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Microsofts heimliches XML-Patent

Mit Bezug auf sein Office 2003 System, in welchem sich etwa das DOC-Dateiformat durch transparente XML-Dokumente vermeiden lässt, hat Microsoft den Gebrauch der Extensible Markup Language in Textverarbeitungen zum Patent angemeldet. Genau genommen geht es um ein "Textverarbeitungsdokument, das in einer einzelnen XML-Datei gespeichert ist, die mit Anwendungen, welche XML verstehen, bearbeitet werden kann". Der Patentantrag stammt vom Juni 2002, wie man aus einer Veröffentlichung des neuseeländischen Patentamts unter der Vorgangsnummer 525484 entnehmen kann. Dort wird der Antrag als "in Untersuchung" charakterisiert. Den Wortlaut der Anmeldung kann man beim Europäischen Patentamt sichten, wo das Schriftstück wie in Neuseeland 18 Monate nach seiner Einreichung in den USA publiziert wurde.

Das Patentgesuch hat offenbar bislang keinen Widerspruch ausgelöst -- kein Wunder bei der wenig publikumswirksamen Praxis einschlägiger Veröffentlichungen. Aber auch die Formulierung des Antrags, in dem ja ausdrücklich vom Speichern in einer einzelnen XML-Datei die Rede ist, dürfte vielen "Gibt's schon"-Ausrufen einen Riegenl vorschieben. Zwar baut StarOffice schon seit Version 6, also mindestens seit Oktober 2001, auf das XML-Format, nur haben sich dessen Entwickler für die Ablage verschiedener Informationen in mehreren XML-Dateien entschieden, die als gemeinsames Zip-Archiv auf der Platte zu liegen kommen.

Wie weit die Errungenschaften, die Microsoft in seinem Patentantrag beschreibt, andere Office-Programme vom Gebrauch des Formats XML abhalten, werden wohl die Patentanwälte klären müssen. Immerhin gilt die Sprache XML allgemein als offener Standard und darf an sich keinen Anspruch zu Lizenzforderungen begründen. Die Sprache WordML, Microsofts XML-Abart zum Kodieren von Dokumenteneigenschaften, dürfte aber nach einer Patenterteilung als Speicherformat fremder Anwendungen tabu sein.

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