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Microsoft: Der digitale Assistent wird das "Alter Ego" der Zukunft sein

In der Berliner Microsoft-Repräsentanz hat Brad Smith, Chefjustiziar des Unternehmens ein Buch vorgestellt, das sich mit Künstlicher Intelligenz und der Zukunft der Arbeit beschäftigt.

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Microsoft: Der digitale Assistent wird das "Alter Ego" der Zukunft sein

Microsofts Chefjustiziar Brad Smith in Berlin.

(Bild: heise online / Detlef Borchers)

The Future Computed – Artificial Intelligence and its role in society ist ein kleines, weiß eingebundenes Buch, zu dem die Microsoft-Mitarbeiter Brad Smith und Harry Shum ein längeres Vorwort geschrieben haben. Beide wollen die Künstliche Intelligenz (KI) so "demokratisieren" wie der PC mit Windows die EDV vor über 20 Jahren "demokratisiert" habe.

KI soll den Arzt bei der Diagnose, den Landwirt bei der Aussaat und als Cortana-artiges Alter Ego den Bürger bei der Koordination seiner Termine und Aufgaben im echten wie im virtuellen Leben unterstützen. Ausdrücklich betonen die Autoren, dass ihre Sicht auf die KI nicht die der typischen KI-Forscher, sondern interdisziplinär aufgestellt ist. "Ohne die 'Humanities' geht es nicht", so Chefjustiziar Brad Smith bei der Buchvorstellung.

Ministerialdirigent Andreas Goerdeler, der Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries zur Buchvorstellung vertrat, freute darüber, dass Microsoft das Buch noch vor der offiziellen Präsentation in Davos in Berlin vorstellte. Schließlich unterhalte Deutschland mit dem DFKI das weltgrößte Forschungszentrum für künstliche Intelligenz. Goerdeler kam nicht umhin, auch die Realitäten zu benennen: von 5 Milliarden US-Dollar, die jährlich weltweit in die KI-Forschung investiert werden, gingen 62 Prozent in die USA, 17 Prozent nach China und 2,3 Prozent in die Bundesrepublik.

Brad Smith, der langjährige Chefjustiziar von Microsoft, schilderte zunächst, wie sein Bürotag bei Microsoft vor 20 Jahren ablief, mit zahllosen Telefonaten, Konferenz und Rückrufbitten auf Anrufbeantwortern. In 20 Jahren wird sich Smith zufolge niemand dieser Tortur aussetzen müssen, da digitale Assistenten – weit fortgeschrittener als Microsoft Cortana – all diese Koordinierungstätigkeiten mit anderen Assistenten aushandeln werden und auch die Geburtstagsblumen fürs Schwesterchen nicht vergessen.

Smith plädierte dafür, dass die KI der Zukunft sich nach dem Menschen und "zeitlosen Werten" richten müsse und keineswegs eine Tech-Bro KI männlicher weißer Programmierer sein dürfe. Die nicht näher ausgeführten "zeitlosen Werte" sollen wiederum von einer Ethik getragen werden, die genau definiert, was Computer tun müssen, und nicht, was sie können sollten.

FDP-Generalsekretärin Nicola Beer und der Grüne Europapolitiker Jan Philip Albrecht trauerten in der anschließenden Diskussionsrunde den Digitalisierungsprojekten hinterher, die in den Jamaika-Gesprächen ausgehandelt worden waren. Albrecht erzählte, wie er als junger Programmierer das Bill-Gates-Buch "The Road Ahead" gelesen und geschätzt habe. Er pflichtete Smith bei, dass KI-Software daraufhin geprüft werden müsse, ob sie beispielsweise die Werte männlicher Programmierer enthalte und plädierte deswegen für das Prinzip von Open Source mit überprüfbarer Software und einsehbaren Algorithmen.

Iris Plöger vom Bundesverband der deutschen Industrie forderte mehr KI-Initiativen für den deutschen Mittelstand und warnte vor Diskussionen über das bedingungslose Grundeinkommen für all die Arbeitsstellen, die durch KI ersetzt werden. Es würden neue, andere Jobs kommen, in denen sich die Freigesetzten bewähren können. Dies sah auch Smith so: Als Beispiel völlig neuer Berufsbilder nannte er den IoT-Analysten oder den Bio-Hacker. (anw)

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