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Microsoft investiert massiv in Rechenzentren fürs Cloud Computing

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Der Software-Riese Microsoft macht dem Rivalen Google seinen Platz in den Wolken streitig. Immer mehr und immer ausgefeiltere Software-Dienste sollen die Aufgaben der bei Unternehmen und Privatnutzern installierten Microsoft-Programme übernehmen oder ersetzen. Allein in den letzten paar Wochen hat Microsoft mehrere wichtige Angebote vorgestellt, die Redmond als Übergang zum "Cloud Computing", der Software-Versorgung durch das Internet, betrachtet: Mit Azure, von Microsoft als Cloud-Betriebssystem apostrophiert von Firmenchef Steve Ballmer als "Plattform für die nächste Technologierevolution" bezeichnet, sollen Firmen wählen, ob sie Anwendungen auf eigenen Computern laufen lassen oder per Internet als Service von Microsoft beziehen. Windows Live dient als Online-Speicher und -Archivsystem für Fotos, Blogs und andere Web-basierte Inhalte. Und in Kürze wird der bisher als Software-Paket vertriebene Mail-Server Exchange für Unternehmenskunden als Internet-Dienst zur Verfügung stehen. Das Gleiche hat Microsoft auch mit dem Büroanwendungspaket Office vor.

Für die erwarteten Anforderungen will der Konzern nun kräftig in seine Online-Infrastruktur investieren. Mit Erzrivale Google sowie Adobe und Amazon stehen Anbieter bereit, die zunehmend Funktionen der lokalen PCs durch Internet-Dienst ersetzen und ergänzen – diese Verlagerung von Client-Funktionen in große, verteilte Server-Farmen bezeichnet die Branche seit einiger Zeit gerne mit dem Buzzword Cloud Computing.

Für Microsoft bedeuten diese Angebote aber einen Angriff auf angestammte Märkte bei PC-Betriebssystemen und Bürosoftware – um sie zu kontern, sollen in den nächsten Jahren 20 neue Rechenzentren mit einem Investitionsvolumen von jeweils einer Milliarde Dollar entstehen. "Wir erfinden die Infrastruktur unserer Branche von Grund auf neu", sagte Debra Chrapaty, Vizepräsidentin für Global Foundation Services bei Microsoft gegenüber US-Medien. Gut zwei Jahre dauerte es, bis Chrapatys Team im vergangenen Jahr das erste von Microsofts Wolken-Rechenzentren in Quincy im Staat Washington eröffnete. Aufgrund des hohen Energiebedarfs der Server-Farm wurde der Standort bewusst nahe eines neuen Wasserkraftwerks gewählt.

Für das nächste Rechenzentrum im texanischen San Antonio benötigte das Bauteam dann nur noch 9 Monate. Eines der Erfolgsrezepte ist die modulare Fertigbauweise der neuen Server-Zentren. Bis zu 2500 Server werden dabei ab Werk in einen Frachtcontainer installiert und mit Netz- und Kühlungsinfrastruktur komplettiert. Statt Rechner aus Kartons auszupacken, werden diese Mini-Rechenzentren in riesige hangar-artigen Gebäuden gefahren, eingeschaltet und können, mit Software bestückt, sofort in Betrieb gehen. Zwei Tage dauert die Zuschaltung eines neuen Containers. Im rund 70.000 Quadratmeter großen Rechenzentrum in San Antonio haben mehr als 220 Container Platz – eine theoretische Kapazität von gut einer halben Million Servern. Die Architektur spart Energie und Personal: Microsoft kommt nach eigenen Angaben mit der halben Belegschaft bisheriger Rechenzentren aus, das Energiebudget hofft der Software-Konzern um ein Drittel zu reduzieren. Ähnliche Konzepte haben zuvor schon Hardware-Hersteller wie Sun und Rackable Systems propagiert. David Capuccio, Analyst bei Gartner, hält Microsofts Variante aber für noch konsequenter und mit Blick auf Stromersparnis vielversprechender.

Während Google seine Rechenzentren unter strengster Geheimhaltung intern plant und konstruiert (sogar die Server sollen selbst gebaut sein), kooperiert Microsoft intensiv mit Firmen wie Dell, HP und Intel. Zumindest äußerlich lässt sich Google von Microsofts Offensive noch nicht beeindrucken. "Wir entwickeln Cloud-Infrastruktur nun schon seit einigen Jahren", ließ der Suchmaschinist verlauten. "Und wir haben einen beträchtlichen Vorsprung dabei."

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(Erich Bonnert) / (jk)