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Microsoft zahlt Novell eine halbe Milliarde US-Dollar

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Novell und Microsoft haben sich in einem "potenziellen Kartellverfahren" geeinigt. Die Redmonder zahlen dem Netware-Anbieter 536 Millionen US-Dollar. Im Gegenzug verzichet Novell auf ein Verfahren um das Netzwerk-Betriebssystem und zieht sich aus seiner Beteiligung am Kartellverfahren der EU gegen Microsoft zurück. Die Einigung führe nicht zur Verpflichtung, Techniken zu lizenzieren oder auf andere Weise offiziell in Anspruch zu nehmen, heißt es aus Redmond. Auch räume Microsoft kein Fehlverhalten ein.

In einer anderen Sache will Novell dagegen in Utah gegen Microsoft klagen. Dabei geht es um nicht näher benannte Schäden, die Microsoft zwischen Juni 1994 und März 1996 Novell durch seine Wettbewerbspraktiken der Marktstellung der Textverarbeitung WordPerfect und der Tabellenkalkulation Quattro Pro zugefügt haben soll. Bei beiden Streitigkeiten geht es auch um Patentansprüche Novells. Im Falle Netware will Novell diese fallenlassen, während das Unternehmen einige nicht näher benannte Ansprüche im Zusammenhang mit WordPerfect aufrecht erhalten will.

"Auch wenn wir uns aus dem EU-Verfahren zurückziehen glauben wir, dass wir zu dem bisherigen Kartellverfahren wertvolle Beiträge liefern konnten", sagte Novells Rechtsexperte Joseph A. LaSala laut einer Mitteilung. Nun, da das Microsoft-Verfahren vor Gericht gelandet sei, gebe es für Novell nichts mehr zu tun. Auch in Sachen WordPerfect sei sein Unternehmen zu einer Eingigung mit Microsoft gewillt gewesen, habe aber auch nach vielen Diskussionen auf keinen grünen Zweig kommen können.

Die vergangenen zwei Jahre habe sein Unternehmen daran gearbeitet, konstruktive Beziehungen zu seinen Konkurrenten aufzubauen, freut sich Microsoft-Chefjurist Brad Smith in einer Mitteilung. Die Einigung mit Novell sei ein Beleg für den Erfolg der Bemühungen. Allerdings sehe sich sein Unternehmen beim Thema WordPerfect nicht zu einem Übereinkommen in der Lage und bereite sich auf ein Gerichtsverfahren vor. Die Netware-Einigung wirke sich nachträglich auf das Ergebnis des ersten Quartals aus. So reduziere sich der Nettogewinn auf nunmehr 2,53 Milliarden US-Dollar. Künftig könnten etwa weitere 950 Millionen US-Dollar für Kartellverfahren fällig werden, teilt Microsoft mit. Das Unternehmen musste in diesem Jahr nach der Einigung mit Sun bereits tief in die Schatulle greifen, im vergangenen Jahr nach einem Vergleich mit AOL.

Und noch mehr hat sich auf dem Microsoftschen juristischen Parkett getan: Auch mit der Computer & Communications Industry Association (CCIA) konnte der Softwarekonzern seine Differenzen beilegen. Die CCIA fechtet die außergerichtliche Einigung des US-Justizministeriums mit Microsoft nicht länger an. Die Redmonder treten im Gegenzug dem Verband bei und zahlen dessen Kosten, die im Zusammenhang mit Kartellrechtsstreitigkeiten mit Microsoft enstanden sind, teilt der Konzern mit. (anw)