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Microsofts Panne wird immer größer

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Eine Woche nach der Aufdeckung des Skandals um die Windows-98-Registrierung setzt in den USA scharfe Kritik an Microsoft ein. Zunächst hatte die US-Presse das Ausmaß des Datenschutzproblems kaum thematisiert. In den ersten Berichten stand Microsofts Versprechen im Vordergrund, den "Bug" schnell zu beheben; worin er besteht, wurde hingegen kaum beleuchtet. Selbst die Bürgerrechtsorganisationen, die sich für ein Verbot von Intels Pentium III stark machen, nannten Microsofts Fehltritt zunächst weniger schwerwiegend.

Die Stimmung begann sich zu wenden, nachdem Richard M. Smith, der dem Skandal auf die Spur kam, eine Webseite zur Demonstration eingerichtet hatte. Der Chef der Firma Phar Lap zeigt dort, wie leicht die weltweit eindeutigen ID-Nummern, die Microsoft seinen Windows-98-Kunden und deren PCs zuteilt, online abgefragt werden können. Er nutzt dazu das ActiveX Control, das Bestandteil des Registration Wizard von Windows 98 ist. Die Anzeige der versteckten Nummer im Fenster des Web Browsers beweist anschaulich, was manche zunächst wohl nicht in vollem Umfang verstanden hatten.

"Win98-Datenschutzproblem: Schlimmer als gedacht" lautet jetzt die typische Schlagzeile (in Techweb). Das US-amerikanische Windows Magazine habe in eigenen Untersuchungen herausgefunden, daß das Problem viel tiefer gehe als ursprünglich berichtet. Man hat dort jetzt auch eine Demo-Webseite und führt vor, daß die ID-Nummern online nicht nur gelesen, sondern sogar heimlich geändert werden können. Das ist zwar nicht wirklich neu (Smith's Code zeigt bereits, daß das ActiveX Control auch ein "Put"-Kommando ausführen kann), aber hilfreich für Anwender: So können sie sich nach Belieben neue ID-Nummern erteilen und damit bequem eventueller Datenschüffelei entgehen.

In einem weiteren Bericht zitiert Techweb den Microsoft-Analysten Dwight Davis von Summit Strategies, der ganz unverblümt seine "Verblüffung über Microsofts Fähigkeit, von diesen Funktionen in Windows 98 nichts zu wissen" zum Ausdruck bringt: "Wenn es wahr ist, daß sie davon nichts wußten, verrät das etwas Schreckliches über Microsofts Überblick über die eigenen Produkte," meinte Davis. Der populäre Wired-Newsdienst hat in einem ausführlichen Beitrag die Erkenntnisse von Richard M. Smith und c't-Redakteur Peter Siering zusammengefaßt. Wired schreibt unter Berufung auf ungenannte Kritiker, diese Entwicklung zeige das "Potential für einen beispiellosen Angriff auf die Privatsphäre." Ein weiterer Wired-Artikel vom 12. März enthält erstmals in der US-Presse eine definitive Bestätigung seitens Microsoft, daß während der Registrierung von Windows 98 tatsächlich ID-Nummern übertragen werden.

Auch die US-Bürgerrechtler schlagen mittlerweile schärfere Töne an. Jason Catlett, Chef der Datenschutz-Organisation Junkbusters, hat nach zunächst zahm formulierten Kommentaren inzwischen Microsoft der falschen Darstellung bezichtigt und eine formelle Beschwerde bei der Federal Trade Commission angedroht. Jetzt fordert Catlett rückhaltslose Aufklärung -- "Glasnost bei Microsoft".

Siehe auch Kommentar "Microsoft und Privacy" in Telepolis. (cp)

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