Microsoft: Solide Ergebnisse trotz schwachem PC-Markt

Hiobsbotschaften, die die Verantwortlichen bei Microsoft in Unruhe versetzen sollten, gab es in der letzte Zeit ja genug. Nun legte Microsoft aber wieder gestiegene Umsätze und Gewinne vor - die Flaute am PC-Markt macht sich aber bemerkbar.

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Von
  • Jürgen Kuri

Hiobsbotschaften, die die Verantwortlichen bei Microsoft in Unruhe versetzen sollten, gab es in der letzte Zeit ja genug. Zuletzt hatte Intel Umsatzrückgänge wegen der PC-Flaute verkündet. Zuvor sprachen Marktforscher davon, Windows 8 sei Schuld an zweistelligen Rückgängen bei den PC-Verkäufen: Windows 8 habe den PC-Markt nicht nur nicht belebt, wie erwartet, sondern durch Verunsicherung der Verbraucher sogar weiter ins Minus getrieben. Und am anhaltenden Smartphone- und Tablet-Boom, unter dem die PC-Verkäufe ebenfalls leiden, hat Microsoft bislang nicht so recht partizipieren können.

Gespannt wartete die Branche daher auf die Ergebnisse des dritten Geschäftsquartals von Microsoft. Die sahen in absoluten Zahlen mal wieder ausgezeichnet aus, Microsoft spricht von einem neuen Rekordergebnis für ein drittes Quartal. Der Umsatz stieg im Vergleich zum gleichen Quartal des Vorjahrs um 18 Prozent auf 20,489 Milliarden US-Dollar, der Nettogewinn um 20 Prozent auf 6,055 Milliarden US-Dollar; der Gewinn pro Aktie lag bei 72 US-Cent. Der operative Gewinn stieg um 19 Prozent auf 7,612 Milliarden US-Dollar. Mit dem Vorquartal konnten die Ergebnisse allerdings nicht ganz mithalten.

Die Gewinnerwartungen an der Börse hatten für das Quartal ursprünglich einmal bei 79 US-Cent pro Aktie gelegen, waren aber nach den ganzen schlechten Nachrichten vom PC-Markt auf 68 US-Cent pro Aktie gefallen. Insofern hat Microsoft mit dem Quartalsergebnis die Erwartungen übertroffen. Nettogewinn und Umsatz profitierten aber von sogenanntem deferred revenue, Einnahmen vor allem für Windows, Office und Video-Spiele aus Upgrades und ähnlichen Aktionen, die zwar schon in vorherigen Quartalen anfielen, aber nun erst zum Zeitpunkt der Auslieferung der entsprechenden Software in den Bilanzen verbucht wurden. Belastet wurde der Gewinn dagegen von der EU-Strafe, die Microsoft für die fehlende Browser-Auswahlmöglichkeit während der Windows-Installation zahlen musste. Ohne diese Faktoren lag der Umsatz bei 18,821 Milliarden US-Dollar und der Nettogewinn pro Aktie bei 65 US-Cent. Der operative Gewinn lag damit bei 6,687 Milliarden US-Dollar.

Genau Zahlen über die Verkäufe von Windows 8 teilte Microsoft in der Mitteilung zu den Bilanzzahlen nicht mit. Die Windows-Sparte konnte jedenfalls ihren Umsatz um 23 Prozent auf 5,7 Milliarden US-Dollar steigern. Rechnet man allerdings den deferred revenue für Windows-Upgrade-Aktionen heraus, dann blieb der Umsatz trotz neuem Windows im Jahresvergleich gleich – ein Zeichen dafür, dass auch Microsoft die PC-Flaute zu spüren bekommt.

Dafür konnte die Business-Division (unter anderem für Office zuständig) beim Umsatz zulegen: um 8 Prozent auf 6,32 Milliarden US-Dollar. Unter Herausrechnung des deferred revenue aus Upgrade- und Presale-Aktionen stieg der Umsatz immerhin noch um 5 Prozent.

Die Server&Tools-Sparte legte beim Umsatz um 11 Prozent auf 5,04 Milliarden US-Dollar zu, die Online-Abteilung um 18 Prozent auf 832 Millionen US-Dollar. Bemerkenswert bei letzerer: Der Umsatz aus Online-Anzeigen wuchs um 22 Prozent, vor allem angetrieben durch florierendes Geschäft Microsofts mit Suchanzeigen. Der Bereich Entertainment and Devices steigerte den Umsatz um 56 Prozent auf 2,53 Milliarden US-Dollar, unter Berücksichtung des deferred revenue stieg er immer noch um 33 Prozent.

