Miete soll auch für die letzte Meile steigen

In Deutschland steigen die Mieten. Wenn es nach der Telekom geht, gilt das bald auch für die Teilnehmeranschlussleitung (TAL). Der Antrag an die Bundesnetzagentur ist raus, die Konkurrenz auf den Barrikaden.

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Von
  • Volker Briegleb

Alle zwei Jahre das gleiche Spiel: Die Bundesnetzagentur setzt die Gebühren neu fest, die die Deutsche Telekom anderen Telefon- und Internetanbietern für bestimmte Netzleistungen berechnen darf. Die Telekom stellt einen Antrag, wie die Gebühren ihrer Kostenrechnung zufolge aussehen müssten. Zumeist ergeben diese Berechnungen, dass es teurer werden müsste. Die Konkurrenz, die von der Telekom etwa die "letzte Meile" zum Kunden mieten muss, schreit Zeter und Mordio. Dann entscheidet die Behörde.

Im Falle der Teilnehmeranschlussleitung (TAL) vom Hauptverteiler zum Kundenanschluss hatte die Telekom vor zwei Jahren eine Erhöhung von 10,20 auf 12,90 beantragt, die Bundesnetzagentur die Miete aber auf 10,08 Euro gesenkt. Dieser Preis gilt noch bis Ende Juni. Danach würde die Telekom die Miete für die letzte Meile gerne auf 12,37 Euro erhöhen; die nicht ganz so lange Leitung zwischen Kabelverzweiger (Kvz) und Anschluss soll statt 7,17 künftig 8,80 Euro kosten. Erstmals soll die Miete nun drei Jahre gelten.

Dabei argumentieren sowohl die Telekom als auch die von einer Mieterhöhung betroffenen Anbieter mit dem Breitbandausbau. Der Bonner Konzern sieht in stabilen TAL-Mieten einen Investitionsanreiz für Glasfasernetze und weiß dabei regionale Netzbetreiber wie Netcologne oder M-Net an seiner Seite. "Wir nehmen EU-Kommissarin Neelie Kroes beim Wort und erwarten konkrete Anreize für unsere milliardenschweren Investitionsvorhaben", sagte Deutschland-Chef Niek Jan van Damme laut einer Mitteilung. Im Sommer hatte Kroes eine investitionsfreundlichere Regulierung zugesagt und langfristig stabile Preise für die letzte Meile angekündigt.

Fragt man jene, die die Miete bezahlen sollen, ist es genau andersherum: Hohe TAL-Kosten behindern den Netzausbau hierzulande. "In Deutschland wird nach mehr als zehn Jahren auch ganz offenkundig, dass zu hohe Mietpreise den Breitbandausbau bis zum Kabelverzweiger massiv behindern", kritisiert Jürgen Grützner, Chef des Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM). Der Ausbau bis zum Kvz sei von strategischer Bedeutung: "Hier entscheidet sich, ob wir in Deutschland eine flächendeckende Versorgung mit 50 Mbit/s und mehr bekommen oder nicht."

Der VATM kritisiert die "künstlich hohen Vorprodukt-Preise", die Investitionen in Glasfasernetze bis ins Haus oder die Wohnung (FTTB/FTTH) stimulieren sollten, zugleich aber den Ausbau von Glasfasernetzen bis zum Kvz der Telekom (FTTC) bremsen. Dabei sei der nötig, um die Breitbandinitiative der Bundesregierung mit Leben zu füllen. "Statt 80 bis 100 Milliarden über Jahrzehnte in den FTTB/H-Ausbau zu stecken, müssen wir erst versuchen, den zehn Mal billigeren FTTC-Ausbau bis zum Kabelverzweiger zu schaffen, wenn wir die Ziele der Bundesregierung ernst nehmen", meint Grützner.

Die Argumente sind also ausgetauscht. Jetzt hat die Bundesnetzagentur das Wort. Eine Entscheidung soll in etwa zehn Wochen fallen, sagte ein Sprecher der Behörde. Die gilt dann vorläufig, weil auch noch die EU-Kommission und die anderen europäischen Regulierer gehört werden müssen. (vbr)