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Microsoft kämpft mit Sonderfonds gegen Linux

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Einer aktuellen Studie des Marktforschungsinstituts Gartner zufolge suchen Unternehmen außerhalb der USA verstärkt nach Alternativen für Microsoft-Produkte. Als Gründe dafür nannte Gartner Bedenken wegen der Lizenzierungspraktiken, mangelhafte Sicherheit und die schiere Macht der Open-Source-Bewegung. Die Gartner-Studie weist allerdings darauf hin, dass der Umstieg von kommerzieller Software auf Open-Source nicht auf die leichte Schulter zu nehmen sei. Wer bei den Betriebsprozessen schlampe und seine Mitarbeiter nicht hinreichend ausbilde, der könne schnell in die Kostenfalle tappen. Das wollen auch die deutschen Marktforscher bei Soreon herausgefunden haben -- gerade große Unternehmen können aber kräftig durch den Einsatz von Open-Source-Software sparen.

Laut einer Studie von IDC stellt Linux unter allen verfügbaren Open-Source-Produkten bei einem Marktanteil von 26 Prozent im Server-Markt eine ernst zu nehmende Alternative zu Microsoft-Betriebssystemen dar. Auf 44 Prozent der Server sei Windows installiert. Auch wenn der Anteil von Linux auf Arbeitsplatzrechnern noch gering sei, fühlt man sich bei Microsoft offenbar erheblich durch Linux bedroht. Vor allem die Bestrebungen in Behörden und Dritte-Welt-Ländern nach alternativer Softwareausstattung scheinen den Microsoft-Offiziellen nicht ganz geheuer zu sein.

Wie die New York Times berichtet, dominiert Microsoft den PC-Software-Markt mit einem Anteil von 90 Prozent. Microsoft-Vertriebschef Orlando Ayala reiche das aber nicht. In einer als "vertraulich" gekennzeichneten E-Mail an die Spitzenführungskräfte bei Microsoft, die auch an Microsoft-Chef Steve Ballmer gegangen sei, soll er freimütig erklärt haben, dass wann immer einer sehr großes Geschäft zu scheitern drohe, man so lange an der Preisschraube zu drehen habe, bis der Kunde ja sagt. Ein besonderer interner Fonds würde auch extreme Preisnachlässe abdecken. "Verlieren Sie unter keinen Umständen gegen Linux!", soll Ayala in seiner E-Mail geschrieben haben.

Microsoft kann sich solch einen Fonds bei liquiden Mitteln in Höhe von über 43 Milliarden US-Dollar locker leisten. Die Frage ist nur, ob diese Discountpraxis auch rechtmäßig ist. Microsoft-Europa-Chef Jean-Philippe Courtois erklärte gegenüber der New York Times, dass die Mitbewerber ähnliche Taktiken verwenden würden. So verschenke Sun beispielsweise StarOffice an Schulen.

Nach europäischer Rechtssprechung dürfen Rabatte nur dann gewährt werden, wenn Wettbewerber damit nicht aus dem Markt gedrängt werden können. Die Frage, inwieweit Microsoft eine Quasi-Monopolstellung inne hat und damit die Existenz Dritter bedrohen kann, beschäftigt die Gerichte schon seit fünf Jahren. Microsofts Londoner Rechtsanwalt Bill Allan sagt, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Verhandlung des Falls vor Gericht einzig davon abhänge, dass ein Mitbewerber Anklage erhebt.

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