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Microsoft befürchtet verzögerten Vista-Start in Europa

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Der US-amerikanische Softwarekonzern Microsoft befürchtet, Bedenken der europäischen Kartellwächter könnten zu einem verzögerten Start des kommenden Betriebssystems Windows Vista in Europa führen. Der Konzern wartet laut Wall Street Journal auf eine Antwort aus Brüssel, um zu erfahren, ob die EU-Kommission Produktänderungen wünscht. Die Zeitung zitiert einen Microsoft-Sprecher, laut dem die Kommission einige Bedenken hegt, die auf Beschwerden von Microsoft-Konkurrenten beruhen.

Microsoft strebt eine weltweite Verfügbarkeit des XP-Nachfolgers für Geschäftskunden im November dieses Jahres und im Einzelhandel für Januar 2007 an. In den vergangenen 15 Monaten habe der Konzern die Wettbewerbshüter der EU mit ausführlichen Informationen über Vista versehen, ihnen Kopien des Produkts zugeschickt und zudem "konkrete Lösungsvorschläge" vorgelegt. Dem Unternehmen stehen vier Mitglieder des EU-Parlaments zur Seite, die sich heute bei der EU-Kommission darüber beschwert haben, dass die "fortwährende Verfolgung von Microsoft" zu Unsicherheit über die legalen Erfordernisse für zukünftige Microsoft-Produkte in Europa geführten habe.

Die EU-Parlamentarier sind Chris Heaton-Harris, Sharon Bowles und Peter Skinner aus Großbritannien und Michal Kaminski aus Polen. Harris hat im August zusammen mit seinem Kollegen Roger Helmer Microsoft-Chef Steve Ballmer besucht und dabei konstatiert, dass Microsoft in ihrer Heimatregion East Midlands zur Schaffung neuer Arbeitsplätze beitrage. Microsoft betreibt ein Forschungszentrum im englischen Ashby de la Zouche. Helmer versteht nach eigener Aussage die Position der EU-Kommission nicht. Sie verhalte sich so, als würde sie vom Autohersteller Ford verlangen, Autos ohne Reifen auszuliefern, da sonst der Markt für nachrüstbare Reifen geschädigt würde. Offensichtlich beziehen sie sich auf die Auflage der Kommission, ein Windows XP ohne Media Player herauszugeben. EU-Sprecher Jonathan Todd erwiderte laut Wall Street Journal, es gebe keinen Grund, aus dem heraus Microsoft kein Vista verkaufen könne, das mit den Ansprüchen der Regulierer übereinstimmt.

Fast im gleichen Wortlaut wie die EU-Parlamentarier hatte Microsoft bereits in seinem Ende August eingereichten Jahresbericht an die US-Börsenaufsicht in dem Kapitel "Risikofaktoren" Unwägbarkeiten bei den rechtlichen Erfordernissen für künftige Microsoft-Produkte in Europa erwähnt. Weiter schreibt das Unternehmen, die Windows-Media-Auflage sowie die Verpflichtung zur Lizenzierung von Kommunikationsprotokollen an Konkurrenten führten zu erhöhten Entwicklungskosten. Zudem könnten die Konkurrenten durch die Protokolle in die Lage kommen, eigene Software zu entwickeln, die die Funktionen des Microsoft-Produkts besser nachahmen könne. Dies könne in eine geringere Nachfrage nach Microsoft-Software münden.

Zum EU-Kartellverfahren gegen Microsoft siehe auch:

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