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Microsofts Vista im Visier der europäischen Wettbewerbshüter

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EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes eskaliert den Streit mit Microsoft um die Befolgung der Wettbewerbsregeln innerhalb der EU und die Einhaltung der Auflagen, die die Kommission wegen Wettbewerbsverstößen gegen den Konzern verhängt hatte. In einem Interview mit dem Wall Street Journal erklärte Kroes, man erwarte, dass Microsoft Vista so gestaltet, dass es den europäischen Wettbewerbsregeln entspricht: "Es wäre ziemlich dumm, etwas anderes zu entwickeln." Sollte Windows Vista mit bestimmten Funktionen gebündelt werden, dann drohe dem System ein Verkaufsstopp in Europa.

Kroes erklärte, sie habe Microsoft-Chef Steve Ballmer einen Brief geschickt, in dem sie ihre Vorbehalte dargelegt habe. Diese lägen auf der gleichen Linie wie die Vorwürfe, die zu der Kartellrechtsentscheidung gegen Microsoft geführt hätten. Die EU-Kommission hatte den Software-Giganten vor rund zwei Jahren zu einer Rekordstrafe von 497 Millionen Euro und zur Öffnung von Windows für Wettbewerber verurteilt. Der Konzern musste danach eine Windows-Version ohne Media Player anbieten und die Schnittstellen für die Kommunikation mit Windows-Servern offen legen. Microsoft zahlte wie vorgesehen die Strafe, klagte aber vor dem EU-Gericht erster Instanz gegen die Strafe – das Hauptsacheverfahren ist noch nicht abgeschlossen, eine Aussetzung der Produktauflagen bis dahin lehnte das Gericht aber ab. Um die Einhaltung der Auflagen, besonders die Dokumentation der Protokollschnittstellen, gibt es eine heftige Auseinandersetzung zwischen der EU-Kommission und Microsoft.

Über die Einleitung einer neuen, formellen Untersuchung wegen Windows Vista sei noch nicht entschieden, betonte Kroes. Ihr Sprecher Jonathan Todd erklärte aber, die EU-Kommission sei besonders über Funktionen zur Internetsuche und zum Schutz vor Viren beziehungsweise Spyware besorgt, die mit Vista gebündelt werden sollen. Bedenken in diese Richtung wurden bereits von Microsoft-Konkurrenten wie Google geäußert, da Microsoft den in Vista integrierten Internet Explorer 7 dazu benutzen könne, Suchanfragen automatisch zum eigenen Internetsuchdienst zu lenken. Symantec war zudem bereits bei der EU vorstellig geworden, man sei besorgt darüber, dass Microsoft Antivirus-Software in Vista integrieren könne. Auch andere Firmen hatten bereits weitere wettbewerbsrechtliche Bedenken geäußert: IBM, Nokia, Oracle und RealNetworks hatten im Februar eine Beschwerde bei der EU-Kommission eingereicht, die sich gegen die Bündelung diverser Software mit Windows sowie die Nichtoffenlegung von Schnittstellenspezifikationen richtet.

Microsoft-Sprecher Tom Brookes erklärte, ein Brief der EU-Wettbewerbskommissarin wegen Vista sei der Firma nicht bekannt. Microsoft entwickele Vista aufgrund von Kundenanforderungen und unter Beachtung der rechtlichen Gegebenheiten; Die Kunden verlangten nun einmal ein Betriebssystem mit mehr Sicherheit und mehr Funktionen. Microsoft betonte, dass auch die Suchmaschinen anderer Anbieter einfach mit Vista genutzt werden könnten, außerdem wolle man keine Antiviren-Software mit dem System ausliefern. Allerdings hat Microsoft vor, Windows Defender in Vista einzubauen, einen Schutz vor Trojanern, Spyware und vergleichbaren Schadprogrammen, gegen die auch gängige Antiviren-Software Schutz bietet. Vergangene Woche erst hatte Microsoft die Verfügbarkeit von Windows Vista für Endverbraucher im Handel auf Januar 2007 verschoben. (jk)

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