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Microsoft startet neuen Cloud-Versuch in Deutschland

Microsoft geht mit neuen Rechenzentren in Deutschland für seine Cloud-Dienste an den Start. Ein Teil der Anwendungen wird aber global verarbeitet.

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(Bild: Microsoft_Azure-Infrastruktur)

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Microsoft bietet ab dem heutigen Mittwoch bestimmte Cloud-Dienste mit einer Beschränkung der Datenhaltung auf Server in Deutschland an. Den Anfang macht Microsoft Azure; weitere Dienste wie Office 365 und Dynamics sollen erst in einigen Monaten folgen.

Mit den angebotenen lokalen Rechenzentrumsregionen mit neuen Servern in Berlin und Frankfurt will Microsoft den Anforderungen deutscher Unternehmen erneut Rechnung tragen. Bereits 2015 hatte das Unternehmen eine Cloud-Lösung im Angebot, bei der die Telekom die Server betrieb. Der Dienst wurde vor rund einem Jahr zurückgezogen; seit August 2018 versorgt das Auslaufmodell Microsoft Cloud Deutschland nur noch Bestandskunden. Neuanmeldungen sind nicht mehr möglich.

Diesmal betreibt Microsoft die Server in Deutschland selbst – allerdings bei voller Anbindung an das weltweite Microsoft-Netzwerk. Das soll die Nutzung aller angebotenen Cloud-Dienste ermöglichen. Unklar ist bislang, wie Microsoft die Tatsache handhabt, dass für die Nutzung bestimmter Dienste eine Übertragung von Kundendaten in die USA notwendig bleibt. Das gilt auch für bestimmte Funktionen von Office 365, für das Microsoft eine Begrenzung auf die Region Deutschland ab Anfang 2020 verspricht. Bei Microsoft heißt es, dass nur "bestimmte Kundendaten in Deutschland" gespeichert werden.

Es ist davon auszugehen, dass der Zugriff auf Microsoft-Server in Deutschland zumindest technisch auch aus den USA möglich ist. Dabei stellt sich die Frage, ob Microsoft im Zuge des Cloud Acts zur Herausgabe von Daten deutscher Kunden an US-Behörden veranlasst werden könnte.

2015 hatte Microsoft deutschen Unternehmen eine Cloud-Lösung offeriert, die Compliance- und Datenschutz-Bedenken begegnen sollte: Die Microsoft Cloud Deutschland basierte auf einer Kooperation mit der Telekom, die nicht nur die Server betrieb, auf denen Microsoft-Dienste wie Office 365 liefen und die alle Nutzerdaten speicherte. Die Telekom fungierte auch als Datentreuhänder, der Microsoft-Mitarbeitern nur in Notfällen und unter Aufsicht Zugang zu den Daten der Kunden gewährte. Da die entsprechenden Server auch strukturell vom weltweiten Microsoft-Netz getrennt waren, blieb den Kunden der Zugang auf einige Microsoft-Dienste verwehrt, die ausschließlich auf US-Servern laufen.

Generell boomen Cloud-Dienste weltweit. Microsoft konnte seinen Gewinn und Umsatz dadurch steigern. Laut einer Studie des IT-Branchenverbands Bitkom haben in den vergangenen Jahren 73 Prozent der Unternehmen in Deutschland Cloud-Technologien eingeführt.

Die Antworten von Microsoft auf eine Anfrage von heise online stehen noch aus, unter anderem geht es darin um Informationen zu Migrationsoptionen von Bestandskunden auf die deutschen Rechenzentren (emw)