame Forschungs- und Entwicklungskapazität, um mit dem Marktführer mitzuhalten", sagte Ballmer am heutigen Montag auf einer Analystenkonferenz. Durch den angestrebten Zusammenschluss entstünde eine starke Nummer zwei bei der Internet-Suche hinter dem Google-Konzern. Anders sei die Dominanz des Erzrivalen nicht zu brechen.

Ballmer hob besonders die Einsparungen bei einer Partnerschaft hervor: "Es sind die gleichen Fixkosten, ob ein Mensch oder eine Milliarde Menschen oder zwei Milliarden deine Suchtechnik nutzen." Der Software-Konzern will jährlich eine Milliarde Dollar an Synergien heben. Microsoft bietet knapp 45 Milliarden Dollar für Yahoo "Das ist ein großzügiges Angebot", sagte Ballmer.

Finanzieren will Microsoft die Übernahme durch eigene Aktien und Bargeld aus seiner prall gefüllten Kasse. Darüber hinaus will sich Microsoft auf dem Kapitalmarkt bedienen, wie Finanzchef Chris Liddell auf der Analystenkonferenz sagte. Eine genaue Prognose, wie sich ein Kauf auf das Ergebnis von Microsoft auswirken würde, wollte Liddell nicht geben. "Das hängt davon ab, wie schnell wir die Übernahme stemmen können." Erst in einigen Monaten werde es daher eine genauere Prognose geben.

An der Börse reagierten die Aktien der am Tauziehen beteiligten Unternehmen unterschiedlich: Yahoo lag zwei Stunden nach Handelsstart in den USA mit über 2 Prozent im Plus, notierte aber mit 28,95 Dollar noch deutlich unter dem Übernahmeangebot von 31 Dollar je Aktie. Bei der Microsoft-Aktie zeigten sich die Investoren unentschieden – nach Verlusten am Freitag lag der Kurs mit 0,23 Prozent leicht im Plus bei 30,52 US-Dollar, hatte im Verlauf des Vormittags aber auch schon bis auf 30,25 US-Dollar nachgegeben. Die Google-Papiere dagegen verloren nach Verlusten am Freitag erneut am heutigen Montagvormittag über 2 Prozent auf 504,60 US-Dollar.

Die wachsende Dominanz von Google im lukrativen Internet-Werbemarkt macht Microsoft und Yahoo schon seit geraumer Zeit zu schaffen. Microsoft, der weltgrößte Softwarehersteller, hatte vor Jahren selbst zugegeben, die Entwicklung des Internets zunächst verschlafen zu haben. Doch auch mit zahlreichen Anstrengungen und Werbe-Werkzeugen wie "AdCenter" gelang es dem Software-Giganten in der Zwischenzeit nicht, den mächtigen Vorsprung des Suchmaschinenspezialisten spürbar einzuholen. Zu wenig Verkehr auf den eigenen Seiten wie MSN Search oder Live Search ist das Problem, sagen Marktbeobachter. Im vergangenen Jahr machte Microsoft nach Branchenschätzungen gerade einmal ein Sechstel des Online-Werbe- Umsatzes seines großen Rivalen.

Bei der Internet-Suche – einem zentralen Faktor für die erfolgreiche Online-Anzeigen-Vermarktung – konnte Google den Vorsprung vor seinen Verfolgern in der Vergangenheit weiter ausbauen. Nach Zahlen des Marktforschungsunternehmens ComScore versammelte das Unternehmen zuletzt im Dezember im amerikanischen Markt mit 58 Prozent den mit Abstand größten Teil der Suchanfragen auf sich. An zweiter Stelle rangiert demnach mit 22,9 Prozent Yahoo und lässt Microsoft mit 9,8 Prozent noch einmal deutlich hinter sich.

Die Konkurrenzsituation der drei Rivalen hatte sich zuletzt im vergangenen Frühjahr noch einmal verschärft. Im April hatte Google sowohl Yahoo als auch Microsoft im Bieterkampf um den Online-Werbevermarkter DoubleClick ausgestochen und will damit seine Position für gezielte Werbung mit Bildern und Videos deutlich stärken. Mit einem Kaufpreis von 3,1 Milliarden Dollar überbot der Suchmaschinenspezialist die Konkurrenz, brachte aber auch Bedenken von Wettbewerbshütern auf den Plan. Nach Angaben des Microsoft-Juristen Brad Smith entfielen bei einem Zusammengehen von Google und DoubleClick mehr als 80 Prozent der Werbung im Internet auf die Partner.

Siehe dazu auch:

(dpa) / (jk)

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