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Microsoft will konstruktive Debatte über Rechtsrahmen für die Cloud

In der Cloud werden Daten global verfügbar – und wecken damit auch das Interesse von Regierungen. Microsoft will mit Politik und Wirtschaft den Dialog darüber führen, wie der Rechtsrahmen für eine globale Cloud aussehen sollte.

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Satya Nadella

Satya Nadella will den Dialog über die Cloud führen.

(Bild: Microsoft)

Microsoft will die Diskussion um die politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen durch die Digitalisierung in Deutschland vorantreiben. Dafür hat der Softwarekonzern am Mittwoch in Berlin eine Denkschrift mit dem Titel "Cloud for Global Good" vorgestellt, die mit konkreten Handlungsempfehlungen einen sicheren Weg in die Cloud aufzeigen will. "Cloud Computing bietet die Antwort auf einige der größten Herausforderungen in der Welt", sagte Microsofts Chef-Justiziar Brad Smith. "Doch wie so oft bei technologischem Fortschritt ergeben sich auch viele Fragen für die Gesellschaft." Dafür brauche es "ein ausgewogenes Paket aus politischen und technologischen Lösungen".

Vertrauen, Verantwortung und Teilhabe machte Microsoft in seiner Denkschrift als die entscheidenden Grundpfeiler für die Akzeptanz von Cloud-Diensten aus. "Wir verstehen die Denkschrift vor allem als Grundlage für zukünftige Diskussionen über die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Chancen von Cloud-Computing", sagte Microsofts Deutschlandchefin Sabine Bendiek. Die Handlungsempfehlungen wurden nach Angaben von Microsoft in enger Zusammenarbeit mit Kunden, Partnern, internationalen Rechtsexperten sowie Entscheidungsträgern aus Politik, Wirtschaft und Nichtregierungsorganisationen erarbeitet.

Zugleich baut Microsoft seine Cloud-Infrastruktur in Europa aus. Cloud-Dienste machen inzwichen rund ein Drittel des Unternehmensumsatzes aus. "Wir haben signifikant in die Cloud-Infrastruktur Europas investiert, um die wachsende Nachfrage von Kunden und Partnern nach Public-Cloud-Diensten zu befriedigen", sagte CEO Satya Nadella bei seinem Besuch in Berlin an. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen nach eigenen Angaben die Kapazitäten seiner europäischen Cloud allei verdoppelt und insgesamt mehr als drei Milliarden US-Dollar (rund 2,7 Milliarden Euro) in neue Rechenzentren in Deutschland, Österreich und Finnland sowie in den Bestand in Dublin und Amsterdam investiert. Ab 2017 will Microsoft auch Cloud-Dienste aus französischen Rechenzentren anbieten, kündigte Nadella an.

Seit September bietet Microsoft Cloud-Services in Deutschland an, bei denen die Telekom als Datentreuhänder fungiert. In zwei Rechenzentren in Frankfurt und bei Magdeburg werden dabei die Daten der Kunden gespeichert. Microsoft selbst hat keinen Zugriff auf die Daten. Damit trägt das Unternehmen dem Bedürfnis seiner Kunden nach Rechtssicherheit Rechnung. "Unsere strategische Partnerschaft mit der Deutschen Telekom bietet deutschen Unternehmen noch mehr Wahlmöglichkeiten und Vertrauen darin, wie ihre Daten verarbeitet und wo sie gespeichert werden", erklärte Nadella. Das Unternehmen hat in seinem Rechtsstreit mit der US-Regierung über den Zugriff auf Daten in ausländischen Rechenzentren zuletzt einen wichtigen juristischen Sieg errungen.

Für den transatlantischen Austausch von Daten sei etwa der neue Privacy Shield sehr wichtig, betonte Smith. Microsoft sei das erste Unternehmen, das sich für den Schutzschild zum Datentransfer habe registrieren lassen. "Wir brauchen für die Technologie des 21. Jahrhunderts einen Rechtsrahmen des 21. Jahrhunderts", erneuerte Smith sein Plädoyer für eine Regulierung mit Augenmaß. Vielen Datenschützern in Europa geht die Übereinkunft, die im August die Safe-Harbor-Vereinbarung abgelöst hatte, allerdings nicht weit genug. Es sei aber ein wichtiger erster Schritt in die richtige Richtung, um in Europa mehr Vertrauen zu schaffen, sagte Smith. (Mit Material der dpa) / (vbr)

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