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Microsoft feiert Verkaufsstart von Windows Vista

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Großes Tamtam für Vista: In New York finden am heutigen 29. Januar mehrere Veranstaltungen statt, mit denen Microsoft feiert, dass der Nachfolger von Windows XP ab dem morgigen Dienstag in den Läden steht. Eine davon läuft im "Windows Vista Theatre" am Times Square, wo Bill Gates auf Beta-Tester, MVPs, Entwickler, Blogger und Journalisten treffen will, um sich für die Hilfe bei der Entwicklung von Vista zu bedanken.

Mit dem Marktstart endet eine über fünf Jahre lange Entwicklungszeit, die von ständigen Verzögerungen und Rückziehern geprägt war: Unter anderem führten immer neue Virenschwemmen dazu, dass Microsoft die Arbeit an Vista vorübergehend zugunsten des Service Pack 2 für Windows XP unterbrechen musste. Doch auch danach hatte man in Redmond zu kämpfen. Weitere Verzögerungen hatten 2006 zur Folge, dass Jim Allchin, bei Microsoft bislang für Windows verantwortlich, mit Steve Sinofsky einen Aufpasser an die Seite gestellt bekam. Der war bis dahin Leiter des Office-Bereichs und sollte plötzlich für die Planung und Umsetzung neuer Windows-Versionen zuständig sein. Allchin, der bereits zuvor angekündigt hatte, dass er nach der Fertigstellung von Vista in Rente gehen wolle, war damit faktisch degradiert.

Auch den Bilanzen hat die lange Wartezeit nicht gutgetan, doch nun soll alles besser werden: Tausende neue Funktionen sollen die Kunden zu Vista locken, so sicher wie kein Windows jemals zuvor soll es sein.

Fraglich ist allerdings, ob es wirklich einen spontanen Ansturm auf das neue Windows geben wird: Hinter vorgehaltener Hand räumt auch so mancher Microsoft-Mitarbeiter ein, dass er nicht damit rechnet. Denn die Konkurrenz ist stark: Die Linux-Gemeinde wird sich von transparenten Fensterrahmen kaum beeindrucken lassen, und Mac-Nutzern kommt vieles in Vista ohnehin altbekannt vor. Der größte Konkurrent jedoch stammt aus eigenem Hause: Windows XP. Es bietet vielen Anwendern alles, was sie brauchen, sodass ihnen bislang der Druck fehlt, den frühere Windows-Versionen für einen möglichst schnellen Wechsel auf den jeweiligen Nachfolger aufgebaut haben.

Dennoch dürfte sich Vista nach und nach durchsetzen, und das nicht nur, weil es demnächst auf den allermeisten Komplett-PCs vorinstalliert sein wird. Auch andere Argumente sprechen dafür. Das wichtigste ist die Sicherheit: Zwar steht die Bewährungsprobe noch aus, doch ist Microsoft hier ein Schritt in die richtige Richtung gelungen. Noch nie war es beispielsweise unter Windows so einfach, ohne Administratorrechte zu arbeiten.

Auch wer nicht nur einige wenige, sondern möglichst alle am Markt verfügbaren Spiele zocken können will, wird über kurz oder lang kaum um Vista herumkommen: DirectX 10 wird es für XP nicht geben, und die ersten reinen DirectX-10-Spiele sind bereits angekündigt. Zwar dürften die meisten Spielehersteller anfangs noch zweigleisig fahren und auch noch für DirectX 9 entwicklen, doch ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie darauf verzichten. Zudem hat Microsoft für Spieler einige Nettigkeiten in Vista eingebaut, etwa den Leistungsindex, der die Geschwindigkeit des Systems bewertet. Damit soll man auf einfache Weise kontrollieren können, ob neue Spiele, deren Leistungszahl auf der Verpackung vermerkt ist, auf dem System laufen. Zudem soll so einfacher erkennbar sein, bei welcher Hardware-Komponente das Aufrüsten am meisten lohnt. Auch der Spiele-Explorer ist eine hübsche Idee: Hier sind – sofern Vista-tauglich – nicht nur die Spiele selbst, sondern auch deren Spielstände inklusive Screenshot enthalten und direkt aufrufbar.

Und schließlich bietet Vista auch sonst viele nette und wichtige Neuerungen, etwa das Eingabefeld im Startmenü oder die neue Adresszeile des Explorers, die Linkfavoriten, die verbesserte Suche nach eigenen Daten, die Jugendschutzoptionen, Unterstützung für IPv6 und vieles mehr. Vielen Benutzern mag keine der Neuerungen für sich genommen den Umstieg geraten erscheinen lassen, doch hier macht es die Masse der Änderungen, Überarbeitungen und neuen Funktionen.

Zwar führen die vielen Neuerungen auch dazu, dass sich alte Hasen umgewöhnen müssen. Doch die vielen Windows-Nutzer, die gar nicht interessiert, wo genau ihre Daten liegen oder was hinter den Kulissen passiert, sondern die einfach nur arbeiten oder spielen wollen, dürften mit Vista besser als mit XP klarkommen. Denn hier müssen sie sich noch weniger mit dem Aufbau des Systems befassen. Und das dürfte ein wichtiger Bestandteil des Erfolges von Vista werden: Kein früheres Windows war für Einsteiger so einfach zu bedienen.

Wer sich von den Neuerungen nicht beeindrucken lässt, kann aber auch problemlos bei XP bleiben: Noch mindestens bis 2014 will Microsoft Patches für sicherheitskritische Lücken in XP bereitstellen – oder bis zu zwei Jahre nach Erscheinen des Nachfolgers von Vista, je nachdem, was länger dauert.

Zu Windows Vista siehe auch:

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