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Milchstraße verabschiedet sich von "Net-Business"

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Nach der plötzlichen Einstellung des "e-Business"-Ablegers der Wirtschaftswoche Mitte Juni stellt nun auch der Verlag Milchstraße seine Zeitung "Net-Business" ein. Die am kommenden Freitag erscheinende Ausgabe wird die letzte von der Hamburger Redaktion erstellte Nummer sein. Wie die Verlagsgruppe Handelsblatt, die "e-Business" herausgab, macht auch die Milchstraße den vollständig eingebrochenen Anzeigenmarkt rund um die New Economy für das Aus verantwortlich.

Mit Net-Business verschwindet einer der letzten Cheerleader der Internet-Startup-Kultur vom Markt. Bis zuletzt hatte die Zeitung die wenigen "Dot-wins" vorgestellt, Durchstarter, die mit dem Netz tatsächlich Gewinne erwirtschaften. Berühmt wurde das Blatt auch durch Trend-Geschichten über die "New-Business-Generation", die Kickertische im Büro einführte, immer öfter den Hund mit ins Office brachte oder Afterwork-Parties am Arbeitsplatz zelebrierte.

Neben dem Lifestyle-Element, das den Trendverlag Milchstraße groß gemacht hat, wollte Herausgeber Dirk Manthey mit "Net-Business" allerdings auch die Neupositionierung seines Hauses hin zur seriösen Berichterstattung angehen. Im neuen Jahrtausend soll der spaßbetonte Konzern im Hamburger Stadtteil Pöseldorf zu einem publizistisch ernst zu nehmenden Unternehmen reifen, gab der helle Polohemden gegen dunkle Pullis tauschende Verleger Anfang 2000 als Losung aus. Die am 24. Januar 2000 gestartete "Net-Business" war daher neben dem Internet-Lifestyle auf kritische Analysen von Geschäftsmodellen wie das Netz-Consulting oder der Wagniskapitalgeber programmiert. Dazu kamen ein großer Aktien- und Finanzteil sowie ein Ressort für Netzpolitik und Aktuelles.

Die Pläne Mantheys schienen zunächst aufzugehen. "Wir haben ein gesundes Wachstum der Abonnenten und das Anzeigengeschäft läuft hervorragend", verkündete Klaus Mazdia, Geschäftsführer und Chefredakteur des Blattes, im Sommer vergangenen Jahres. Im September wurde die Erscheinungsweise daher zwischenzeitlich von 14-täglich auf wöchentlich verkürzt, die Anzeigenpreise schossen nach oben. Doch bereits am Jahresende wurde die zunächst auf über 80 Köpfe erweiterte Redaktion erstmals deutlich zurückgestutzt. Zahlreiche Gründungsredakteure verließen mit einem lachenden und einem weinenden Auge das Haus.

Auch der Erwerb der Eklusivrechte an deutschen Übersetzungen von Geschichten aus dem US-Magazin "Wired", dem einstigen Hausblatt der "digitalen Revolution", half nicht mehr weiter. Nach der Entzauberung der New Economy brach "Net-Business" das Anzeigengeschäft in einem Umfang weg, mit dem Chefredaktion und Manthey zunächst nicht gerechnet hatten. Da das Blatt auf drei Säulen – New Economy, klassische Wirtschaft und Aktienmärkte – stehe, so Mazdia vor einem Jahr, sei es auch "nicht so anfällig für eventuelle Marktschwächen".

Dass Manthey sein Vorzeigeprojekt "Net-Business" nun doch einstellen muss, ist für den erfolgsverwöhnten, 46-jährigen Verleger ("Amica", "Fit for Fun" und so weiter) eine schwere persönliche Niederlage. Chefredakteur Klaus Madzia hatte nach dem Kahlschlag im Wald der New-Economy-Blätter vor wenigen Wochen noch unaufgefordert bei anderen Medien angerufen, um Redakteuren zu versichern, sein Blatt stehe nicht vor dem Aus. Doch der Sommerwind und die anhaltend schlechte Lage im IT-Sektor haben "Net-Business" nun doch noch getroffen. Für die verbliebenen 32 Mitarbeiter soll zumindest ein Sozialplan erstellt werden, versichert Milchstraße-Geschäftsführer Martin Fischer, ehemaliger Sonnyboy der Anzeigenabteilung im Hamburger Nobelviertel. Gehen müssen sie alle.

Die Marke "Net-Business" wird dagegen vorerst überleben. Manthey hat sie für einen nicht genannten Betrag an Peter Turi verkauft. Der ehemalige Chefredakteur des Medien-Branchendienstes "Kress" will unter dem lizenzierten Namen ein 14-tägiges Branchenmagazin in Heidelberg entwickeln. Sein Motto "Köpfe, Konzepte und Karriere" erinnert stark an das Kress-Rezept selbst, und soll sich als Fachblatt für Medien und Marketing neben weiteren Konkurrenten wie "Horizont" sowie "Werben & Verkaufen" (w&v) etablieren. Ursprünglich sollte Turi vom 1. Oktober an Madzia als Chefredakteur der ins Trudeln gekommenen "Net-Business" ablösen. Das erste Heft mit neuem Konzept wird vermutlich schon im September erscheinen.

Zurückstreichen musste Manthey vor zwei Wochen auch das Milchstraße-Objekt Tomorrow, das als "Internet-Illustrierte" zeitweilig eine Auflage von über 300.000 Heften erreichte. Das Magazin erscheint in Zukunft wieder monatlich statt alle zwei Wochen. Fast die Hälfte der Belegschaft muss daher auch dort gehen. (Stefan Krempl) / (jk)