Microsoft gibt Startschuss für Open-XML-Entwicklerforum

Die Entsendung eines Microsoft-Mannes in ein ISO-Gremium, das das OpenDocument-Format (ODF) zur Standardisierung führen soll, deuten ODF-Anhänger als taktisches Manöver zugunsten von Open XML.

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Von
  • Dr. Hans-Peter Schüler

Mit der in diesen Tagen von Microsoft aus der Taufe gehobenen Open XML Formats Developer Group, zu deren 40 Gründungsmitgliedern Apple, Intel und Toshiba zählen, wollen die Redmonder unterstreichen, dass es sich bei ihrem für Microsoft Office 2007 vorgesehenen Dateiformat Open XML um einen offenen Standard handelt. Vergangenen Dezember hatte die ECMA den Standardisierungsprozess für Open XML eingeleitet und sich damit über Vorbehalte etwa der Computer & Communications Industry Association CCIA hinweggesetzt: Diese hatte in einem offenen Brief (PDF-Datei) vor den Vorschlägen Microsofts für den Standardisierungsprozess gewarnt, da sie dessen Kontrolle über Open XML letztlich nicht ausschlössen. Der Windows-Monopolist will nämlich sich selbst das Recht vorbehalten, Änderungen an der Formatdefinition und neue Funktionen für die Nutzung unter seiner Officesuite einzuführen – ein Mangel, der dem OpenDocument-Standard (ODF) unter Obhut der OASIS nicht anhaftet.

Der Bedarf nach offenen Dateiformaten für Office-Dokumente von Firmen oder öffentlichen Institutionen wächst mit der Einsicht, dass es für künftige Generationen wichtig ist, heute abgespeicherte Dokumente später noch problemlos öffnen zu können. So lautete etwa ein zentrales Argument in Diskussionen um Dokumenten-Formate im US-Bundesstaat Massachusetts. Während unter den Gründungsmitgliedern des Open-XML-Entwicklerforums auch der Ölkonzern BP vertreten ist, hat sich etwa IBM bis heute für das konkurrierende OpenDocument-Format eingesetzt und gegen die ECMA-Standardisierung für Open XML gestimmt. ODF erfreut sich weltweiter Unterstützung. Massachusetts will ab 2007 ODF einsetzen.

ODF-Befürworter spekulieren darüber, dass sich Microsoft nicht darauf beschränken könnte, mit dem Open XML Formats Developer Group ein Gegengewicht zur Anfang März formierten ODF-Alliance zu schaffen. Einem Bericht von Linux-Watch zufolge hat Microsoft außerdem mit Jim Thatcher einen Mitarbeiter ausgerechnet in dasjenige Unterkomitee der International Organization for Standardization entsendet, das die ISO-Standardisierung von ODF in trockene Tücher bringen soll. Kein Zufall, meint Pamela Jones, Herausgeberin des Webmagazins Groklaw: "Ich stelle mir die OpenDocument-Entwicklung im Schleichgang vor, wobei sich Microsoft durch die Kommentare wühlt und ständig Fragen stellt 'Haben Sie das so oder so gemeint?'. So könnte die Firma den Fortgang so lange behindern, bis es entweder das eigene Format zum ISO-Standard geschafft hat oder zumindest ein Patt entstanden ist." (hps/c't) / (ssu)