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Microsoft trägt viele Änderungen zum Linux-Kernel 3.0 bei

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Mit 343 Änderungen führt der Microsoft-Entwickler K. Y. Srinivasan eine von LWN.net erstellte Liste der Entwickler an, die im aktuellen, Linux 3.0 vorbereitenden Entwicklungszyklus die meisten Änderungen beigesteuert haben. Zusammen mit einigen anderen "Changesets" kommt Microsoft so auf 361 Änderungen und erreicht damit den siebten Platz beim Vergleich der Firmen und Gruppen, die zum Linux-Kernel beitragen. Zum Vergleich: Unabhängig arbeitende Entwickler haben zu Linux 3.0 1085 Changesets beigesteuert, die von Red Hat 1000 und jene von Intel 839.

Diese Zahlen nennt eine am Donnerstag bei LWN.net veröffentlichter Artikel, auf den bis zum nächsten Donnerstag allerdings nur Abonnenten der angesehenen Webseite Zugriff haben; in Blog-Einträgen werden die Zahlen allerdings schon kommentiert. Ähnliche Analysen hat LWN.net zu allen jüngst veröffentlichten Kernel vorgenommen; etwa zu 2.6.39 und 2.6.38. Autor, Kernel-Entwickler und LWN.net-Gründer Jonathan Corbet hat solche Erhebungen auch schon zusammen mit der Linux Foundation durchgeführt und zu Studien aufbereitet. Schon in dem Rahmen wies heise open darauf hin, dass bei der Interpretation der Zahlen Umsicht angebracht ist. Ein Kritikpunkt: In die Analysen gehen auch Änderungen am Staging-Bereich ein, der Code enthält, der die Qualitätsstandards seiner Entwickler oder der Kernel-Entwickler nicht erfüllt – diese auszuräumen zieht besonders viele Änderungen nach sich.

Um Staging-Code geht es auch hier, denn Srinivasan hat den Treiber für Microsofts Virtualisierungsschnittstelle HyperV verbessert, den das Unternehmen vor zwei Jahren freigegeben hat. Mit dem ging es lange nicht sonderlich voran; zweimal hatte Staging-Betreuer Greg Kroah-Hartman sogar schon gedroht, die Treiber wieder aus dem Staging-Bereich des Kernels herauszunehmen. Vor einigen Monaten stieg allerdings plötzlich die Aktivität der Microsoft-Entwickler erheblich: Sie begannen, die bekannten Qualitätsmängel zu beseitigen, damit der Treiber den Staging-Bereich irgendwann verlassen kann; dafür lobte Staging-Betreuer Kroah-Hartman das Unternehmen sogar kürzlich im Rahmen der Entwicklung des Linux-Kernels 3.0, der in den nächsten Tagen erscheinen dürfte.

Srinivasan schneidet in den eingangs erwähnten Aufstellungen zudem besonders gut ab, weil er viele kleine Änderungen vorgenommen hat. Genau so wünschen es sich die Kernel-Entwickler auch; eine Änderung, die nur eine Zeile modifiziert, zählt dann jedoch genauso viel wie eine riesige Änderung, die einen Megabyte groß ist. Bei den von LWN.net ebenfalls vorgekommenen Auswertungen zur Zahl der geänderten Zeilen Code liegen Srinivasan und Microsoft daher weiter hinten. Microsoft-Entwickler etwa haben laut LWN.net 11.564 Zeilen Code verändert (1,3 Prozent) – vorne liegt Intel mit 163.232 (18,1 Prozent). Auch Intels Wert gibt Anlass zu Kritik, denn zu der hohen Zahl trägt der bei 3.0 neue Treiber isci bei, der in einer unsauberen Form aufgenommen wurde und in den folgenden Commits erheblich umgebaut wurde (etwa 1). Damit sollte die Änderungs-Historie erhalten bleiben – nebenbei scheint das aber auch zu einem besseren Abschneiden in der LWN.net-Auswertung zu führen. (thl)