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Microsoft will deutlicher gegen terroristische Inhalte im Internet vorgehen

Eigentlich ist Microsoft klar, dass Inhalte im Netz zu löschen, nicht viel bringt. Trotzdem setzt das Unternehmen auch auf dieses Mittel im Kampf gegen den Terrorismus. Es macht aber deutlich, dass es Grenzen des Einsatzes gibt.

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(Bild: dpa, Jagadeesh Nv/Symbolbild)

Microsoft will in Zukunft stärker gegen terroristische Inhalte im Netz vorgehen. Die vergangenen Monate hätten gezeigt, dass das Internet für die "vorstellbar schlimmsten Zwecke" benutzt werde. Zwar unterhalte Microsoft weder eines der führenden sozialen Netzwerke noch Videoplattformen, aber auch die eigenen Dienste könnten von Terroristen genutzt werden. Deshalb will das Unternehmen nach eigenen Angaben gemeldete Inhalte oder Links auf seinen Plattformen löschen und mit Organisationen, Forschern und Regierungen für Präventivmaßnahmen und technische Lösungen zusammenarbeiten. Ausdrücklich geht Microsoft dabei in seinem Blog auf die Suchmaschine Bing ein. Unklar ist, inwiefern Dienste wie OneDrive und Hotmail betroffen sind.

Über die zu treffenden Maßnahmen habe Microsoft viel nachgedacht und man sei sich darüber im Klaren gewesen, dass das Unternehmen weiterhin die Privatsphäre, die freie Meinungsäußerung und die Informationsfreiheit schützen wolle. Außerdem unterstrich der Konzern, dass es schwer sei, "terroristische Inhalte" zu definieren. Deshalb orientiere er sich bei der Suche nach diesen Inhalten zukünftig an einer Sanktionsliste der Vereinten Nationen, in der terroristische Organisationen aufgeführt werden. Außerdem will das Unternehmen weiterhin auf die Meldungen von Nutzern vertrauen. Um terroristische Inhalte löschen zu können, werde Microsoft seine "Terms of Use" aktualisieren.

Die Suchmaschine Bing soll laut Microsoft weiterhin ein "unvoreingenommener" Dienst sein – allerdings arbeite das Unternehmen mit Regierungen zusammen, um bestimmte Links zu entfernen. Es liege "in der Hand von Gesellschaften, repräsentiert durch ihre Regierungen, die Linie zwischen freier Meinungsäußerung und deren Grenzen zu ziehen". Microsoft arbeite dementsprechend bereits mit Frankreich zusammen. Die dortigen Behörden meldeten Links an Microsoft, die das Unternehmen dann entfernt.

Zugleich will Microsoft wie unter anderem Facebook die Gegenrede stärken und wie etwa das Projekt "Search racism. Find Truth" Nutzer mit aufklärenden Informationen konfrontieren, wenn sie offensichtlich nach terroristischen Inhalten suchen oder diesen im Internet begegnen. Zudem habe man neues Material für das hauseigene Informationsportal YouthSpark Hub bereitgestellt. Auf dieser Plattform können sich Nutzer etwa über Hassrede und Gefahren im Internet informieren.

Dem Unternehmen sei klar, dass es nicht viel bringe, Inhalte zu löschen, da sie dann an anderer Stelle wieder auftauchten. Deshalb wolle der Konzern die Forschungsarbeiten von Professor Hany Farid vom Dartmouth College unterstützen – sowohl mit finanziellen Mitteln als auch technisch – damit dieser ein System entwickeln könne, welches einmal gepostete und identifizierte terroristische Inhalte im Internet an andere Stelle wieder aufspüren und melden könne. Farid hat sich bisher unter anderem mit der Erkennung von Foto-Manipulationen beschäftigt. (kbe)