Microsoft erhält Negativ-Auszeichnung für OpenXML-Kampagne

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Der Förderverein für eine Freie Informationelle Infrastruktur (FFII) hat Microsoft ironischerweise mit dem Preis für die "beste Kampagne" gegen die ISO-Standardisierung des Dokumentenformats Office Open XML (OOXML) der Redmonder ausgezeichnet. Der Software-Riese war Anfang September nach einem harten Lobbykampf mit seiner Spezifikation für OpenXML bei der Internationalen Organisation für Normung (ISO) im ersten Anlauf durchgefallen. "Allein hätten wir das nie geschafft", begründet FFII-Präsident Pieter Hintjens die Ehrung der Redmonder mit dem "Kajak-Preis 2007". Diese Anerkennung hatte sein Verein im Rahmen der von ihm gestarteten NoOOXML-Kampagne gegen die Standardisierungsbemühungen ausgelobt. Microsoft versuchte laut Hintjens aber zum Glück mit aller Macht, den eigenen Vorschlag durchzusetzen. So habe sich der Konzern im Rahmen seiner Beeinflussungsversuche selbst diskreditiert.

Der FFII hatte zuvor bereits auf eine Reihe von Unregelmäßigkeiten hingewiesen, die rund um den Abstimmungsprozess aus verschiedenen Ländern vermeldet wurden. Microsoft sei so weit gegangen, die Standardisierungsgremien in Schweden, Dänemark, der Schweiz, Portugal, Italien und anderen Ländern mit Strohmännern aufzufüllen, erläuterte Hintjens in seiner "Laudatio". Doch durch das heftige Drängen auf Zustimmung zu dem OpenXML-Vorschlag hätten die Redmonder der Welt nur gezeigt, "wie schlecht der vorgeschlagene Standard ist". Gute Spezifikationen hätten derlei Druck nämlich nicht nötig. Zugleich verwies der FFII-Chef darauf, dass die beteiligten Länder insgesamt über zehntausend Verbesserungsvorschläge eingereicht hätten, was ein neuer Weltrekord bei einer ISO-Abstimmung sei. Microsoft habe "heldenhaften ­ und kostspieligen ­ Einsatz" gezeigt, um letztlich doch nur auf die Schwächen der Spezifikation hinzuweisen.

Das Preisgeld in Höhe von 2.500 Euro hält der FFII in seinem Brüsseler Hauptquartier für die Abholung durch Microsoft bereit. Abziehen will der Verein davon nur die Registrierungsgebühr in Höhe von 12 Euro für die Domain noooxml.org. Mehr habe die eigene Kampagne nicht wirklich gekostet, da sie fast gänzlich über die Website gelaufen sei. Sollten die Redmonder den Preis nicht bald entgegennehmen, werde das Geld einem Fonds für die peruanischen Erdbebenopfer gespendet.

Die ISO begutachtet die eingereichten Kommentare momentan und will im Februar eine abschließende Entscheidung treffen. Microsoft habe eine letzte Chance, die Konstruktionsfehler in der OpenXML-Spezifikation zu beheben, die Patentprobleme zu lösen und bis Anfang kommenden Jahres einen sauberen Entwurf zu präsentieren, kommentiert Hintjens das Verfahren. Der FFII rechne allerdings damit, dass die Redmonder bloß kosmetische Korrekturen vornehmen und dafür umso stärker weiter mit Lobbybemühungen auf die Annahme des Entwurfs drängen werden. "Das ist gerade der schlechteste Ansatz und wird viele Regierungen vor den Kopf stoßen", ist sich Hintjens sicher. Möglicherweise würde der Softwareproduzent so sogar "das Ende des weltweiten Monopols für seine Office-Software einläuten".

Der 6.000 Seiten umfassende, als Alternative zum bereits von der ISO standardisierten Open Document Format (ODF) gedachte Spezifikationsentwurf Microsofts enthält aus Sicht des FFII schwerwiegende Probleme. OOXML sei ein Minenfeld voller unbekannter gewerblicher Schutzansprüche und nicht veröffentlichter oder unvollständiger Lizenzbedingungen. Diese würden eine unabhängige Umsetzung unmöglich oder sehr riskant machen. Das Reverse-Engineering des Verhaltens alter, abgeschotteter Microsoft-Programme und -Formate wäre weiterhin unvermeidlich. Zudem spezifiziere das Format altbekannte Fehler, die etwa 1900 zu einem Schaltjahr machen würden. (Stefan Krempl) / (pmz)