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Microsoft-Forschungsschau in Cambridge

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Microsofts ältestes Forschungszentrum außerhalb der USA präsentierte sich am gestrigen Mittwoch in einem Tag der offenen Tür. Auch wenn die eigentliche Botschaft von der forscherischen Freiheit am Microsoft Research Center Cambridge kündete, gab es einige interessante Projektbeispiele zu bewundern.

Etwa die zigarettenschachtelgroße SenseCam, eine Digitalkamera, die womöglich Hunderte von Bildern je Stunde selbständig aufnimmt und damit den gesamten Tagesablauf ihres Benutzers dokumentiert. Als Anlass für ein neues Photo nimmt die SenseCam sprunghafte Veränderungen der Lichtverhältnisse, ihr gegenüber stehende Menschen und Tiere, die sie mit dem eingebauten passiven Infrarotdetektor wahrnimmt, oder bedeutende Bewegungen nach Auskunft des internen Beschleunigungssensors. Die auf SDCard zwischengespeicherte Bilderflut soll nach ursprünglicher Zielsetzung das Erinnerungsvermögen von Menschen mit Gedächtnisstörungen aufbessern; über weitere denkbare Benutzer hat sich das Projektteam um die Bio-Elektronikerin Lindsay Williams noch kaum Gedanken gemacht. Immerhin hat man aber eine Soziologin ins Boot geholt, um die Auswirkungen der autonomen Kamera auf die Lebensgewohnheiten ihrer Benutzer zu erforschen.

Indes gab es auch Entwicklungen mit unmittelbarem Marktpotenzial zu sehen, etwa das GrabCut-Verfahren zum einfachen Freistellen eines ausgewählten Objekts in einer Bilddatei oder den Ansatz, vernetzte Computer und Netzwerk-Switches mit einem kleinen Software-Responder auszustatten und mit deren Hilfe automatisch die Topologie in einem Heimnetzwerk zu ermitteln -- also festzustellen, welche Endgeräte direkt miteinander verbunden sind und an welchen Stellen sich Engpässe für die Datenübertragung ergeben könnten.

Hilfsmittel zum Aufspüren designbedingter Sicherheitslücken in Web Services sowie zum prägnanten Darstellen von Suchergebnissen auf dem Browser-Bildschirm dienten als weitere Beispiele für die selbstgesteckten Forschungsthemen in Cambridge. Wie zügig eine Idee vom englischen Forschungsprojekt zum strategischen Feature in Microsofts Produktsprektrum mutieren kann, zeigte ein Abriss der Entwicklungsgeschichte von .NET-Generics, die erst vor zwei Jahren in Cambridge ihren Anfang nahm. (hps)