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Microsoft stellt IE-9-Beta vor

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"Der Browser soll sich nicht so wichtig nehmen" - entsprechend verschlankt Microsoft die Bedienoberfläche

Microsoft hat am Mittwochabend in Hamburg eine erste Betaversion des Internet Explorer 9 für Windows 7 und Vista vorgestellt. Bisher waren von dem neuen Browser nur vier "Technical Previews" erschienen, die Webentwickler mit den Neuerungen der Rendering-Engine vertraut machen sollten und nur eine rudimentäre Oberfläche mitbrachten. Die in 33 Sprachen (darunter Deutsch) vorliegende Beta vermittelt nun erstmals einen Eindruck von der fertigen Software, die bereits Feature-komplett ist. Mit der finalen Version dürfte um den Jahreswechsel zu rechnen sein.

"Der Browser soll sich nicht so wichtig nehmen", sagte Microsoft-Evangelist Daniel Melanchthon – deshalb stellt sich dessen Oberfläche dem Trend folgend deutlich schlanker als früher dar. An Bedienelementen weist das Programm links einen Vor- und Zurück-Knopf und eine schmale kombinierte Adresseingabe sowie Suche mit Neuladen- und Abbrechen-Button auf, rechts finden sich drei Buttons für Startseite, Lesezeichen und Einstellungen, die Tabs wurden dazwischen platziert. Seiten lassen sich am Favicon aus dem Browser in die Taskleiste herausziehen oder als "Anwendungen" ablegen. Die Schnellstartseite zeigt mittels Leisten an, wie oft bestimmte Seiten aufgerufen wurden; von hier aus lassen sich auch die zuletzt offenen Tabs wiederherstellen. Tabs kann der Benutzer aus dem Browserfenster heraus- und wieder zurückziehen.

Die neue Verwaltung von Erweiterungen und Toolbars gibt auch Auskunft über deren Ladezeit

Microsoft will den Internet Explorer als besonders sicheren Browser in Stellung bringen. Mit Blick auf Windows 7 erklärte Microsoft-Manager Olivier Blanchard, dass der Browser "genauso sicher und zuverlässig wie das Betriebssystem" sein müsse. Deshalb warnt der Download-Manager beim Start verdächtiger Software, die heruntergeladen wurde; Cross-Site-Skripte versucht der Browser, automatisch zu entfernen. Suchvorschläge beim Eintippen von URLs sind direkt in der Eingabezeile einschaltbar. Erweiterungen und Toolbars, die den Browserstart oft verlangsamen, listet der IE9 zusammen mit ihrer Ladedauer auf und entfernt sie auf Knopfdruck aus dem System. Die verbesserten Entwicklerwerkzeuge, mit denen sich unter anderem der User-Agent-String fälschen lässt, waren bereits Bestandteil der Previews.

Für die neue Version des Browsers hat Microsoft einen langen Wunschzettel von Webentwicklern abgearbeitet; die umfangreichen Verbesserungen in der Darstellungs-Engine waren nach und nach seit März bekannt geworden. Der Internet Explorer 9 implementiert einen großen Teil der bereits fertigen Bestandteile von HTML5 und CSS3 sowie des Vektorgrafikstandards SVG 1.1; außerdem schließt er Lücken bei JavaScript/DOM. Sichtbar werden diese Maßnahmen unter anderem am Acid3-Test, den der Internet Explorer nun zu mehr als 90 Prozent besteht.

HTML5-Medien kann der Browser mit den Codecs H.264, MP3 und Googles offenem WebM abspielen. Außer mit SVG lassen sich Bilder auch über HTML5-Canvas zeichnen. In Sachen CSS führt der IE9 unter anderem neue Selektoren, runde Ecken, mehrfache Hintergründe und Media Queries ein. Wie zuletzt bei CSS 2.1 bemüht sich Microsoft um umfangreiche Testsuiten mit derzeit über 2000 Einzeltests für HTML5, CSS3, SVG, JavaScript und DOM, um Unklarheiten der Spezifikationen zu beseitigen.

Die zuletzt nicht mehr konkurrenzfähige JavaScript-Engine des IE wurde durch eine kompilierende ausgetauscht; diese kann auf Mehrkern-Maschinen auf einem separaten Prozessor kompilieren und ist in Sachen Geschwindigkeit vergleichbar mit denen anderer Browser. Punkten kann IE9 durch die Hardware-Beschleunigung der Grafikkarte, auf die er bei der Darstellung von Bildern und Texten zurückgreift. Das treibt bei Animationen die Framerate in die Höhe, senkt den Energieverbrauch – und ist der Grund, dass der IE9 nicht auf Windows XP läuft. Dank DirectX stellt der Internet Explorer 9 Texte besonders sauber dar. Ein neues Performance-API, das Microsoft beim W3C eingereicht hat, soll Messungen der Render-Geschwindigkeit erleichtern. (heb)

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