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Microsoft plant Billig-Windows für Asien

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Microsoft arbeitet an einer besonderen Einsteigervariante von Windows, die für den Einsatz in verschiedenen asiatischen Entwicklungsländern maßgeschneidert sein soll. Als möglicher Erscheinungszeitpunkt ist bereits der September dieses Jahres im Gespräch. Dies berichtet das New Yorker Wall Street Journal in seiner Ausgabe vom gestrigen Freitag, 25. Juni.

Nachdem der thailändische Microsoft-Zweig bereits im Februar von entsprechenden Plänen des Konzerns gesprochen, dabei aber noch keine näheren Angaben gemacht hatte, scheinen sich Zweck und Charakter des kommenden Billig-Windows, das in verschiedenen lokalen Sprachen für die jeweiligen Zielgebiete veröffentlicht werden soll, konkretisiert zu haben. Die Entwicklungsarbeiten sind offenbar weit fortgeschritten, ohne dass das Microsoft-Management die übliche PR-Begleitmusik geliefert hat. Selbst der Name des neuen Betriebssystems ist am vergangenen Mittwoch erstmals beim technischen Web-Forum Neowin enthüllt worden, zusammen mit einem Verweis auf ein neues hellblaues Logo. Die "Windows XP Starter Edition", wie das neue Betriebssystem heißen soll, richtet sich einer Microsoft-Sprecherin zufolge an Erstbenutzer und soll bevorzugt im Rahmen von Aktionen unter staatlicher Regie verfügbar gemacht werden, die Bürgern von Entwicklungs- und Schwellenländern den Bezug verbilligter PCs ermöglichen. Solche Subventionsprogramme gibt es bereits in Thailand und Malaysia. Über diese beiden besonders wichtigen Märkte hinaus peilt Microsoft dem Wall Street Journal zufolge weitere Länder des asiatischen Raums an. Wie es heißt, befinden sich die Redmonder in Verhandlungen mit einigen Regierungen.

Um nicht in Wettbewerb zu den eingeführten, teureren Windows-Versionen in den Industrieländern zu treten, soll die "XP Starter Edition" nur in lokalen Sprachen für die Zielmärkte ausgeliefert werden, nicht in Englisch. Einzelheiten darüber, welche Leistungsmerkmale sie genau aufweist und wie hoch der Preis für die Abnehmer sein wird, wollte Microsoft noch nicht verraten. Auch einen offiziellen Erscheinungstermin gibt der Konzern noch nicht heraus. Allerdings hat Thailands Premierminister Thaksin Shinawatra im Rahmen einer Radiosendung kürzlich verlauten lassen, das neue Betriebssystem solle für sein Land im September verfügbar sein.

Beobachter sehen die "XP Starter Edition" als gezielte Maßnahme gegen die wachsende Akzeptanz von Linux-Systemen in Entwicklungs- und Schwellenländern an. In Malaysia und Thailand haben Behörden den Bürgern bislang auch PCs mit Linux billig angeboten. Für ein mit Windows XP ausgestattetes PC-Komplettpaket einschließlich Monitor legen malaysische Interessenten jetzt rund 300 US-Dollar hin – bereits das bedeutet eine Preisermäßigung gegenüber westlichen Märkten.

Die Anfrage von Börsenanalysten, wie Microsoft denn seine bisherige, eher konservative Preispolitik halten wolle, wenn der Konzern in einzelnen Ländern willkürlich Rabatte gewähre, beantworteten die Redmonder der Zeitung zufolge mit dem Hinweis, man gebe ja traditionell bereits bestimmte Preisnachlässe, etwa für Schulen. Das Engagement in Entwicklungsländern lasse sich durchaus damit vergleichen. (psz)