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Microsoft mit Rekord-Umsatz und geringerem Gewinn

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Mit einem Rekord-Umsatz von über 10 Milliarden US-Dollar schließt der Software-Konzern aus Redmond das zweite Quartal ab, für das Microsoft selbst einen Umsatz von 9,7 bis 9,8 Milliarden US-Dollar und einen Gewinn von 23 bis 24 US-Cent pro Aktie prognostiziert hatte. Allerdings ging der Gewinn zurück, was vor allem auf das neue Mitarbeiter-Aktienprogramm zurückgeführt wird. Die Börsianer hatten im Schnitt einen Gewinn von 30 US-Cent pro Aktie bei einem Umsatz von 9,74 Milliarden US-Dollar erwartet, angetrieben besonders von guten Geschäften mit Server-Software, hohen Xbox-Verkäufen und einem Wiederanziehen des Geschäfts mit PC-Software für Endverbraucher.

Im zweiten Quartal des Geschäftsjahrs 2004 kam nun ein Umsatz bei Microsoft von 10,15 Millliarden US-Dollar zusammen, ein Zuwachs von 19 Prozent gegenüber den 8,54 Milliarden US-Dollar im gleichen Quartal des Vorjahrs. Der Nettogewinn lag unter Einrechnung des neuen Aktienprogramms für Angestellte, das zu einer stärkeren Belastung der Bilanzen führt, bei 1,55 Milliarden US-Dollar (14 Cents pro Aktie). Darin berücksichtigt sind dann Belastungen von 2,17 Milliarden US-Dollar oder 20 Cents pro Aktie für die Aktien-Pogramme der Mitarbeiter. Unter Ausschluss dieser Belastungen lag der Gewinn bei 34 Cents pro Aktie.

Besonders erfreut zeigte sich Microsoft-Finanzchef John Connors über das Wachstum bei Windows XP und den Office-Produkten: "Die Nachfrage bei Verbrauchern und Unternehmen überstieg erneut unsere Erwartungen." Der allgemeine Markt für IT-Produkte habe im zweiten Quartal deutliche Zeichen der Erholung gezeigt. Die Sparte Information Worker (unter anderem zuständig für das Office-Paket) legte beim Umsatz im Jahresvergleich um fast 27 Prozent auf 2,895 Milliarden US-Dollar zu. Microsofts Online-Dienst MSN wuchs um 19 Prozent auf einen Umsatz von 546 Millionen US-Dollar, wozu vor allem der Werbeumsatz mit einem Anstieg von 47 Prozent beitrug. Bei den Betriebssytem-Abteilungen verzeichnete Micosoft ebenfalls durch die Bank Zuwächse: Die Sparte Client (unter anderem Desktop-Betriebssysteme) legte beim Umsatz um fast 20,7 Prozent auf 3,059 Milliarden US-Dollar zu; der Bereich Server and Tools wuchs um 21 Prozent auf 2,134 Milliarden US-Dollar. Auch Business Solutions, die aus Great Plains und Navision gebildete Sparte für Geschäftssoftware, konnte zulegen: um geschlagene 40,7 Prozent 190 Millionen US-Dollar. Und selbst die Abteilung für Handys, PDAs und Smartphones trug zum Umsatzwachstum bei: 63 statt im Vorjahresqartal 38 Millionen US-Dollar verbuchte Microsoft hier als Umsatz, ein Plus von 65,8 Prozent.

Die Sparte Home and Entertainment konnte zumindest bei den Xbox-Verkäufen zulegen. Seit dem Start der Spielkonsole hat Microsoft nun nach eigenen Angaben 13,7 Millionen Stück verkauft; man sei auf dem richtigen Weg, wie angekündigt bis zum Ende des Geschäftsjahrs 2004 zwischen 14,5 und 16 Millionen Xboxen abzusetzen. Zuletzt hatte Microsoft für die Xbox erneut Verluste ausweisen müssen, während MSN in die Gewinnzone kam. Die aktuellen Zahlen über Verluste und Gewinne der Sorgenkinder von Microsoft wird man wiederum erst dann erfahren, wenn der Konzern die offiziellen SEC-Dokumente eingereicht hat. Dass im abgeschlossenen zweiten Quartal die Umsätze mit der Xbox anstiegen, verwundert jedenfalls nicht: Fällt in den Berichtszeitraum doch das Weihnachtsgeschäft, in dem Geräte wie Microsofts Spielkonsole natürlich besonders gut verkauft werden. Insgesamt allerdings ging der Umsatz der Sparte um 4,6 Prozent 1,266 Milliarden US-Dollar zurück.

Ein Aspekt der Bilanz, der in den Zahlen für das zweite Qartal besondere Aufmerksamkeit bei den Börsianern finden wird, ist der so genannte deferred revenue (bei Microsoft unearned revenue genannt, im deutschen Rechnungswesen unter "passiver Rechnungsabgrenzungsposten" bekannt). Schon bei der Vorlage der Zahlen für das erste Quartal musste Microsoft einen Rückgang bei diesen Einnahmen einräumen, die durch die damit verbundenen langfristigen Verträge erst in den folgenden Quartalen reale Erträge liefern. Deferred revenues sind Umsätze vor allem mit Firmenkunden, die auf Grund von Service-Verträgen, die über mehrere Jahre gelten, oder beispielsweise länger laufende Lizenz-Abschlüssen zwar schon gemacht wurden, auf Grund der langen Laufzeit der Verträge aber erst über die eigentliche Zeitspanne der Vereinbarungen hinweg realisiert und verbucht werden.

