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Microsoft schließt die Entwicklung eines eigenen Virenscanners nicht aus

Seitdem Microsoft die Antivirus-Abteilung des rumänischen Software-Herstellers GeCAD übernommen hat, reißen Spekulationen über einen eigenen Virenscanner von Microsoft nicht ab. Dabei wird es wohl in absehbarer Zeit auch bleiben, denn Microsoft hält sich auch weiterhin alle Optionen offen -- Nachfragen bleiben meist ergebnislos. Als etwa die Finanzial Times Deutschland jetzt bei Microsofts Technikvorstand Craig Mundie nachfragte, reagierte der mit der Auskunft: "Denkbar ist, dass wir bei künftigen Überlegungen zu der Einschätzung kommen, dass bestimmte Teile der Anti-Virus-Software zum Betriebssystem gehören sollten." Mit anderen Worten: Es könnte gut sein, dass Microsoft einen Virenscanner etwa in Longhorn einbaut -- oder eben auch nicht.

Verlässlicher könnten da schon andere Signale sein, die Microsoft in der letzten Zeit setzte. So stellte der Softwareriese einerseits ein kleines Programm bereit zum Entfernen einiger weniger Viren, die sich bereits im System eingenistet haben. Andererseits gibt es die Beta-Version einer Antispyware-Software. Letztere ist deshalb besonders interessant, weil in ihr bereits diverse Bausteine eines Virenscanners enthalten sind, etwa eine Signatur-Datenbank zum Abgleich von schädlichem Code sowie ein On-Access-Wächter, der das System kontinuierlich überwachen kann. Microsoft hat also bereits fast alles fertig, was für einen Virenscanner nötig ist -- und dennoch scheint der Softwareriese sich nicht so recht entscheiden zu wollen.

Das ist eigentlich auch kein Wunder. Zwar ist es für viele Anwender schon lange ein Ärgernis, dass sie sich mit verschiedenen Programmen vor unterschiedlichen Schädlingstypen schützen und diese auch noch zusätzlich zu ihrem Betriebssystem selbst beschaffen müssen. Doch andererseits gibt es für den Softwareriesen gewichtige Argumente gegen einen in Windows eingebauten Virenscanner: So hat Microsoft gerade erst einen Rechtsstreit um den in Windows eingebauten Media-Player verloren, und wohl kein Interesse daran, wegen eines eingebauten Virenscanners erneut vor Gericht zu stehen. Gut möglich also, dass Microsoft zwar tatsächlich irgendwann einen eigenen Scanner anbietet, ihn jedoch nicht als Teil des Betriebssystems ausliefert, um solchen Rechtsstreits zu entgehen.

Außerdem ist mit dem Bereitstellen eines Virenscanners erheblicher Aufwand verbunden, da dieser stets aktuelle Virenkennungen benötigt, die der Hersteller bereitstellen muss. Das wiederum bringt nicht nur viel Arbeit, sondern damit auch eine gewisse Fehleranfälligkeit mit sich. Doch selbst bei fehlerfreiem Arbeiten drohen Probleme: Bislang ist es noch keinem Virenscanner-Hersteller gelungen, jemals einen Scanner zu produzieren, der wirklich alle Schädlinge jederzeit findet -- die Hersteller der Virenscanner befinden sich in einem ständigen Wettrennen mit den Schädlingsprogrammierern, und es ist immer nur eine Frage der Zeit, bis mal wieder ein Schädling gewinnt (siehe dazu auch den letzten Virenscanner-Test in c't 1/05 kostenpflichtiger Download). Und dann drohen neue Image-Schäden, wenn Tausende Windows-Rechner trotz Microsoft-Virenscanner von einem Schädling befallen sein sollten.

Ob der Softwareriese solche Risiken eingehen will, weiß er also wohl selbst noch nicht so richtig. Und so wird es vermutlich auch in absehbarer Zeit bei Spekulationen bleiben. (axv)

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