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Microsoft auf neuen Höhen

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Zum dritten Mal in der Unternehmensgeschichte kann Microsoft Bilanzen vorlegen, die einen Quartalsumsatz von mehr als 10 Milliarden US-Dollar ausweisen: Insgesamt 10,16 Milliarden US-Dollar kamen im vierten Quartal des Geschäftsjahrs zusammen, eine Steigerung um 9 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahresquartal. Der Nettogewinn lag bei 3,7 Milliarden US-Dollar (34 US-Cent pro Aktie) nach 2,69 Milliarden US-Dollar im gleichen Vorjahresquartal und 2,56 Milliarden US-Dollar im Vorquartal. Analysten erwarteten einen Gewinn von 31 US-Cent je Aktie. In den nun ausgewiesenen 34 US-Cent pro Aktie sind bereits Steuergewinne sowie Belastungen in Höhe von 775 Millionen US-Dollar (5 US-Cents pro Aktie) für die Beilegung eines Kartellrechtsstreits mit IBM enthalten, die auch das mittlerweile von IBM offiziell beerdigte OS/2 betrafen.

Für das Gesamtjahr wies Microsoft nach eigenen Angaben einen "Rekordumsatz" aus: 39,79 Milliarden US-Dollar betrug er im Geschäftsjahr 2005, eine Steigerung um 8 Prozent. Der Jahres-Nettogewinn kletterte auf über 10 Milliarden US-Dollar: Nach 8,17 Milliarden US-Dollar im Vorjahr lag er nun bei 12,25 Milliarden US-Dollar. Microsofts neuer Finanzchef Chris Liddell konnte dann auch gleich bei seiner ersten Bilanzvorstellung schwärmen, man habe ein Rekord-Geschäftsjahr mit einem starken Umsatzwachstum abgeschlossen, das von einer gesunden, auf breiter Basis stehendem Nachfrage in allen Kundensegmenten und Verkaufskanälen befeuert worden sei. Allerdings sank der operative Gewinn im Quartal im Jahresvergleich um 5 Prozent auf 2,989 Milliarden US-Dollar, dafür stieg er im Gesamtjahr um geschlagene 61 Prozent auf 14,561 Milliarden US-Dollar.

Bei all den guten Zahlen kritisieren viele Beobachter und Wall-Street-Analysten aber doch, dass der Weg zu Longhorn lang -- und offensichtlich steinig ist. Ein Push für das Geschäft durch die neue Windows-Version ist eben erst in einigen Monaten zu erwarten, was dem Konzern das weitere Wachstum bis dahin nicht gerade einfach mache, kritisieren einige Börsianer. Ob beispielsweise die neue Spielkonsole Xbox 360 große und vor allem positive Auswirkungen in den Bilanzen haben wird, muss das Weihnachtsgeschäft erst einmal zeigen. Im Vergleich zu anderen Firmen, die oft nicht solche Bilanzen wie Microsoft vorlegen können, ist der Aktienkurs des Redmonder Softwarehauses allerdings nach Einschätzung der meisten Investoren recht niedrig.

Die Client-Sparte (alle Windows-Betriebssysteme für Desktop-Rechner) steigerte im Jahresvergleich den Umsatz im vierten Quartal um 10 Prozent auf 3,034 Milliarden US-Dollar, der operative Gewinn stieg um 7 Prozent auf 2,175 Milliarden US-Dollar. Im Gesamtjahr kletterte der Umsatz um 6 Prozent auf 12,234 Milliarden US-Dollar, der operative Gewinn auf 9,442 Milliarden US-Dollar. Der Bereich Server and Tools (unter anderem Windows Server 2003, Exchange, Entwicklungswerkzeuge) steigerte den Umsatz im Quartal um 16 Prozent auf 2,682 Milliarden US-Dollar, den operativen Gewinn gar um 32 Prozent auf 800 Millionen US-Dollar. Im Gesamtjahr kletterte der Umsatz um 16 Prozent auf 9,885 Milliarden US-Dollar und der Gewinn um geschlagene 130 Prozent auf 3,259 Milliarden US-Dollar.