Microsoft sprach bei der Vorlage der Bilanz für das erste Quartal davon, der Rückgang beim deferred revenue sei eine direkte Bilanz-Auswirkung von Sicherheitslücken sowie Viren- und Wurm-Angriffen gegen Windows-Software. Microsoft aber hatte gerade gehofft, das die Einführung der umstrittenen Software Assurance auch solche Effekte vermeiden helfe -- Beobachter befürchten, die Updates von Microsoft rechtfertigten für viele Firmen nicht die Kosten des Lizenz-Programms. Einige Analysten führen den Rückgang beim deferred revenue auch auf die zunehmende Konkurrenz durch Linux zurück. So ist die Entwicklung dieses Bilanzpostens für sie auch ein Zeichen dafür, wie gut Microsoft mit der Konkurrenz aus dem Open-Source-Lager zurecht kommt. Das wäre nach den Bilanzen des ersten Quartals nicht besonders gut für den Redmonder Konzern gelaufen -- und die Zahlen des zweiten Quartals bestätigten dies dann noch einmal: Microsoft selbst hatte bereits einen Rückgang des deferred revenue von 200 bis 300 Millionen US-Dollar prognostiziert, zu Stande kamen nun ein Rückgang von 274 Millionen US-Dollar im Jahresvergleich und von 395 Millionen US-Dollar gegenüber dem Vorquartal auf 7,85 Milliarden US-Dollar.

Mittlerweile (zum Ende Dezember 2003) hat Microsoft eine liquide Reserve von 52,777 Milliarden US-Dollar an Bargeld und kurzfristigen Forderungen angesammelt -- ein halbes Jahr zuvor waren es noch 49,048 Milliarden US-Dollar. Das dürfte den Druck -- trotz aller juristischer Auseinandersetzungen mit noch nicht absehbaren finanziellen Konsequenzen -- weiter erhöhen, die Dividende noch einmal heraufzusetzen.

Gegenüber den Erwartungen nach den Zahlen des ersten Quartals hob Microsoft die Prognosen für den Umsatz für das Gesamtjahr weiter an: 35,6 bis 35,9 Milliarden US-Dollar Umsatz sollen anfallen. Beim Gewinn ist Microsoft vorsichtig: Zwischen 82 und 83 US-Cent sollen es nun werden, wobei Belastungen für das Mitarbeiter-Aktienprogramm von 35 Cent eingerechnet sind. Vor drei Monaten ging Microsoft noch von einem Gewinn im Geschäftsjahr 2004 von 85 bis 87 Cent pro Aktie (mit Einrechnung von Belastungen in Höhe von 24 Cent für die Aktienprogramme) aus. Eigentlich erhöhte Microsoft also zwar auch die Gewinnprognose (1,17 bis 1,18 US-Dollar statt zuvor 1,09 bis 1,11 US-Dollar) -- aber nur unter Ausschluss des Mitarbeiter-Aktienprogramms. Für das dritte Quartal rechnet Microsoft mit einem Umsatz von 8,6 bis 8,7 Milliarden US-Dollar und einem Gewinn von 23 bis 24 Cent pro Aktie (unter Einschluss von 5 Cent pro Aktie Belastung für das Aktienprogramm).

So richtig einigen konnten sich die Börsianer anfangs auf die Bewertung der Microsoft-Bilanzen nicht -- trotz des in vieler Hinsicht als gutes Quartal betrachteten Geschäftsabschnitts: Während des offiziellen Handels an der Nasdaq sank der Kurs der Microsoft-Aktie bei insgesamt schwachen Märkten (der Nasdaq-Index selbst gab um 1,09 Prozent nach) um 1,02 Prozent auf 28,01 US-Dollar. In der ersten Zeit des nachbörslichen Handel konnte das Microsoft-Papier anfangs gegenüber dem Schlusskurs noch auf 28,70 US-Dollar zulegen, der Kurs ging dann aber zeitweise auf bis zu 27,11 US-Dollar zurück.

Umsatz- und Gewinnentwicklung bei Microsoft in US-Dollar
(Das Geschäftsjahr beginnt jeweils im Juli)

Quartal Umsatz Nettogewinn
3/00 5.660 Mio. 2.390 Mio.
4/00 5.800 Mio. 2.410 Mio.
1/01 5.800 Mio. 2.200 Mio.
2/01 6.590 Mio. 2.620 Mio.
3/01 6.460 Mio. 2.450 Mio.
4/01 6.580 Mio. 66 Mio.
1/02 6.130 Mio. 1.280 Mio.
2/02 7.740 Mio. 2.280 Mio.
3/02 7.250 Mio. 2.740 Mio.
4/02 7.250 Mio. 1.530 Mio.
1/03 7.750 Mio. 2.730 Mio.
2/03 8.540 Mio. 2.550 Mio.
3/03 7.840 Mio. 2.790 Mio.
4/03 8.070 Mio. 1.920 Mio.*
1/04 8.220 Mio. 2.610 Mio.*
2/04 10.150 Mio. 1.550 Mio.*
* Gewinne unter Bilanzierung des neuen Aktienprogramms für Microsoft-Mitarbeiter