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Microsoft wegen Ideenklaus angeklagt

Diskret versuchte Microsoft, die Affaire unter den Teppich zu kehren, aber jetzt kam es an den Tag: Am 27. September dieses Jahres verurteilte ein französisches Gericht den Software-Giganten aus Redmond zu einer Geldstrafe von drei Millionen Franc, enthüllte jetzt die linksliberale Tageszeitung Libération. Der Grund: In der 3D-Software Softimage, die Microsoft mittlerweile an Avid weiter verkauft hat, werkeln acht Routinen, für die keine der beiden Firmen die Nutzungsrechte besitzt -- ein klarer Fall von Copyright-Verletzung.

Die Historie des Vergehens: Ende der 80er-Jahre war der französische Grafiker Raymond Perrin nicht so recht zufrieden mit dem damaligen Angebot an 3D-Software. Selbst ist der Mann, sagte sich Perrin, gründete zusammen mit seiner Kollegin Isabelle Cuadros das Start-up Syn'x Relief und programmierte die 3D-Software Character. Um Character auch kommerziell auf die Sprünge zu helfen, übertrugen die beiden jungen Firmengründer einem renommierten kanadischen Unternehmen die Nutzungsrechte an acht Software-Routinen. Der Name des Unternehmens: Softimage.

1994 kaufte Microsoft für 130 Millionen US-Dollar Softimage auf, und kurz danach kündigten die Franzosen den Lizenzvertrag. Mittlerweile hat der Software-Riese aus Redmond den 3D-Spezialisten Softimage an Avid weiter verscherbelt, aber immer noch versehen auch im aktuellen Softimage3D die berühmten acht Routinen aus dem Jahre 1992 ihren Dienst, behaupten die Franzosen. Stimmt nicht, die Routinen seien längst deaktiviert, erwidern Microsofts Anwälte. "Alles Unsinn, ohne unsere Routinen läßt sich Softimage3D gar nicht starten", entgegnet Isabelle Cuadros.

Ein französisches Gericht gab am 27. September den beiden Gründern von Syn'x Recht und verurteilte den Software-Monopolisten, der den Sourcecode seines Verkaufsschlagers immer noch vor aller Augen geheim hält und im Panzerschrank verschließt, zu eine Strafe von drei Millionen Franc. Natürlich will Microsoft in Berufung gehen, und natürlich wollen Perrin und Cuadros ihr Recht notfalls bis zur letzten gerichtlichen Instanz durchfechten. "Diese Sache hat unser Leben aufgewühlt", betont Perrin. "Die Software-Klauer sollen für das bezahlen, was sie getan haben und zurückgeben, was ihnen nicht gehört." (ku)

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