Menü

Microsoft benennt Linux als Konkurrent Nr. 1

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 874 Beiträge

Microsoft-Chef Steve Ballmer liebt drastische Worte. Die Wettbewerber des weltgrößten Softwareproduzenten seien doch nur NOISE (engl. Lärm), meinte er vor einigen Jahren. Das Akronym NOISE stand damals für die Firmen Netscape, Oracle, IBM, Sun Microsystems und alle anderen ("Everbody else"). Vom NOISE-Führungsquartett ist quasi nur IBM als strategischer Wettbewerber übrig geblieben -- Netscape verschwand unter dem Dach von AOL, Oracle und Sun sind stark in die Defensive geraten.

Daher hat Ballmer in einer aktuellen Botschaft an die Microsoft-Beschäftigten einen neuen Haupt-Konkurrenten identifiziert: Linux und andere Open-Source-Programme. Im Zentrum des neuen Wettbewerbs stehen nun große Unternehmenskunden, die bislang vor allem Systeme mit Unix-Derivaten wie Sun Solaris oder HP/UX betreiben. Um sich von der Abhängigkeit vom stark schwankenden Geschäft mit den privaten PC-Anwendern zu befreien und neue Märkte zu erschließen, drängt Microsoft mit aller Macht in dieses Segment. Nach Vorstellung von Bill Gates und Steve Ballmer sollen das Microsoft-Betriebssystem Windows und die neuen Komponenten der Netzwerk-Infrastruktur .NET künftig auch vermehrt auf den großen Servern und den "Big Irons" der Rechenzentren laufen.

Doch gerade in diesem Bereich feiert derzeit die Gemeinschaft der Open-Source-Anbieter ihre größten Erfolge. Im Jahr 2001 lief nach einer Untersuchung des Marktforschungsunternehmens IDC vier Prozent aller Server weltweit unter Linux, bis 2006 soll der Anteil auf elf Prozent wachsen. "Wenn Linux bei den Marktanteilen zulegen kann, dann hat Microsoft kaum noch Preisspielraum nach oben", sagt Analystin Michelle Connell von Wells Fargo Private Client Services.

In Deutschland hat Microsoft ausgerechnet bei einem Prestige-Projekt erfahren, wie lästig der Wettbewerb mit Linux aussehen kann. Bei der Ausrüstung des Deutschen Bundestages mit neuen Computern haben sich die Parlamentarier zwar für Client-PCs mit Microsofts System ausgesprochen, die Infrastruktur im Hintergrund soll aber mit Linux-Servern aufgebaut werden. Auch ein monatelanger Einsatz der PR-Agentur Hunzinger konnte dieses Debakel nicht verhindern.

Auch die hervorragenden Geschäftsergebnisse, die Microsoft vorgelegt hat, signalisieren aus Sicht von Ballmer keine Entwarnung: "Wir haben unserer Vertriebsmannschaft gesagt, dass sie verstehen müssen, das dies (der Kampf gegen Linux) jetzt Job Nummer eins ist. Die Leute sagen immer wieder, dass es einfacher sei, Unix-Anwendungen auf Linux zu übertragen. Wir sind jetzt ganz dicht dran, diese Aussage zu widerlegen." (Christoph Dernbach, dpa) / (cp)

Anzeige
Anzeige