In einer ersten Reaktion im nachbörslichen Handel legte der Kurs der Microsoft-Aktie um 1,95 Prozent zu. Microsoft-Chef Steve Ballmer zeigte sich zufrieden mit dem Ergebnis, bezog diese Zufriedenheit aber vor allem auf Erfolge mit Cloud-Diensten wie Windows Azure und Office 365. Und Peter Klein, Finanzchef von Microsoft, meinte, das seien solide finanzielle Resultate. Für Klein ist es das vorletzte Mal, dass er die Finanzergebnisse von Microsoft vorstellt: Zum Ende des Microsoft-Geschäftsjahrs verlässt er die Firma; er arbeitete elf Jahre bei Microsoft, davon vier Jahre als Chief Financial Officer.

Umsatz- und Gewinnentwicklung bei Microsoft
(Das Geschäftsjahr beginnt jeweils im Juli)
Quartal Umsatz Nettogewinn
4/01 6.580 Mio. 66 Mio.
1/02 6.130 Mio. 1.280 Mio.
2/02 7.740 Mio. 2.280 Mio.
3/02 7.250 Mio. 2.740 Mio.
4/02 7.250 Mio. 1.530 Mio.
1/03 7.750 Mio. 2.730 Mio.
2/03 8.540 Mio. 2.550 Mio.
3/03 7.840 Mio. 2.790 Mio.
4/03 8.070 Mio. 1.920 Mio.*
1/04 8.220 Mio. 2.610 Mio.*
2/04 10.150 Mio. 1.550 Mio.*
3/04 9.180 Mio. 1.320 Mio.*
4/04 9.290 Mio. 2.690 Mio.
1/05 9.189 Mio. (2.901 Mio.) 2.530 Mio **
2/05 10.818 Mio. 3.463 Mio.
3/05 9.620 Mio. 2.563 Mio.
4/05 10.161 Mio. 3.700 Mio.
1/06 9.741 Mio. 3.141 Mio.
2/06 11.837 Mio. 3.653 Mio.
3/06 10.900 Mio. 2.977 Mio.
4/06 11.804 Mio. 2.828 Mio.
1/07 10.811 Mio. 3.478 Mio.
2/07 12.542 Mio. 2.626 Mio.
3/07 14.398 Mio. 4.926 Mio.
4/07 13.371 Mio. 3.035 Mio.
1/08 13.762 Mio. 4.289 Mio.
2/08 16.367 Mio. 4.707 Mio.
3/08 14.454 Mio. 4.388 Mio.
4/08 15.837 Mio. 4.297 Mio.
1/09 15.961 Mio. 4.373 Mio.
2/09 16.629 Mio. 4.174 Mio.
3/09 13.648 Mio. 2.977 Mio.
4/09 13.099 Mio. 3.045 Mio.
1/10 12.920 Mio. 3.574 Mio.
2/10 19.022 Mio. (17.31 Mio. ***) 6.662 Mio.
3/10 14.503 Mio 4.006 Mio
4/10 16.039 Mio. 4.518 Mio.
1/11 16.195 Mio. 5.410 Mio.
2/11 19.953 Mio. 6.634 Mio
3/11 16.428 Mio. 5.232 Mio.
4/11 17.367 Mio. 5.874 Mio.
1/12 17.372 Mio.
5.738 Mio.
2/12 20.890 Mio. 6.630 Mio.
3/12 17.407 Mio. 5.108 Mio.
4/12 18.059 Mio. -492 Mio.****
1/13 16.008 Mio. 4.470 Mio.
2/13 21.456 Mio. 6.377 Mio.
3/13 20.489 Mio. 6.055 Mio
* Gewinne unter Bilanzierung der Umstellung auf das neue Aktienprogramm für Microsoft-Mitarbeiter
** nach nachträglichem Abzug der Sonderkosten durch die Einigung mit Novell
*** ohne Deferred Revenue, der durch Einnahmen mit Windows 7 vor der allgemeinen Verfügbarkeit des Betriebssystems erzielt wurde
**** maßgeblich beeinflusst durch Abschreibungen in Höhe von 6,2 Milliarden US-Dollar auf die Übernahme von Aquantive.

(jk)