Middelhoff: Der User bestimmt die Wissensgesellschaft

Der Bertelsmann-Vorstandsvorsitzende Thomas Middelhoff sieht ein Bedürfnis nach "Tutti-Frutti-TV" und entsprechenden Internet-Angeboten.

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Von
  • mbb

Bertelsmann-Vorstandsvorsitzender Thomas Middelhoff geht davon aus, dass der Verbraucher bestimmt, wie die zukünftige Wissensgesellschaft aussieht. Im Rahmen des Medienkongresses Hamburger Dialog erklärte er gestern: "Der Konsument entscheidet, was er sehen will". Derzeit wollten 8,5 Prozent der TV-Zuschauer, besonders die 14- bis 29-jährigen, die RTL-Containersoap Big Brother sehen. Demnach gebe es "offensichtlich ein Bedürfnis nach solcher Art von Unterhaltung", und Bertelsmann werde diesem mit weiteren Angeboten nach Art von Big Brother nachkommen, stellte der Vorstandsvorsitzende in Aussicht. Der Bertelsmann-Konzern ist Großaktionär von RTL.

Gefragt, wie sich der "Sozialporno Big Brother" mit der allseits propagierten Wissensgesellschaft vereinbaren lasse, antwortete Middelhoff: "Was die Wissensgesellschaft ist, bestimmt der User." Big Brother erfreue sich auch bei Intellektuellen großer Beliebtheit. "Wer weiß denn, wie viele gebildete Bibliothekare sich Pornos auf dem PC ansehen?", fragte der Bertelsmann-Chef, der ein gesellschaftliches Bedürfnis nach "Tutti-Frutti-TV" konstatiert. Zu Auswüchsen wie Pornografie und Gewaltverherrlichung dürfe es dabei allerdings nicht kommen, erklärte Middelhoff. Zugleich betonte er, die aufgeregte Diskussion um die Auslieferung von Hitlers Mein Kampf via Internetbuchhandel sei ihm unverständlich. "In Deutschland wird immer schnell nach Regulierung und Zensur gerufen", kritisierte Middelhoff. Dabei gebe es nicht einmal ein Gesetz, das die Auslieferung von Mein Kampf in Deutschland verbiete. Deutschland solle sich am Verhalten der Amerikaner orientieren, dort bestimme die Nachfrage das Angebot, und dort verstehe man die Aufgeregtheit über Mein Kampf nicht.

In fünf bis zehn Jahren wird es laut Middelhoff ohnehin keine Diskussionen um Inhalte wie Big Brother mehr geben, denn dann gebe es "das Fernsehen on Demand". Hier werde der Zuschauer vor großen Plasmabildschirmen sitzen und sein Programm per Spracheingabe bestellen. Auch abgerechnet werde dann individuell. (mbb) (jk)