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Militär-Prestigeprojekt: Eurodrohne verzögert sich und wird vermutlich teurer

Die von mehreren europäischen Staaten geplante Eurodrohne kann frühestens 2027 abheben, lässt die Bundesregierung durchblicken. Bislang war 2025 vorgesehen.

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Langstreckendrohne EuroHawk: Der europäische Nachfolger verzögert sich.

(Bild: Detlef Borchers / heise online)

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Die Entwicklung der Eurodrohne soll bis mindestens 2027 dauern. Das Fluggerät wird damit erst gut zwei Jahre später einsetzbar sein als bisher geplant. Der Vertragsschluss der federführenden Regierungen von Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Tschechien für "Male Rpas" (Medium Altitude Long Endurance / Remotely Piloted Air System) werde erst 2020 erwartet, erklärt die Bundesregierung auf eine Anfrage der Bundestagsfraktion "Die Linke", die heise online vorliegt. Es sei dann damit zu rechnen, dass "rund 84 Monate später" ein erstes Serienluftfahrtzeug ausgeliefert werden könne.

Der tatsächliche Zeitpunkt ist laut der Regierung abhängig vom Verhandlungsergebnis und der tatsächlichen Vertragsunterzeichnung. Die "Gemeinsame Organisation für Rüstungskooperation" (Occar), die das Gesamtprojekt koordiniert, habe die "wesentlichen Ergebnisse der Definitionsstudie" für die bewaffnungsfähige künftige Drohne aber "bis zum 23. November 2018 übergeben", zeigt sich das federführende Verteidigungsministerium hier zuversichtlich. Derzeit stehe nur noch "die Lieferung der letzten Unterlagen" für den Windkanaltest und die Abschlussrechnung aus. Der Abschluss dürfte so noch im Oktober über die Bühne gehen.

Die Verzögerungen seien etwa "auf den Harmonisierungsprozess der technisch-operativen Systemforderungen" zurückzuführen, bleibt die Regierung vage. Zudem habe die Industrie ein Angebot verspätet erstellt. Mittlerweile seien die Anforderungen an das zu entwickelnde System und damit die Ausstattung und Fähigkeiten zwischen den beteiligten Nationen abgestimmt. Zuvor hatte es geheißen, dass das Verteidigungsressort ständig mehr Wünsche geäußert habe. Nur "aus Pressemitteilungen" ist diesem nach eigenen Angaben bekannt, dass Mitglieder des französischen Senats Befürchtungen geäußert haben, das System dürfte nur schwer exportierbar sein.

Die Verspätung für den Nachfolger der Aufklärungsdrohne EuroHawk kommt überraschend. Anfang des Jahres hatte das Verteidigungsministerium noch die Ansage gemacht, es gehe "unverändert davon aus" dass die Serienfertigung 2025 beginnen könne. Die Verzögerungen dürften das Projekt, bei dem Portugal, Belgien, Finnland, Ungarn, die Niederlande und Polen im Rahmen der europäischen Ständigen Strukturierten Zusammenarbeit im Militärbereich (Pesco) mittlerweile als offizielle Beobachter fungieren, auch verteuern.

Die Regierung hält sich zu Kostenschätzungen beteiligter Rüstungskonzerne aber bedeckt, "da es sich um ein laufendes Vergabeverfahren handelt" und sie so zu den Inhalten des Angebots keine Auskunft geben könne. Konkrete Überlegungen zur künftigen Bewaffnung der vermutlich gut zehn Tonnen schweren Eurodrohne, von denen der Bund zunächst 16 Stück selbst bestellen will, gebe es noch nicht.

Dass sich das Vorhaben deutlich verspätet, bestärkt den Europaexperten der Linken, Andrej Hunko, in seiner Kritik daran. "Hier werden Milliarden in den Sand gesetzt, um Aufträge für große Konzerne in den EU-Mitgliedstaaten zu schaffen", betont der Oppositionspolitiker. Da Kampfdrohnen generell "Killerwaffen" seien, forderte er das Ende der Initiative zur weiteren "Militarisierung der EU-Außen- und Sicherheitspolitik". (siko)