Der Bereich Information Worker (beispielsweise Microsoft Office) musste im vierten Quartal bei einer Umsatzsteigerung um 3 Prozent (auf 2,909 Milliarden US-Dollar) einen Rückgang des operativen Gewinns um 1 Prozent auf 1,997 Milliarden US-Dollar hinnehmen. Microsoft führt dies vor allem auf erhöhte Ausgaben für Marketing und Werbung zurück, der in dieser Sparte angefallen sei. Im Gesamtjahr konnte Information Worker sowohl den Umsatz (+3%, 11,013 Milliarden US-Dollar) als auch den operativen Gewinn (+7%, 7,915 Milliarden US-Dollar) steigern. Bei der Businesssoftware-Sparte (Great Plains, Navision) kämpft Microsoft weiterhin mit operativen Verlusten -- die im Quartal sogar um 9 Prozent auf 76 Millionen Euro zunahmen, der Umsatz kletterte gleichzeitig um 11 Prozent auf 247 Millionen US-Dollar. Im Gesamtjahr konnte Microsoft die Verluste hier allerdings um 36 Prozent auf 201 Millionen US-Dollar reduzieren, der Umsatz stieg um 6 Prozent auf 803 Millionen US-Dollar.

Erfreut zeigte sich das Redmonder Management über die Entwicklung beim Online-Dienst MSN, auf den wieder große Hoffnung für zukünftige größere positive Beiträge zu den Bilanzen gesetzt werden. Zwar ging der Umsatz im Quartal leicht um 1 Prozent auf 582 Millionen US-Dollar zurück, dafür kletterte der Gewinn um 259 Prozent auf 104 Millionen US-Dollar. Den Umsatzrückgang begründet Microsoft damit, dass die Einnahmen durch Internet-Zugangsdienste rückläufig waren, da immer mehr Kunden zu Breitbandangeboten von klassischen Internet-Providern wechselten. Dafür sind dann die Gewinne aus den Online-Anzeigen stark angestiegen. Im Gesamtjahr steigerte MSN den Umsatz um 3 Prozent auf 2,274 Milliarden US-Dollar und den Gewinn um 366 Prozent auf 405 Millionen US-Dollar. Die Handy-und PDA-Sparte Mobile and Embedded Devices konnte den Umsatz im Quartal um 39 Prozent (97 Millionen US-Dollar) und im Gesamtjahr um 36 Prozent (337 Millionen US-Dollar) steigern. Der Verlust, mit dem Microsoft in diesem teilweise etwas glücklos operierenden Bereich seit langem zu kämpfen hat, reduzierte sich immerhin um 64 Prozent auf 14 Millionen US-Dollar im Quartal und um 79 Prozent auf 46 Millionen US-Dollar im Gesamtjahr.

Verluste gibt es auch weiterhin im Bereich Home and Entertainment (unter anderem die Spielkonsole Xbox) -- jedoch litt der Absatz der ersten Xbox-Generation vorerst nicht unter der Ankündigung der neuen Xbox-Version, die noch etwas auf sich warten lässt. Der Umsatz kletterte im vierten Quartal um 22 Prozent auf 610 Millionen US-Dollar, im Gesamtjahr um 13 Prozent auf 3,242 Milliarden US-Dollar. Die Verluste gingen aber wie bei den Handys wenigstens zurück: um 47% auf 179 Millionen US-Dollar im Quartal und um 68% auf 391 Millionen US-Dollar im Gesamtjahr.

Die liquiden Mittel von Microsoft belaufen sich mittlerweile wieder auf 37,751 Milliarden US-Dollar -- zum Ende des gleichen Vorjahresquartal des Vorjahrs lagen sie noch bei über 60 Milliarden US-Dollar, in der Zwischenzeit hat Microsoft allerdings auch mit Dividendenausschüttungen die Aktionäre erfreut und einiges in die Beilegung von Rechsstreitigkeiten gesteckt. Auch gab Microsoft allein im vierten Quartal vier Milliarden US-Dollar aus, um eigene Aktien zurückzukaufen.

