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Microsoft demonstriert Umgang mit elektronischem Personalausweis

Auf dem "Microsoft-Tag für Bundesbehörden" hat Microsoft in seiner Kölner Niederlassung demonstriert, wie der kommende elektronische Personalausweis eingesetzt werden kann. Programmierer von Microsoft und OpenLimit integrierten dabei die Identitätsabfrage des Ausweises in das prototypische Flugbuchungssystem von Silverlight Airlines. Künftig soll bei Flugbuchungen und anderen Bestellprozessen via Internet die Identität des Anwenders einfach elektronisch geprüft werden können.

Die Bundesbürger sollen die neuen Dokumente im kleineren Scheckkartenformat von November 2010 an erhalten. Der neue Auswweis wird einen kontaktlos auslesbaren Chip enthalten, auf dem ein biometrisches Gesichtsbild sowie auf Wunsch zwei Fingerabdrücke gespeichert werden. Dazu kommt eine ebenfalls freiwillig zu aktivierende Zertifikatsfunktion, die als Ausweis fürs Internet dienen soll. Die Identitätsdaten können dabei der Spezifikation nach nur von Diensteanbietern abgefragt werden, wenn sie ihrerseits ein gültiges Bezugszertifikat an den Ausweisinhaber übermitteln und dieser den Austausch mit seiner Geheimnummer freigibt. Außerdem wird die Möglichkeit geschaffen, eine weitere Zusatzfunktion für die qualifizierte elektronische Signatur gemäß Signaturgesetz auf den Personalausweis aufzubringen und ihn so für verschiedene Formen verbindlichen, identitätsrelevanten Handelns im elektronischen Rechtsverkehr zu nutzen.

Wenige Tage nach der Bekanntgabe der Firmen für den Anwendertest des elektronischen Personalausweises zeigte Microsoft nun die Integration der Ausweisabfrage in einen Web-Service. Nach der Abfrage freier Plätze einer bestimmten Verbindung über den Internet Explorer kann der Anwender den Flug buchen und seine Identität mit dem elektronischen Personalausweis bestätigen. Dieses Verfahren soll künftig die Flugbuchungen noch sicherer machen, bei denen ansonsten eine ID-Kontrolle erst am Flughafen erfolgt.

Die in fünf Tagen gemeinsam mit OpenLimit entwickelte Demonstrationslösung soll zeigen, das Microsoft über Plattformen verfügt, auf denen Anwendungen zum Personalausweis laufen können. "Wir verstehen uns als Technologieanbieter für die unterschiedlichsten Projekte", erklärte Michael Grözinger, National Technology Officer, gegenüber heise online. An der angelaufenen Ausschreibung des "Bürger-Clients" für den kommenden Personalausweis hat Microsoft kein Interesse, wohl aber daran, dass Windows-Technologie wie Silverlight und Sharepoint zum Einsatz kommen können. Im Unterschied zur offizellen Darstellung, die Funktionen wie das Einkaufen im Internet oder die Altersverifikation betont, sieht man bei Microsoft Chancen bei systemübergeifenden Identifikationslösungen. So hatte Kim Cameron, bei Microsoft für ID-Technologien zuständig, in seinem Blog den deutschen Ansatz gelobt und versprochen, ihn einmal näher zu analysieren.

Weitere auf dem Behördentag vorgestellte Microsoft-Projekte waren ein Verfahren zur automatischen Erstellung von Hörbüchern aus XML- und Word-Dokumenten sowie die Microsoft-Technik, die zur Digitalisierung des Codex Sinaiticus benutzt wurde. Als Informationsschau für Behördenvertreter fand der Microsoft-Behördentag zum 9. Mal statt. Unabhängig von der Microsoft-Präsentation lobte Bundesinnenminister Schäuble in einer Erklärung zum "Tag des öffentlichen Dienstes" die besondere Leistung moderner Behörden bei der fortschreitenden Technisierung im Dienste der Bürger.

Siehe dazu auch:

(Detlef Borchers) / (Detlef Borchers) / (jk)

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