Der deferred revenue (bei Microsoft als unearned revenue geführt und im deutschen Rechnungswesen passiver Rechnungsabgrenzungsposten genannt, siehe dazu Microsoft erwartet schwierigere Geschäfte mit Firmenkunden) stellt für Microsoft ein wichtiges Indiz dar, wie das Geschäft mit Firmenkunden läuft und wie sich die Konkurrenz etwa aus dem Open-Source-Lager in diesem lukrativen Markt schlägt. Als deferred revenue bezeichnet man Umsätze vor allem mit Firmenkunden, die bei Service-Verträgen, die über mehrere Jahre gelten, oder beispielsweise bei länger laufenden Lizenz-Abschlüssen zwar schon gemacht wurden, auf Grund der langen Laufzeit der Verträge aber erst über die eigentliche Zeitspanne der Vereinbarungen hinweg realisiert und verbucht werden.

Zum Ende des Geschäftsjahrs erwartete Microsoft einen später zu verbuchenden deferred revenue von etwas über den ursprünglich prognostizierten 8,6 Milliarden US-Dollar; er lag zum 30. Juni 2005 nun bei 9,167 Milliarden US-Dollar. Für das vierte Quartal lag der deferred revenue, den Microsoft als Umsatz in der Bilanz verbuchen konnte, bei 4,66 Millliarden US-Dollar nach 3,212 Milliarden US-Dollar im Vorquartal und 3,996 Milliarden US-Dollar im Vorjahresquartal. Im Gesamtjahr 2005 erreichte der verbuchte deferred revenue bei Microsoft 13,831 Milliarden US-Dollar nach 11,777 Milliarden US-Dollar im Vorjahr.

Trotz aller Erfolge, die die Microsoft-Finanzverantwortlichen den Investoren nahelegen wollten, musste die Microsoft-Aktie zu Beginn des nachbörslichen Handels in den USA Verluste auf unter 26 US-Dollar hinnehmen: Der Ausblick des Softwarekonzerns war vorsichtig und ein Teil des ausgewiesenen Ertrags geht auf Steuergewinne zurück, Zudem fragen sich viele Analysten, wie lange Microsoft noch ein Wachstum wie in den vergangenen Quartalen erreichen kann. Aber diese Frage stellen sich Analysten, Aktionäre und auch die Microsoft-Mitarbeiter nun auch schon seit einigen Quartalen.

Umsatz- und Gewinnentwicklung bei Microsoft in US-Dollar
(Das Geschäftsjahr beginnt jeweils im Juli)

Quartal Umsatz Nettogewinn
3/00 5.660 Mio. 2.390 Mio.
4/00 5.800 Mio. 2.410 Mio.
1/01 5.800 Mio. 2.200 Mio.
2/01 6.590 Mio. 2.620 Mio.
3/01 6.460 Mio. 2.450 Mio.
4/01 6.580 Mio. 66 Mio.
1/02 6.130 Mio. 1.280 Mio.
2/02 7.740 Mio. 2.280 Mio.
3/02 7.250 Mio. 2.740 Mio.
4/02 7.250 Mio. 1.530 Mio.
1/03 7.750 Mio. 2.730 Mio.
2/03 8.540 Mio. 2.550 Mio.
3/03 7.840 Mio. 2.790 Mio.
4/03 8.070 Mio. 1.920 Mio.*
1/04 8.220 Mio. 2.610 Mio.*
2/04 10.150 Mio. 1.550 Mio.*
3/04 9.180 Mio. 1.320 Mio.*
4/04 9.290 Mio. 2.690 Mio.
1/05 9.189 Mio. (2.901 Mio.)
2.530 Mio **
2/05 10.818 Mio. 3.463 Mio.
3/05 9.620 Mio. 2.563 Mio.
4/05 10.161 Mio. 3.700 Mio.
* Gewinne unter Bilanzierung der Umstellung auf das neue Aktienprogramm für Microsoft-Mitarbeiter
** nach nachträglichem Abzug der Sonderkosten durch die Einigung mit Novell
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